Die Linke besuchte am Antikriegstag die KZ-Gedenkstätte Tailfingen

07. September 2015  Allgemein
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Der Gedenkstättenleiter Volker Mall erläutert den Leidensweg der KZ-Häftlinge an Hand einer Karte der Allierten Luftaufklärung von 1945

Am 1. September, dem Antikriegstag wird des Beginns des zweiten Weltkriegs 1939 gedacht. Dieser Krieg brachte 55 Millionen Menschen den Tod. Zu diesem Anlass besuchte der Herrenberger Ortverband der Linken die KZ Gedenkstätte in Gäufelden-Tailfingen, wo der Leiter der Gedenkstätte, Volker Mall, die Besuchergruppe durch die Ausstellung führte.

Der Flughafen Hailfingen-Tailfingen wurde bereits 1939 als strategischer Landeplatz angelegt. Von Anfang an wurden hier Zwangsarbeiter eingesetzt, um die Flugfelder ständig zu erweitern. Auch das dafür gebrauchte Baumaterial wurde im Reustener Steinbruch durch Zwangsarbeit gewonnen. Lange hatte der Flugplatz für die NS-Kriegsmaschine keine hohe strategische Bedeutung, was sich aber mit der Landung der Alliierten an der Westküste Frankreichs änderte.Nach Auflösung des KZs in Natzweiler-Struthof verlegte die SS im Herbst 1944 von dort 600 Häftlinge nach Tailfingen. An Überarbeitung, Hunger und an ungezügeltem Sadismus der SS-Angehörigen starben hunderte Gefangener. Übernachten mussten die KZ-Insassen in einem Hangar ohne Heizung und mit unzureichenden sanitären Einrichtungen.

Volker Mall sieht bis heute seine Hauptaufgabe darin, Überlebende oder Angehörige der KZ-.Insassen aufzuspüren. “Jeder Mensch hat einen Namen”, sagte Mall. Und in der Tat konnten fast alle Insassen des KZs identifiziert werden: “Gerade Menschen jüdischen Glaubens haben vielleicht sogar noch mehr als Andersgläubige die Sehnsucht, zu wissen, wo ihre Vorfahren lebten, oder wenigstens, wo sie begraben sind. Viele kommen jedes Jahr hierher, um ihrer Verwandten zu gedenken.” Mall machte auch auf die schwierigen Umstände der Entstehung der Gedenkstätte aufmerksam: In der Bevölkerung und der etablierten Lokalpolitik gab es gegen die Gedenkstätte teilweise massiven Widerstand, weil bei Nachforschungen natürlich auch die Verstrickung von Angehörigen ansässiger Familien ans Licht kam.

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An der Gedenktafel des Tailfinger Friedhofs: Hier sind mehr als 70 ehemalige Zwangsarbeiter, KZ-Insassen beigesetzt, die man in einem Massengrab gefunden hatte.

Der Ortsvorsitzende der Herrenberger Linken, Manfred Norwat, bedankte sich bei Volker Mall: “Leider wurde die Chance verpasst, nach dem zweiten Weltkrieg eine Friedensordnung zu etablieren. Und in der letzten Dekade destabilisierte sich die brüchige Ordnung im Nahen Osten und in Afrika, ja selbst in Europa zu vielen Kriegen und regionalen Konflikten, von denen wir nun in Form eines großen Flüchtlingsstroms einen Teil abbekommen. Am Antikriegstag müssen wir aber dafür werben, Krieg als Mittel der Politik für immer auszuschließen und Rassismus zu ächten. Waffenexporte zu verbieten, wäre das Mindeste, was Deutschland zum Frieden beitragen könnte,” so Norwat.