Städtische Schuldnerberatung – Wartezeit verdoppelt – Stadt bleibt untätig

02. November 2016  Allgemein, Anfragen, Berichte

Durch den Tod eines Mitarbeiters hat sich die Wartezeit bei der städtischen Schuldnerberatung verdoppelt. Dafür müsste im Stellenplan eine zusätzliche Stelle geschaffen werden. Was aber bisher nicht erfolgt ist, wie aus unserer Anfrage zur Lage der Schuldnerberatungen in Karlsruhe zu entnehmen ist.

1. Wie viele Haushalte in Karlsruhe waren je in den Jahren 2011 bis heute überschuldet?
 

Im Durchschnitt waren seit dem Jahr 2011 jährlich etwa 30.000 Haushalte in Karlsruhe verschuldet.
 

2. Welche Schuldnerberatungen gibt es derzeit in Karlsruhe und wie hat sich deren personelle Situation je in den Jahren von 2011 bis heute gestaltet (Ehrenamtliche und angestelltes Fachpersonal, bitte pro Einrichtung)?
 

In Karlsruhe gibt es zwei Schuldnerberatungsstellen: Bei der Caritas und bei der Stadt Karlsruhe.
 

Die städtische Schuldnerberatung war bis September 2015 mit zwei Beratern und einer Sekretariatskraft (Halbtagsstelle) besetzt. Seit Oktober 2015 ist nur noch ein Berater tätig.
Die Caritas-Schuldnerberatung ist mit 1,5 Beratungsstellen und einer Sekretariatskraft (30 Prozent) ausgestattet. Außerdem sind drei ehrenamtliche Mitarbeitende tätig, die jeweils einer Beraterin beziehungsweise einem Berater direkt zugeordnet sind und diese/n bei der Fallarbeit unterstützen.
 

3. Welches Kundenprofil haben die einzelnen Schuldnerberatungseinrichtungen?
 

Die Caritas ist für alle überschuldeten Einwohnerinnen und Einwohner zuständig. Sie bietet keine Beratung bei Gewerbe- und Immobilienschulden an.
 

Die städtische Beratungsstelle berät Sozialleistungsbeziehende nach dem Sozialgesetzbuch II und XII, Mitarbeitende der Stadtverwaltung sowie Menschen in Wohnungsnotsituationen. Schulden sind der häufigste Anlass für Konflikte in Mietverhältnissen. Insofern hat die Schuldnerberatungsstelle für die Fachstelle Wohnungssicherung eine große Bedeutung.
 

4. Wie groß war die Zahl der Hilfesuchenden je in

den Schuldnerberatungseinrichtungen je in den Jahren 2011 bis heute, in Bezug auf
 

a) Neue Anfragen
b) Beratungsfälle aus den Vorjahren

 

Städtische Schuldnerberatung

Jahr                                                  2011     2012     2013      2014    2015

Beratungsfälle aus Vorjahren               224       218       217       222     226

Neufälle                                              679       600       656       778     626

 

Schuldnerberatung der Caritas

Jahr                                                 2011      2012      2013     2014     2015

Beratungsfälle aus Vorjahren                67        141       138      184      166

Neufälle                                         ca. 500    ca.500      460      460      314

 

5. Wie haben sich je in den einzelnen Schuldnerberatungseinrichtungen die Wartezeiten entwickelt je in den Jahren von 2011 bis heute – welche Gründe liegen dafür vor bzw. sind bekannt?
a) Wartezeiten zu einem ersten telefonischen Informationsgespräch
b) Wartezeiten zu einem ersten persönlichen Beratungsgespräch
 

Die Wartezeit bei der städtischen Schuldnerberatung betrug bis September 2015 ein bis zwei Monate. Seit Oktober 2015 hat sich die Wartezeit auf vier Monate erhöht. Grund hierfür ist die Reduzierung der Personalkapazität auf einen Berater. Telefonische Kurzberatungen erfolgen innerhalb von vier Tagen. Ausnahmen stellen Urlaubs- und Krankheitstage des Beraters dar.
 

Die Wartezeit bei der Schuldnerberatung der Caritas betrug bis 2013 zwischen drei und sechs Monaten und reduzierte sich danach auf zwei Monate. Für Notfälle besteht wöchentlich die Möglichkeit zu einem persönlichen Gespräch.
 

6. Was ist das Ziel der Kundenbetreuung bei den Schuldnerberatungen bzw. wann gilt eine Beratung als erfolgreich abgeschlossen?
 

Ziel der städtischen Schuldnerberatung ist es, verschuldeten Menschen einen nieder-schwelligen Zugang zur Beratung zu ermöglichen. Bei vielen Sozialleistungsbeziehenden ist die Privatinsolvenz der einzige Ausweg aus der Verschuldung.
 

Vorrangiges Ziel der Beratung der Caritas ist es, die Ratsuchenden zu befähigen, mit ihrem monatlich zur Verfügung stehenden Haushaltsmitteln auszukommen, so dass keine neuen Schulden entstehen und ihre Selbsthilfepotentiale insoweit zu aktivieren, dass sie in der Lage sind, ihre Schulden weitgehend selbständig zu regulieren und gegebenenfalls Unterstützung bei der Einleitung und Durchführung eines Privatinsolvenzverfahrens.
 

7. Über welchen Zeitraum bzw. über wie viele Kundengespräche erstreckt sich in der Regel ein Beratungsfall?
Bei der städtischen Schuldnerberatung finden im Regelfall zwei bis fünf Beratungsgespräche statt. Die Beratungsstelle bleibt jedoch während der gesamten Schuldenregulierung, die sich über Jahre hinziehen kann, Ansprechpartner für die Klienten.
 

Die Caritas-Schuldnerberatungsstelle wertet die Dauer der Beratungsprozesse nicht aus. Die Zeiträume variieren jedoch sehr stark, von Einzelterminen bis hin zu einer jahrelangen Begleitung. Im Schnitt finden etwa sieben Beratungskontakte statt.
 

8. Welches sind derzeit die Hauptgründe für private Verschuldung?
 

Hauptgründe für private Verschuldung sind Arbeitslosigkeit, Trennung und Krankheit.
 

9. Sieht die Stadt im Rahmen der städtischen Ziele in Bezug auf Armutsbekämpfung die Notwendigkeit, Qualität und Kapazität der Schuldnerberatungseinrichtungen in Karlsruhe zu verbessern?

 Wenn ja: Wie?
 Wenn nein, warum nicht?
 

Beide Beratungsstellen verfügen über eine gute Qualität.
 

Seit die städtische Schuldnerberatung nur noch mit einer Person besetzt ist, hat sich die Wartezeit deutlich erhöht. Eine Ausweitung der Personalkapazität würde die Wartezeit wieder entspannen und fachliche Vertretungen ermöglichen. Der langjährig eingesetzte zweite Berater stand der Schuldnerberatung bis zu seinem Ableben aus personaldisposito-rischen Gründen zusätzlich zur Verfügung, das heißt es existiert nur eine Stelle im Stellenplan. Eine Ausweitung der Stellenkapazität würde eine Stellenschaffung vorrausetzen.

Stadt Karlsruhe
 

Der Oberbürgermeister, 25. Oktober 2016

 

 


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