Die neue Regierung beendet die humanitäre Katastrophe in Griechenland

23. Februar 2015  Allgemein
Ari

Aristidis Koutsouflianiotis

Ein Bericht vom Herrenberger Linken-Stammtisch am Freitag, 20. Februar 2015

Am Freitagabend lud der Herrenberger Ortsverband der Linken zu seinem Stammtisch in den Botenfischer ein. Dabei berichtete der Grieche Aristidis Koutsouflianiotis über die Zustände in seinem Land, die er als humanitäre Katastrophe bezeichnete:

Jeder vierte Arbeitnehmer ist zwischenzeitlich von Arbeitslosigkeit betroffen, bei unter 25-jährigen ist die Arbeitslosenquote bereits bei 59 Prozent. In der schlimmsten Rezession seit Ende des zweiten Weltkriegs stieg die Selbstmordrate um 40 Prozent, vor allem Familienväter bringen sich vor Scham um, weil sie Frau und Kinder nicht mehr ernähren können. Die Einkommen sanken um 30 Prozent, die sowieso schon niedrigen Renten um 20 Prozent. Nach Angaben ausländischer Hilfsorganisationen sind mehr als die Hälfte der Griechen ohne Krankenversicherung.
Koutsouflianiotis identifizierte die so genannten Hilfsprogramme der Troika als eine der Hauptursachen dieser Katastrophe: “Von den 320 Milliarden Euro Staatsschulden sind 240 Milliarden auf die Hilfspakete zurückzuführen und die Sparauflagen drehen jeder Konjunkturentwicklung die Luft ab.”

Die neue Regierung versucht nun zunächst, der notleidenden Bevölkerung mit einem großen Maßnahmepaket zu helfen. Dabei ist sie allerdings auf Unterstützung angewiesen. Koutsouflianiotis: “Es geht weniger um Geld, sondern es geht um Zeit, die die Regierung braucht, um andere Verhältnisse zu schaffen, Steuerhinterzieher zur Kasse zu bitten, den Tabak- und den Erdölschmuggel sowie die Korruption zu bekämpfen. Ferner will die Regierung durch die Rücknahme von Zwängen gegenüber den Ärmsten diesen die Lebensgrundlage erhalten. So sollen Stromsperren aufgehoben werden, der Erstwohnsitz darf nicht mehr enteignet werden, und für die Betroffenen sollen kostenlose Mahlzeiten und ärztliche Versorgung bereit gestellt werden.”

Der Abend war schon etwas fortgeschritten, und die Diskussion war in vollem Gange, da wurde die Nachricht bekannt, dass es offensichtlich zu einem Kompromiss zwischen der neuen griechischen Regierung und den EU-Finanzministern kam. Ohne den genauen Kompromiss zu kennen, war in der Runde doch eine gewisse Erleichterung spürbar, denn allen Stammtisch-Teilnehmern war ein Griechenland-Austritt aus der EU ein Szenario, vor dem sie offene Furcht verspürten. Koutsouflianiotis gab sich überzeugt: “Die neue Regierung wendet die humanitäre Katastrophe des Landes ab, wenn die EU ihr dazu die Chance gibt.”