Atommüllfässer – Rosten vor sich hin, sind aber nicht gefährlich

25. März 2015  Allgemein, Anfragen, Berichte

Rostende Atommüllfässer im Zwischenlager auf dem KIT-Campus Nord Karlsruhe – Antwort der Stadtverwaltung auf unsere Anfrage:

Die Anfrage wurde dem zuständigen Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft mit der Bitte um Beantwortung zugeleitet.
Die nachfolgenden Antworten beruhen auf dessen Stellungnahme vom 15.01.2015 unter Bezugnahme auf Landtagsdrucksache 15/6163 vom 24.11.2014 zu „Schwach- und mittel-radioaktiver Abfall auf dem Gelände des KIT Campus Nord in Karlsruhe“ sowie aus der Stellungnahme der für den Betrieb des Zwischenlagers zuständigen WAK GmbH vom 20.01.2015.

1. Seit wann lagern Atommüllfässer auf dem Gelände der ehemaligen Wieder- aufbereitungsanlage Karlsruhe?

Am Standort Karlsruhe (KIT Campus Nord, Betriebsgelände WAK GmbH) werden seit den 1970er Jahren überwiegend im Rahmen von Forschungs-, Entwicklungs- und Rückbauarbeiten erzeugte radioaktive Reststoffe konditioniert und für die Einlagerung im Endlager vorbereitet. Diese Reststoffe sind volumenreduziert in ca. 65.000 (Abfallprodukt-)Fässer verpackt, die Fässer selbst größtenteils in ca. 6.500 Container in drei großen Containerhallen eingestellt.

2. Für wie viele Jahre war zu Beginn der Lagerung geplant, die Fässer dort zu lagern?

3. Für wie lange noch ist nach aktuellen Erkenntnissen mit einer Lagerung des Atommülls auf dem Gelände der ehemaligen Wiederaufbereitungsanlage zu rechnen, bitte Zeitangabe?

Seit Beginn der Einlagerung von Abfallprodukten ist eine „zeitnahe“ Auslagerung in ein Bundesendlager erwartet worden. Die bundesseitigen Arbeiten zur Errichtung eines Endlagers wurden Ende der 1970er Jahre aufgenommen. Erste Inbetriebnahmeprognosen für das Endlager KONRAD lagen in der 2. Hälfte der 1990er Jahre. Die derzeitigen Prognosen zur Inbetriebnahme des Endlagers KONRAD liegen in der 1. Hälfte der 2020er Jahre. Die Einlagerung der Abfälle der WAK GmbH kann, abhängig von der Einlagerungslogistik des Endlagerbetreibers, dann weitere 30 – 40 Jahre dauern.

4. Ist die aufgetretene und auftretende Korrosion dieser Fässer eine „neue“ Erscheinung oder ist seit Beginn der Lagerung mit Korrosionen dieser Fässer gerechnet worden?

Korrosionserscheinungen an Fässern können nicht ausgeschlossen werden und sind
schon lange bekannt. Bereits Mitte der 1990er Jahre wurden von den Entsorgungsbetrieben der WAK GmbH solche Korrosionserscheinungen untersucht, die Anforderungen an Fässer und Container erhöht und weitere Maßnahmen zur Optimierung ergriffen.
Durch die ständigen Verzögerungen der Inbetriebnahme des Endlagers KONRAD muss heute von einer wesentlich längeren Zwischenlagerzeit ausgegangen werden. Daher sind die Ansprüche an die Qualität, Qualitätssicherung und die beschädigungsfreie Handhabung der Fässer immer weiter gestiegen und wurden kontinuierlich dem neuesten Stand der Technik angepasst.
Alle verwendeten Fässer, selbst die ältesten aus den 1970er Jahren, hatten schon immer eine Korrosionsschutzbeschichtung. Seit 2004 werden sowohl die Abfallfässer, als auch die Container zusätzlich zur Korrosionsschutzschicht mit stoßfesten Innenauskleidungen versehen. Daher ist für diese Abfallgebinde auch bei längeren Zwischenlagerzeiten ein wesentlich geringerer Anteil an Korrosionserscheinungen zu erwarten.

5. Wie lange ist eine Lagerung von Atommüll in den bereits korrodierten Fässern noch möglich bzw. zu verantworten? Welche diesbezüglichen Informationen liegen der Stadt Karlsruhe seitens der Betreiber des Zwischenlagers für Atommüll in Karlsruhe vor?

Nach Auskunft der für den Standort Karlsruhe, KIT Campus Nord zuständigen WAK GmbH werden im Rahmen der seit Jahren laufenden routinemäßigen Inspektionsarbeiten unter Strahlenschutzbedingungen auffällige Abfallfässer und Container mit Korrosionserscheinungen sofort behandelt. Abfallfässer werden unmittelbar als Ganzes in größere Schutzfässer verpackt oder in den Anlagen der Entsorgungsbetriebe in neue Fässer umgepackt. Die Abfälle in den vergossenen Containern werden unmittelbar in den Anlagen der Entsorgungsbetriebe unter Beachtung des Strahlenschutzes neu konditioniert. Von den korrodierten Fässern und Containern geht daher keine Gefahr für Mensch und Umwelt aus. Es sind auch keine Fässer oder Container mit Korrosionserscheinungen frei zugänglich, so die Betreiber.
Die Inspektion der Abfallgebinde und ggf. deren Nachkonditionierung werden bis zur Einlagerung in das Endlager KONRAD routinemäßig fortgesetzt werden.

6. Welche Kosten wird eine Sanierung der korrodierten Fässer aufwerfen, und wer wird diese Kosten tragen?

Die Entsorgung radioaktiver Abfälle (Konditionierung, Zwischenlagerung, Inspektionsarbeiten, Nachkonditionierung, Endlagerung) sind neben dem Rückbau von nuklearen Altanlagen am Standort Karlsruhe KIT Campus Nord Kernaufgabe der WAK GmbH. Die Finanzierung der im Rahmen des Inspektionsprogramms anfallenden Kosten erfolgt daher grundsätzlich durch die Zuwendungsgeber der WAK GmbH (ca. 90% Bund und 10% Land).

7. Inwieweit wird/ ist die Stadt Karlsruhe in die Informationslage über den jeweils aktuellen Stand der Sicherheit des Zwischenlagers für Atommüll in Karlsruhe einbezogen?

Die Informationslage der Stadt Karlsruhe entspricht den öffentlichen Informationen der für den Betrieb des Zwischenlagers zuständigen WAK GmbH und der zuständigen Aufsichtsbe-hörde, dem Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft.

8. Können gesundheitliche Risiken für die Karlsruher Bevölkerung auftreten?

9. Wenn ja, gibt es Vorkehrungen oder Pläne zur Evakuierung?

Von den korrodierten Fässern und Containern geht keine Gefahr für Mensch und Umwelt aus. Es sind keine Fässer oder Container mit Korrosionserscheinungen frei zugänglich

23. März 2015


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