Sindelfinger Zeitung: Die Stadt braucht mehr Sozialwohnungen (2. Februar 2017)

03. Februar 2017  Allgemein

Böblingen: Für sozialen Wohnraum gibt es eine hohe Nachfrage / Doch wer hat überhaupt die Möglichkeit, in eine solche Wohnung zu ziehen?

Eine Wohnung in Böblingen zu finden ist nicht einfach. Wer für die Miete nur ein geringes Budget zur Verfügung hat, ist auf dem Wohnungsmarkt nahezu chancenlos. Eine der wenigen Möglichkeiten bieten hier unter anderem die Sozialwohnungen der Böblinger Baugesellschaft (BBG). Doch welche Voraussetzungen muss man erfüllen, um die Chance zu haben, eine solche Wohnung zu bekommen? Die SZ/BZ klärt auf.

In den Häusern an der Kreuzung Maurener Weg/Pontoiser Straße befinden sich einige der rund 400 Böblinger Sozialwohnungen. Um die Möglichkeit auf eine solche Wohnung zu haben, muss man aber erst ein paar Voraussetzungen erfüllen. Bild: Bilaniuk

Wer in Böblingen mit seinem Hund oder seinen Kindern auf Wohnungssuche ist, hat bei den Vermietern oft schlechte Karten (die SZ/BZ berichtete). Komplett chancenlos sind aber die, die allein auf Grund fehlender finanzieller Mittel nicht in der Lage sind, die aktuellen Mietpreise bezahlen zu können. Für diejenigen gibt es die Chance, in eine Sozialwohnung zu ziehen. Der Grund: Die Miete in diesen Wohnungen muss mindestens 15 Prozent unter dem Wert des durchschnittlichen Mietspiegels in der jeweiligen Kommune sein.

Wie viele Sozialwohnungen gibt es in Böblingen?

Insgesamt gibt es in Böblingen derzeit 397 Sozialwohnungen. Rund 300 dieser Wohnungen gehören der Böblinger Baugesellschaft (BBG). „Unsere Sozialwohnungen sind sehr begehrt, wir haben hier keinen Leerstand“, sagt Ute Tucher, die Leiterin der Sparte Wohnungswirtschaft bei der BBG. Auch die Fluktuation der Mieter ist eher gering. „Wer einmal eine Wohnung gefunden hat, bleibt in der Regel länger dort“.

Welche Voraussetzungen muss man erfüllen, um Chancen auf eine Sozialwohnung zu haben?

Um in eine Sozialwohnung einzuziehen, braucht man einen sogenannten Wohnberechtigungsschein. Antragsteller und Inhaber dieses Scheins darf nur ein Wohnungssuchender sein. Dessen Haushaltsangehörige, sprich die Personen, die zu seinem Haushalt gehören, werden von der ausgestellten Wohnberechtigung mit umfasst. Der Wohnberechtigungsschein wird in Böblingen vom Amt für Soziales ausgestellt und gilt ab dem Tag der Ausstellung für ein Jahr in ganz Baden-Württemberg. Voraussetzung für die Erteilung des Scheins ist die Einhaltung der maßgeblichen Einkommensgrenzen. Zu diesem Zweck ermittelt das Amt das Gesamtjahreseinkommen des Antragstellers und seiner Haushaltsangehörigen und prüft, ob die Einkommensgrenzen eingehalten werden.

Jene Grenze liegt in Baden-Württemberg bei einem Haushaltsangehörigen bei 21 730 Euro, bei zwei Haushaltsangehörigen sind es 28 885 Euro. Bei vier Haushaltangehörigen (zum Beispiel einer Familie mit zwei Kindern) liegt diese Grenze bei 45 655 Euro „Das monatliche Einkommen muss durch entsprechende Unterlagen nachgewiesen werden, sprich durch Lohnabrechnungen, Rentenbescheide oder Bescheide vom Jobcenter“, sagt Randolf Rose, der Leiter der Abteilung Wohnungswesen und Rente beim Böblinger Amt für Soziales.

Auch für die Größe der Sozialwohnungen ist dann die Anzahl der Haushaltsangehörigen entscheidend. So sind für die Nutzung durch eine Person bis zu 45 Quadratmeter mit bis zu zwei Wohnräumen vorgesehen, für die Nutzung durch zwei Personen sind es bis zu 60 Quadratmeter mit bis zu drei Wohnräumen. Je vielköpfiger die Familie, umso größer ist eine mögliche Sozialwohnung.

Wohin geht man mit dem Wohnberechtigungsschein?

Wer die Kriterien für einen Wohnberechtigungsschein erfüllt, vom Böblinger Amt für Soziales somit einen Schein ausgestellt bekommt und in Böblingen eine Bleibe sucht, kann damit unter anderem zur BBG am Böblinger Marktplatz gehen. „Wenn die Leute zu uns kommen, erfassen wir sie in unsere verschiedenen Vormerk-Karteien. Je nachdem für wie viele Zimmer und wie viele Quadratmeter der Wohnberechtigungsschein ausgestellt ist“, sagt Ute Tucher. Dass man dann gleich eine Wohnung bekommt, ist allerdings unwahrscheinlich. In der Regel dauert es längere Zeit, bis sich eine Chance auftut. „Wir schauen bei der Vergabe unserer Sozialwohnungen aber darauf, wer schon länger auf der Warteliste steht oder wer sich in einer absoluten Notlage befindet“, sagt Ute Tucher.

Weil die Miete in den Sozialwohnungen mindestens 15 Prozent unter dem Wert des durchschnittlichen Mietspiegels in der jeweiligen Kommune liegen muss, sind die Wohnungen für finanziell schwächer gestellte Mieter attraktiv und die Wartelisten bei der BBG entsprechend lang. „An manchen Tagen kommen zehn Leute mit einem Wohnberechtigungsschein zu uns“, so Tucher.

Wie lange kann man in einer Sozialwohnung bleiben?

Wer einmal in eine Sozialwohnung eingezogen ist, kann in der Wohnung in der Regel unbefristet bleiben. „Wenn man von der BBG eine Wohnung bekommen hat, kann einem nicht gekündigt werden, wenn man plötzlich mehr verdient und damit über der für einen Wohnberechtigungsschein relevanten Einkommensgrenze liegt“, sagt Ute Tucher. Die sogenannte Fehlbelegungsabgabe, die Leute früher dann zu zahlen hatten, wenn sie plötzlich mehr Geld zur Verfügung hatten, gibt es in Baden-Württemberg mittlerweile nicht mehr.

Mehr Sozialwohnungen wird es indes in Böblingen in nächster Zeit nur in kleinerem Umfang geben. „Um noch mehr Sozialwohnungen anbieten zu können, brauchen wir in der Stadt neuen Bauplatz. In Böblingen gibt es im Moment aber keine Neubaugebiete“, sagt Ute Tucher. Dass die Nachfrage nach Sozialwohnungen in den nächsten Jahren aber ansteigen wird, steht für Randolf Rose außer Frage. „Durch den Zuzug von Flüchtlingen hat sich der Bedarf noch erhöht. Auch die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt, auf dem es immer mehr Berufe mit geringen Löhnen gibt, sorgen derzeit für eine steigende Nachfrage“.