Kundgebung mit Sahra Wagenknecht in Sindelfingen: 500 Zuhörer begeistert!

22. Juni 2017  Allgemein

Aus der Sindelfinger Zeitung:

Sindelfingen: Linke-Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht lässt kein gutes Haar an Angela Merkel und SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz

„Wir brauchen eine neue Friedenspolitik“

Eine kampfeslustige Spitzenkandidatin der Linken, Sahra Wagenknecht, und der Sindelfinger Bundestagsabgeordnete, Richard Pitterle, lockten gestern rund 500 Besucher auf den Sindelfinger Marktplatz.

Richard Pitterle ist nicht zu beneiden. In Anzug und Krawatte tritt er auf das Podium auf dem Sindelfinger Marktplatz. Bei Temperaturen von über 30 Grad Celsius nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig. Dem Sindelfinger Bundestagsabgeordneten ist vor allem die Sindelfinger OB-Wahl ein Dorn im Auge: „Es ist wirklich ein Armutszeugnis für die SPD. Im Vorfeld großspurig anzukündigen, dass man einen Gegenkandidaten bringt und dann kneifen, weil man sich keine Chancen gegen den Amtsinhaber ausrechnet“, so Pitterle.
Der Einladung von Richard Pitterle und dem Kreisverband ist die Spitzenkandidatin der Linken, Sahra Wagenknecht, gerne gefolgt: „Richard Pitterle ist ein engagierter Kämpfer für die gute Sache. Er ist nicht korrumpierbar und hat als Obmann der Linksfraktion im Untersuchungsausschuss zu den sogenannten Cum-Ex-Geschäften sehr gute Arbeit geleistet.“


Vor allem die steigenden Ausgaben für Rüstungsexporte stören die 47-Jährige erheblich: „Wir brauchen Abrüstung und Entspannung statt steigender Rüstungsausgaben, Konfrontation und immer mehr Krieg. Die USA waren nicht allein verantwortlich, spielten aber eine führende Rolle, den Nahen Osten durch Waffenlieferungen und Rohstoffkriege immer mehr zu destabilisieren. Das hat den islamistischen Terrorismus gestärkt und Millionen Menschen aus ihrer Heimat vertrieben.“
Hass als Nährboden für Terroristen
Ihrer Meinung nach brauche es eine neue Friedenspolitik. „Die Opfer unserer Bomben in Syrien und anderswo sind in erster Linie Zivilisten. Das schürt Hass. Und Hass ist der Nährboden für die Terroristen. Der Islamische Staat wäre ohne den Irakkrieg niemals entstanden. Wir müssen zurück zu den Traditionen der Entspannungspolitik. Das bedeutet auch die Einsicht, dass es Frieden und Sicherheit in Europa nur mit Russland gibt.“ Während man gegen Russland Sanktionen verhänge, würden sich Donald Trump und Angela Merkel bei den Saudis die Klinke in die Hand geben, um wirtschaftliche Zusammenarbeit und militärische Deals anzubieten.
An Bundeskanzlerin Angela Merkel lässt die Ehefrau von Oskar Lafontaine kein gutes Haar: „Indem man Erdogan zum Türsteher Europas geadelt hat, hat man sich erpressbar gemacht. Der Flüchtlingsdeal war Merkels Idee, weil sie unfähig war, eine gemeinsame europäische Lösung und einen fairen Ausgleich zu organisieren.“
Eine humane Flüchtlingspolitik müsse sich vor allem um die Menschen kümmern, die es nicht nach Europa schaffen. Das sei die übergroße Mehrheit. In vielen Lagern herrsche das blanke Elend. „Es müssen endlich die Ursachen für Flucht und Vertreibung bekämpft werden“, so Wagenknecht.
Neben der CDU-Vorsitzenden kam auch SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz nicht gut weg. „Es gibt vermutlich wenige Politiker, die die Chance hatten und auch genutzt haben, in so kurzer Zeit so viele Hoffnungen zu enttäuschen.“ Mittlerweile sei er ein Kandidat des Weiter so und braver Ziehsohn seines Vorgängers Sigmar Gabriel.
Mit der Agenda 2010, der Etablierung von Niedriglöhnen, prekärer Beschäftigung und der Absenkung des Rentenniveaus auf 43 Prozent im Jahr 2030 habe die Große Koalition nach Meinung Wagenknechts massenhafte Altersarmut zu verantworten. Dass der Sinkflug der gesetzlichen Rente nicht alternativlos ist, sehe man in Österreich. „Dort ist die Durchschnittsrente knapp 800 Euro höher als in Deutschland und vor Altersarmut schützt eine Mindestrente von 1030 Euro“, sagte die Spitzenkandidatin der Linken. Wie man die Rente rettet? „Indem man den Niedriglohnsektor austrocknet, das Rentenniveau wieder auf 53 Prozent anhebt, den Arbeitgebern höhere Beiträge abverlangt und auch Beamte und Selbstständige in die gesetzliche Rente einbezieht.“
Im Anschluss an ihre gut 30-minütige Rede auf dem Marktplatz ging in der Buchhandlung Röhm eine Signierstunde mit Sahra Wagenknecht über die Bühne. Der Titel ihres aktuellen Buches lautet: „Reichtum ohne Gier“.

Daniel Krauter