Schlagwort: Gesundheit

Verstecktes Leid im Billigkleid

04. Dezember 2017  Allgemein

Ein Beitrag unseres Genossen Christoph Ozasek, Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE im Regionalparlament Stuttgart zur Eröffnung der zweiten Primark Filiale in Stuttgart, die auch Auswirkungen auf den Einzelhandel im Kreis Böblingen haben wird.

Primark, die weiter expandierende Tochterfirma des Nahrungsmittelkonzerns Associated British Foods mit Sitz im irischen Dublin, steht stellvertretend für das ethisch, sozial und ökologisch fragwürdige Modell der Wegwerfgesellschaft, des schnellen Konsumierens, des verschwenderischen Umgangs mit natürlichen Ressourcen und der rücksichtslosen Umweltzerstörung aus Profitgier. Primark und andere Händler präsentieren qualitativ minderwertige Einweg-Waren zum Spottpreis. Das ist einzig und allein deshalb möglich, weil sittenwidrige Arbeits- und katastrophale Produktionsbedingungen in Billiglohnländern wie Bangladesh bis heute nicht unterbunden sind.

 

 

Der Einsturz des „Rana Plaza“, einer großen Fabrik im Besitz eines wichtigen Politikers des Landes im April 2013, mit 1.135 Toten und 2.438 verletzten vorwiegend Arbeiterinnen, haben der Welt dieses Elend für einen kurzen Augenblick begreifbar gemacht. Auch Primark lies dort produzieren. In „sweat-shops“ wie diesen arbeiten Näherinnen zusammengepfercht sieben Tage die Woche den ganzen Tag bis zur völligen Erschöpfung. Sie sind aufgrund ihrer Armut dem Management völlig ausgeliefert, als Wegwerf-Menschen, genauso wie die Produkte, die am Ende in der Ladenauslage locken.

Grundlegende Arbeits- und Menschenrechte werden dort für die Profitgier beiseite geschoben. Doch selbst wer vor diesem Elend am anderen Ende der Welt die Augen verschließt, muss die Frage beantworten, ob denn die meist jungen Kund_innen aus einkommensarmen und bildungsfernen Familien mit schlechten Chancen im Leben ein Produkt erwerben das unbedenklich ist oder sogar in diesen Filialen eine Anstellung finden, die ihren Lebensunterhalt deckt? Hier sind Fragezeichen angebracht.

Jüngst rief Primark Flip-Flops zurück, in deren Sohlen die krebserregende und Wasserorganismen schädigende Substanz Chrysen in erhöhter Konzentration nachgewiesen wurde. Filialmitarbeiterinnen berichten seit Jahren von Schwindelanfällen, Hautausschlag, dem betäubenden Gestank nach Plastik und Chemikalien, die diese Produkte ausdünsten. Denn der Kampfpreis hat Konsequenzen: gefährliche und gesundheitsschädigende Substanzen kommen zum Einsatz, damit Hersteller die sittenwidrigen Stückpreise der Einkäufer aus den Industriestaaten einhalten können und trotzdem für die lokalen Bosse der Fabriken ausreichend Gewinn abfällt.

Die Produktqualität ist unsittlich ebenso die Qualität der Arbeitsbedingungen hierzulande

Doch nicht nur die Produktqualität ist unsittlich, auch die Qualität der Arbeitsbedingungen hierzulande. In den Primark-Filialen werden prekär Beschäftigten – meist sind es Frauen – Löhne bezahlt, die zwangsläufig in die Altersarmut führen und ergänzende Hilfen zum Lebensunterhalt nach sich ziehen, für die die Allgemeinheit mit Steuern bezahlen muss. Es zahlen für das Geschäftsmodell von Primark also alle: Arbeiter_innen in den Billiglohnländern, Verkäufer_innen in Europa, Kund_innen mit ihrer Gesundheit, und letztlich bleibt eine Wegwerf-Textilie von so erbärmlicher Qualität, dass sie als Sondermüll entsorgt werden muss. Die Politik muss diese unethischen Geschäftsmodelle endlich unterbinden, die in der gesamten Wertschöpfungskette auf Armut und Ausbeutung errichtet sind.

Was bedeutet diese 2. Primark-Filiale für die City?
Die völlig überdimensionierte und stadträumlich nicht integrierte ECE-Shoppingmall „Milaneo“ konnte aus den Mittelstädten der Region, ganz Baden-Württemberg und darüber hinaus, in großem Umfang zusätzliche Kundschaft und Kaufkraft an den neuen Handelsplatz ziehen. Im Gegensatz zur zweiten Mall am Westende der City, „Das Gerber“, die schon lange mit unzureichender Frequenz und Umsatz zu kämpfen hat, behauptet sich das Milaneo – und daran hat Primark als „Ankernutzer“ seinen Anteil – bis heute. Verlierer des gigantischen Zuwachses an Verkaufsfläche in der Landeshauptstadt um 20 % in kürzester Zeit, war bislang hauptsächlich die Königstraße. Mit der Eröffnung einer zweiten Primark-Filiale im Karstadt-Gebäude passieren nun mehrere Prozesse:

Massenware statt Qualität ist angesagt

Die Filialisierung der Königstraße schreitet weiter voran. Inhabergeführte Geschäfte weichen, die City wird immer beliebiger und verliert an Qualität. Massenware statt Qualität ist angesagt, Fließband- statt Fachhandel nimmt zu.
Die „gute Stube“ der Stadt wird noch gesichtsloser und verödet. Sie verliert weitere Funktionen, die nicht auf Kommerz ausgerichtet sind und die Mondpreise der A-Lage nicht aufbringen können, z.B. Räume für Kinder und Jugendliche, Bildungseinrichtungen, nicht-kommerzielle und soziale Unternehmungen.

Denn die ohnehin astronomischen Pachten für Verkaufsfläche auf der Königstraße werden durch die neue Primark-Filiale neue Höchststände erreichen. Das freut die Immobilienspekulanten, die leistungslos Wert- und Erlöszuwächse auf Gebäude- und Bodenwerte verbuchen können. Das wiederum erzwingt weitere Geschäftsmodelle im Herzen der Stadt, die auf mieser Arbeit, miesen Produkten und maximaler Ausbeutung von Mensch und Natur basieren.

Primark wird die Kundenfrequenz auf der Königstraße erhöhen, denn die Geiz-ist-Geil-Mentalität zieht bis heute in großer Zahl Konsumwillige an. Ein Prozess, der zwangsläufig zu einem weiteren Frequenzrückgang in anderen Lagen führen wird, z.B. beim Gerber. Denn Konsument_innen vermehren sich nicht so wie Verkaufsflächen es tun oder Funktionäre des Handels es uns weismachen wollen.
Doch die entscheidende Frage ist: Wird es auf Dauer zwei Primark-Filialen geben? Und was würde passieren, wenn Primark dem Milaneo den Rücken kehrt? Droht dann ein zweites Sorgenkind an der östlichen Grenze der zukünftigen City? Trägt sich der Handelsplatz mit 200 Shops und Geschäften auch ohne einen Ankernutzer wie Primark? Hier sind Zweifel angebracht, und die Feststellung, dass die Handelsfläche in Stuttgart die verträgliche Obergrenze bereits weit überschritten hat. Das wird unweigerlich zu einem weiteren Qualitätsverlust führen.

Was die Königstraße, was jede Innenstadt braucht ist aber nicht Wegwerf-Ware, sondern qualitativ gute und langlebige Produkte aus fairer Herstellung, gute Löhne und gute Arbeitsverhältnisse, aber auch mehr Aufenthaltsqualität und Attraktivität für Menschen zu Fuß und auf dem Rad. Die City soll die Visitenkarte Stuttgarts sein, auf einen Schandfleck wie Primark kann unsere Stadt verzichten.

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Wann und wie lange Patienten krank sind und welche Medikamente sie einnehmen, das sind äußerst sensible Daten, die unbedingt geschützt werden müssen. Jedwede Weitergabe von Patientendaten an die Pharmaindustrie erschüttert das Vertrauen der Patienten tief. Wer Geschäfte mit diesen Daten macht, sollte sofort die Lizenz entzogen bekommen. Ganzen Beitrag lesen »

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Zu den Daten des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) zur Überprüfung von Leistungen:

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