ZDF WISO: Steuerbelastung durch kalte Progression

17. Dezember 2013  Allgemein
"Dass die Große Koalition nichts gegen die kalte Proghression unternimmt, ist sozial ungerecht."

“Dass die Große Koalition nichts gegen die kalte Proghression unternimmt, ist sozial ungerecht.”

O-Ton der Kanzlerin Dr. Merkel:

  • “Wir wollen keine Steuern erhöhen”
  • “Keine zusätzlichen Belastungen für die Bürgerinnen und Bürger”
  • “Wir wollen genau nicht über Steuererhöhungen . . . “

Keine Steuermehrbelastung!

Das große Regierungsversprechen der großen Koalition!

Durch einen Klick auf diesen Link die Sendung in der ZDF-Mediathek ansehen:
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2048440/Steuerbelastung-durch-kalte-Progression#/beitrag/video/2048440/Steuerbelastung-durch-kalte-Progression

Jetzt endgültig festgeschrieben im Koalitionsvertrag. Besonders Klein- und Mittelverdiener sollte der Fiskus sogar entlasten. Doch diese Wahlkampfwahrheit gilt nicht mehr. Im Gegenteil:

Grade Normalverdiener zahlen weiter drauf, weil CDU/CSU und die SPD nichts gegen die kalte Progression tun.

“Kalte Progression” bezeichnet eine Steuermehrbelastung. Sie tritt dann ein, wenn Lohnsteigerungen gerade mal die Inflation ausgleichen und die Steuersätze nicht an die Inflationsrate angepasst werden. Dadurch steigt die Steuerbelastung stärker als die Inflation. Die Folge ist, dass weniger im Portemonnaie bleibt, weil die Lohnerhöhung von der Inflation gefressen wird. Und das trifft insbesondere diejenigen, die ohnehin nicht viel verdienen. Mit ihrem höheren Lohn können sie nämlich immer weniger kaufen und müssen zusätzlich noch mehr Steuern zahlen.

Zum Beispiel eine Krankenschwester mit Steuerklasse 1. Sie verdient 1.500 Euro im Monat. Bei einer Lohnerhöhung von 30 Euro kommen aber bei ihr nur 16 Euro netto an. Während ihr Lohn sich also nur um zwei Prozent erhöht, steigt ihre Steuer fast um neun Prozent. Bis 2017 fehlen ihr deshalb also 294 Euro an Kaufkraft bei einer angenommenen Inflation von zwei Prozent.

O-Ton Uwe Rauhöft (Neuer Verband der Lohnsteuerhilfevereine):

“Die kalte Progression trifft vor allem untere Einkommen sehr stark. Die Steuerbelastung steigt überproportional, nämlich viermal höher als bei höheren Einkommen. Unmd das bedeutet, dass der Nettolohn die Inflation nicht mehr ausgleichen kann und dir Kaufkraft sinkt.”

WISO_04Weniger Kaufkraft durch die kalte Progression. Das spüren vor allem auch Facharbeiter. Auch sie werden zusätzlich mit Steuern belastet.

Zum Beispiel ein Facharbeiter mit Steuerklasse 3. Er verdient 3.000 Euro brutto im Monat. Bei einer Lohnerhöhung von 60 Euro kommen bei ihm aber nur 34 Euro netto an. Während sich sein Lohn also um nur zwei Prozent erhöht, steigt seine Steuer um fast 6 Prozent. Bis 2017 fehlen ihm deshalb also 432 Euro an Kaufkraft bei einer angenommenen Inflation von zwei Prozent.

O-Ton Uwe Rauhöft (Neuer Verband der Lohnsteuerhilfevereine):

“Die kalte Progression trifft praktisch alle Einkommen bis zum Spitzensteuersatz, ein Ergebnis des WISO_01progressiven Steuertarifs, der müsste regelmäßig an die Lohnentwicklung und an die Inflation angepasst werden. Bisher ist das nur beim Existenzminimum vorgesehen. Das muss die Regierung ändern.”

Wie der Fiskus die Bürger wegen der kalten Progression über Jahre steuerlich zusätzlich mehr belastet, hat das Finanzministerium in einer Antwort auf die Anfrage der Linken berechnet.

Rund acht Milliarden Euro wird die Steuermehrbelastung bis 2017 betragen.

O-Ton Richard Pitterle (DIE LINKE:)

“Dass die Große Koalition nichts gegen die kalte Progression unternimmt, ist sozial ungerecht. Denn es zahlt die Verkäuferin, es zahlt der Facharbeiter, es zahlt der Lehrer, es zahlen Millionen Menschen in unserer Gesellschaft. Statt die Steuerausfälle über die kalte Progression zu finanzieren, wäre es gerecht, wenn man den Spitzensteuersatz erhöht. Die Große Koalition muss endlich handeln.”

Deutschlands Zukunfgt gestalten ohne Steuermehrbelastung: Vergeblich!

Die Suche nach “kalter Progression” im Koalitionsvertrag ist da eindeutig: Keine Treffer.

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