Sindelfingen hat sich entschieden, für die Großen da zu sein

Zur Entscheidung des Sindelfinger Gemeinderats, der Erweiterung des Breuningerlands zuzustimmen

In Sachen Breuninger-Erweiterung will ich mich gar nicht zur rechtlichen Seite der Angelegenheit äußern. Zum einem will ich nicht, dass unser aller Oberbürgermeister wieder behauptet, ich schadete damit Sindelfinger Interessen, die in seinem Verständnis mit den Interessen der Firma Breuninger identisch sind. Zum anderen sind meine Einwände gegen das Vorhaben inhaltlich und nicht juristisch begründet.

Als ich als junger Mensch zum ersten Mal in unserer Partnerstadt Corbeil-Essonnes war, war ich erstaunt darüber, wie die Innenstadt durch florierende Einzelhandelsgeschäfte geprägt war, große Einkaufszentren suchte ich vergeblich. Als ich den damaligen Bürgermeister Roger Combrisson (heute Ehrenbürger der Stadt Sindelfingen) auf dieses Phänomen ansprach, sagte mir dieser, dass es natürlich auch Anfragen von Betreibern großer Einkaufszentren gab, aber diese wurden in Corbeil-Essonnes abgelehnt. Roger Combrisson sagte: “Man muss sich entscheiden: Will man die Interessen der Kleinen oder der Großen vertreten? Wir haben uns für die Kleinen entschieden.”

In Sindelfingen hat sich die herrschende Politik für die Großen entschieden. Das geht zu Lasten der kleinen Einzelhändler. Das ist doch logisch. Wenn ich einen Einkaufszettel mit fünf Sachen habe und nur zwei davon werden durch Angebote in der Innenstadt abgedeckt, dann gehe ich gleich dort hin, wo ich alles bekomme.

Wenn der Einzelhändler weniger Umsatz hat, muss er die Sachen zu einem Preis anbieten, der seine Unkosten deckt. Das ist wiederum für viele ein Grund, um nicht bei ihm einzukaufen. Der Umsatz geht weiter zurück und dann stellt sich die Frage, ob es sich lohnt, das Geschäft aufrecht zu erhalten. Ein Teufelskreis, der mit der Erweiterung von Breuninger in eine verschärfte Runde geht.

Richard Pitterle, Stadtrat der Linken in Sindelfingen


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