Die Häuser denen, die keine haben

26. November 2020  Allgemein
Der Leonberger Landtags Kandidat Robert Schacht (DIE LINKE)

Wie soll das funktionieren: daheimbleiben, wenn man kein Heim hat? In der Pandemie zeigt sich die Ignoranz der Gesellschaft gegenüber Obdachlosen Menschen mit voller Härte.

Es gibt keine genauen Zahlen dazu, wie viele obdachlose Menschen es in Deutschland gibt. Man weiß aber, dass es sie gibt und dass der Winter kommt. Und es gibt keine genauen Zahlen dazu, wie viele Pensionen und Hotels langfristig leer stehen. Man weiß aber, dass es sie gibt. Im Winter wird aus dem Leben auf der Straße ein Überleben auf der Straße. Das ganze wird nochmals verschärft durch die Bedingungen der Pandemie.

Dazu der Leonberger Landtags Kandidat Robert Schacht (DIE LINKE): „Bezeichnenderweise waren obdachlose Menschen bisher in der Coronakrise eher selten in den Nachrichten, obwohl permanent übers zuhause bleiben geredet wird. Es ist keine Studie, aber jeder obdachlose Mensch, den man zurzeit auf der Straße trifft und mit dem man wenige Sätze wechselt, sagt, dass es seit Beginn der Pandemie besonders hart ist. Allein schon die Tatsache, dass weniger Menschen feiern gehen, bedeutet weniger Pfandflaschen auf der Straße und damit weniger Einkommen. Viele Einrichtungen, die vor der Pandemie geholfen haben, wie etwa die Tafeln, mussten vorübergehend schließen“

Es ist ohnehin schon so, dass die Möglichkeiten, auf sich selbst aufzupassen und gesund zu bleiben, davon abhängen, wie viel Geld man hat, das sieht man am deutlichsten an den Preisen für einfache Einwegmasken ohne Eigenschutz und die für FFP2-Masken.

„Allein schon durch die Obdachlosigkeit an sich gehören Obdachlose zur Risikogruppe. Obdachlose Menschen haben besonderen Schutzbedarf, sie leiden häufig unter Vorerkrankungen und sind Physisch und psychisch geschwächt.“ er fügt hinzu. Robert Schacht verlangt von der Baden württembergischen Landesregierung, Zimmer für Obdachlose und Menschen ohne Papiere anzumieten. Leer stehende Hotels und Pensionen böten eine Möglichkeit, sie unterzubringen, ohne die oft geschwächten Menschen einem besonderen Infektionsrisiko auszusetzen. „Das könnte Leben retten“, so Schacht.

Zu den Hintergründen erläutert er „Viele Hilfseinrichtungen stehen den Menschen, die auf der Straße leben, derzeit nicht zur Verfügung. Das heißt: haben somit auch keine Möglichkeit zur täglichen Hygiene, die gerade jetzt besonders wichtig wäre. Damit die obdachlosen Menschen der Pandemie nicht schutzlos auf der Straße ausgeliefert sind, sollte es ein Winternotprogramm für sie geben, das ganztägig geöffnet bleibt, bis mindestens Ende April 2021 – und dies sollte möglichst infektionssicher umgestaltet werden, etwa durch Einzelzimmer, beispielsweise in Pensionen oder Hotels, die derzeit sowieso keine Gäste aufnehmen dürfen. Wir müssen diese Die Häuser denen, die keine haben zur Verfügung stellen.“