Kreistag: Werbekampagne geht ins Nirgendwo

norbert_fuessingerJugendhilfe- und Bildungsausschuss des Böblinger Kreistags: Die FDP beantragte eine Werbekampagne bei “jungen Männern”, um sie für eine Erzieherausbildung zu gewinnen. Sie soll 8.300 Euro kosten. Norbert Füssinger (DIE LINKE) hält die Kampagne für “nicht zielführend”.

“Dass zu wenige Männer den Beruf eines Erziehers erlernen, nämlich nur etwa 10 Prozent, ist unbestritten und aus pädagogischer Sicht mehr als bedauerlich.” Norbert Füssinger reagierte mit diesen Worten auf den Antrag der FDP.  Füssinger weiter: “Aber der wahre Grund dafür ist die miserable Vergütung. Und eine Werbekampagne ändert daran gar nichts. Die Betroffenen kriegen von dieser 8.300-Euro-Kampagne ja keinen Cent. Von einem Erziehergehalt kann man keine Familie ernähren, weshalb viele Frauen nach relativ kurzer Zeit kündigen, sobald sie einen Ehepartner gefunden und Kinder bekommen haben.”
Füssinger veranschaulichte dies auch an Beispielen seiner ehemaligen Schüler, die die Hilde-Domin-Schule besucht hatten. “Wenn man dem Antrag zustimmen will, sollte man zumindest darauf hinweisen, dass bei den Tarifverhandlungen in diesem Frühjahr erstmals von den kommunalen Arbeitgebern eine angemessene Besoldungserhöhung mit einem Sockel von 90 Euro akzeptiert wurde, der Geringverdienern zugute kommt. So etwas ist zielführend, die Werbekampagne jedoch macht nur auf das Problem aufmerksam. Sie geht aber ins Nirgendwo.”
Trotz sieben Gegenstimmen und der Enthaltung Füssingers wurde der FDP-Antrag angenommen.