Reinhard Stübner führt jetzt die Linke im Kreis

Stabübergabe: Reinhard Stübner löst Richard Pitterle als Kreisvorsitzenden nach zwölf Jahren Amtszeit ab.

Stabübergabe: Reinhard Stübner löst Richard Pitterle als Kreisvorsitzenden nach zwölf Jahren Amtszeit ab.

Böblingen
Mit 95 Prozent der Stimmen wurde am Donnerstagabend der Sindelfinger Reinhard Stübner zum neuen Vorsitzenden des Kreisverbands der Linken gewählt. Auf der gut besuchten Mitgliederversammlung im Arbeiterzentrum der katholischen Betriebsseelsorge wurde der gesamte Kreisvorstand für die nächsten zwei Jahre neu gewählt. Richard Pitterle gibt den Vorsitz nach zwölf Jahren ab.

In seinem Rechenschaftsbericht ging Pitterle zunächst auf die Konflikte in der Ostukraine und im Nahen Osten ein: “Obwohl ich sicher kein Putin-Versteher im Sinne der Befürwortung seiner Politik bin, ist es doch nicht falsch, wenn man die Interessenlagen politischer Akteure versteht oder zumindest versucht, diese zu verstehen.” Der steuerpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion äußerte unter großem Beifall seine Hoffnung, dass mit Bodo Ramelow in Thüringen ein erster Linker Ministerpräsident eines Bundeslandes wird: “Selbst Herr Molitor von den Stuttgarter Nachrichten wird irgendwann einmal erkennen, dass der kalte Krieg vorbei ist.”

“Die Bilanz des Kreisverbands ist mehr als positiv,” kam Pitterle auf die Arbeit vor Ort zu sprechen: “Wir konnten das Bundestagsmandat im Kreis halten, bei den Kommunalwahlen haben wir die Mandate von zwei auf sechs verdreifacht, wir boten den Bügerinnen und Bürgern im Kreis hochinteressante Veranstaltungen mit kompetentesten Referenten zu Themen wie dem NSU, TTIP, der Energiewende, der Organisation von Kommunalfinanzen. Und wir hatten den Fraktionsvorsitzenden Gregor Gysi und den Parteivorsitzenden Bernd Riexinger zu Gast. Fast 50 Infostände und 33.000 in Briefkästen verteilte Publikationen zeigen, wie groß das ehrenamtliche Engagement der Mitglieder ist. Das gilt besonders auch für das Unterschriftensammeln – oft bei Kälte, Regen und Schnee – vor den Sindelfinger Kitas. Sehr erfreulich war, dass wir in den letzten zwei Jahren keine internen Streitereien persönlicher Natur auszuhalten hatten.”

Der alte Kreisvorstand erarbeitete einen Personal-Vorschlag für den neuen Kreisvorstand: Vier Frauen und fünf Männer sollten zukünftig die Geschicke der Kreis-Partei leiten. Dieser Vorschlag wurde von der Mitgliederversammlung dahingehend akzeptiert, als dass keiner der Bewerberinnen oder Bewerber ein schlechteres Ergebnis als 80 Prozent der Stimmen erhielt. Der Kreisschatzmeister Siegfried Liebscher (Böblingen) erhielt sogar alle Stimmen. Er meinte: “100 Prozent zu toppen, wird mir zukünftig nur schwer gelingen.”

Der geschäftsführende Vorstand besteht nun aus Reinhard Stübner (Sindelfingen) als Vorsitzendem, Brigitte Ostmeyer (Holzgerlingen), stellvertetende Vorsitzende, und dem Schatzmeister Siegfried Liebscher (Böblingen). Als Beisitzer wurden gewählt: Elfriede Belouschek (Waldenbuch), Nina und Corine Kleemann (Holzgerlingen), Manfred Norwat (Nufringen), Klaus Hering (Weil der Stadt) und Richard Pitterle (Sindelfingen). Als Pressebeauftragter wurde Stefan Dreher bestimmt.

Der neue Kreisvorstand (von links): Manfred Norwat, Corine Kleemann, Siegfried Liebscher, Elfriede Belouschek, Reinhard Stübner, Brigitte Ostmeyer, Richard Pitterle und Klaus Hering.

Der neue Kreisvorstand (von links): Manfred Norwat, Corine Kleemann, Siegfried Liebscher, Elfriede Belouschek, Reinhard Stübner, Brigitte Ostmeyer, Richard Pitterle und Klaus Hering.

Inhaltlich beschäftigte sich die Mitgliederversammlung mit der Abfallwirtschaft im Landkreis. Wolfgang Hörmann, der Fachbereichsleiter für Betriebswirtschaft, Verwaltung und Kommunikation des Abfallwirtschaftsbetriebes des Landkreises erläuterte in einem etwa einstündigen Vortrag die Thematik. Öfters wurde er dabei durch Diskussionsbeiträge unterbrochen, die sich insgesamt zustimmend zum Gesamtkonzept des Unternehmens erwiesen. Die Bereitschaft, die gesamte Abfallwirtschaft in kommunaler Hand behalten zu wollen, wurde besonders gelobt. Lediglich das “Bringsystem” wurde erwartungsgemäß von einigen Mitgliedern der Versammlung kritisiert. Der Teilhabe-Beiratsvorsitzende Utz Mörbe sagte: “Für Menschen mit Behinderung ist es teilweise unmöglich, ihren Müll auf die Wertstoffhöfe zu bringen.” Hörmann konterte: “Das ist uns bewusst, deshalb haben wir ja die orange Wertstofftonne eingeführt, die alle vier Wochen geleert wird, allerdings gegen Gebühr.”