{"id":1135,"date":"2020-04-02T17:54:34","date_gmt":"2020-04-02T15:54:34","guid":{"rendered":"https:\/\/linke-bw.de\/ostfildern\/?p=1135"},"modified":"2020-04-02T17:54:34","modified_gmt":"2020-04-02T15:54:34","slug":"schutz-vor-haeuslicher-gewalt-ist-jetzt-besonders-wichtig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/linke-bw.de\/ostfildern\/2020\/04\/02\/schutz-vor-haeuslicher-gewalt-ist-jetzt-besonders-wichtig\/","title":{"rendered":"Schutz vor h\u00e4uslicher Gewalt ist jetzt besonders wichtig!"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><img src=\"https:\/\/die-linke-esslingen.de\/files\/2020\/04\/20200402_Sharepic_Lisa-Neher.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-4967\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>In der Corona Krise wird allen klar, dass die Berufe im \nGesundheitswesen systemrelevant sind. Hier sind \u00fcber 75% der \nBesch\u00e4ftigten Frauen. \u00c4hnlich sieht es in Lebensmittelm\u00e4rkten aus. Es \nist jetzt an der Zeit, Krankenpfleger*innen und Verk\u00e4ufer*innen endlich \ngut zu entlohnen. Frauen halten die Gesellschaft am Laufen und sind \ndabei in besonderem Ma\u00dfe der Gefahr einer Infektion mit dem Corona Virus\n ausgesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Frauen sind aber auch in besonderem Ma\u00df von den sozialen Folgen der \nCorona Krise betroffen. Sie arbeiten h\u00e4ufiger in Minijobs, Teilzeit und \nbefristet, im Erziehungs- und Sozialdienst, in der Gastronomie und im \nEinzelhandel. Seit die Schulen und KiTas geschlossen sind, m\u00fcssen sie \nzudem unbezahlt zu Hause den zus\u00e4tzlichen Betreuungsbedarf stemmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Um die Ausbreitung des Virus einzud\u00e4mmen, ruft die Bundesregierung  dazu auf, zu Hause zu bleiben. Dieses Zuhause ist aber nicht f\u00fcr jede  ein sicherer Ort: Jede vierte Frau wird mindestens einmal Opfer  k\u00f6rperlicher oder sexueller Gewalt durch ihren (Ex)Partner. Die H\u00e4lfte  lebt mit dem T\u00e4ter zusammen. Aus China und Italien wissen wir, dass  h\u00e4usliche Gewalt in der Zeit der Quarant\u00e4ne um das Dreifache angestiegen  ist. In den letzten zwei Wochen gibt es auch in Deutschland einen  Anstieg der h\u00e4uslichen Gewalt. Wer fordert zu Hause zu bleiben, um  andere vor dem Corona Virus zu sch\u00fctzen, darf also nicht vergessen, dass  dieses Zuhause f\u00fcr viele Frauen ebenfalls t\u00f6dlich sein kann. Jeden dritten Tag wird eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner get\u00f6tet. Wenn es jetzt durch Home-Office und das Verbot vieler Angebote des  \u00f6ffentlichen Lebens kaum mehr Anl\u00e4sse gibt, die Wohnung verlassen zu  k\u00f6nnen, wird es immer schwieriger unbemerkt vom T\u00e4ter Hilfsangebote  aufzusuchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frauenh\u00e4user schlagen Alarm. Denn es fehlten in Deutschland schon\n vor Corona fast 15.000 Frauenhauspl\u00e4tze. Laut der Istanbul Konvention \nzur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung von Gewalt gegen Frauen und h\u00e4uslicher \nGewalt m\u00fcsste es in Deutschland 21.400 Frauenhauspl\u00e4tze geben, \ntats\u00e4chlich stehen aber nur 6.800 Pl\u00e4tze zur Verf\u00fcgung. In \nBaden-W\u00fcrttemberg fehlen mindestens 633 Pl\u00e4tze. Die Bundesregierung \nhandelt hier nur unzureichend. Zwar versprach das Bundesministerium f\u00fcr \nFamilien, Senioren, Frauen und Jugend bereits letztes Jahr mehr Geld f\u00fcr\n Frauenh\u00e4user. Diese Mittel d\u00fcrfen allerdings nicht f\u00fcr Personalkosten \nausgegeben werden. Die fehlenden Frauenhauspl\u00e4tze lassen sich ohne \nzus\u00e4tzliches Personal aber gar nicht realisieren. Die Situation \nversch\u00e4rft sich nicht nur dadurch, dass es mehr F\u00e4lle von h\u00e4uslicher \nGewalt gibt, es ist auch mit einem Aufnahmestopp in einzelnen \nFrauenh\u00e4usern zu rechnen. In Z\u00fcrich ist das bereits eingetreten: Da sich\n hier eine Frau mit dem Corona Virus infizierte, kann das Frauenhaus \nzwei Wochen keine Frauen aufnehmen. Einen faktischen Aufnahmestopp in \nFrauenh\u00e4usern gab es aber in Baden-W\u00fcrttemberg auch schon vor der Corona\n Krise. Im letzten Sommer berichtete die Esslinger Zeitung dar\u00fcber, dass\n zeitweise in ganz Baden-W\u00fcrttemberg kein einziger freier \nFrauenhausplatz zur Verf\u00fcgung stand und alleine in Esslingen 131 Frauen \nund 155 Kinder im Jahr 2018 abgewiesen werden mussten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Berliner Senat k\u00fcndigte nun an, dass die Stadt w\u00e4hrend der Corona\n Pandemie Hotelzimmer zur Unterst\u00fctzung der Frauenh\u00e4user anmieten wird. \nDas ist das Mindeste was jetzt auch die St\u00e4dte in Baden-W\u00fcrttemberg \nmachen m\u00fcssen! Die meisten Hotels stehen gerade leer. Zu Hause bleiben \ngeht nur in einem sicheren Zuhause! Damit der Infektionsschutz nicht zu \nLasten von Frauen in gewaltt\u00e4tigen Beziehungen geht, m\u00fcssen jetzt \nschnelle Hilfen bereitgestellt werden. Aber es m\u00fcssen auch dar\u00fcber \nhinaus zus\u00e4tzliche Frauenhauspl\u00e4tze geschaffen werden. Die Istanbul \nKonvention muss endlich eingehalten werden!<\/p>\n\n\n\n<p>Die Corona Krise erschwert nicht nur den Zugang zu Frauenh\u00e4usern, \nsondern auch zu sicheren und legalen Schwangerschaftsabbr\u00fcchen. Die \u00a7\u00a7 \n218 und 219 StGB regeln diese in Deutschland. Straffrei ist ein Abbruch \nnur in den ersten 12 Wochen der Schwangerschaft und nach einer \nZwangsberatung. Zwischen Beratung und Schwangerschaftsabbruch m\u00fcssen \nzwei Tage liegen. Diese Bedingungen werden in der Corona Krise, wo das \nGesundheitssystem an seine Grenzen ger\u00e4t, zu kaum bew\u00e4ltigbaren \nHindernissen. Das Recht auf k\u00f6rperliche Selbstbestimmung ist damit de \nfacto ausgesetzt. Schwangerschaftsabbr\u00fcche m\u00fcssen endlich als normale \nmedizinische Eingriffe behandelt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Corona Krise stellt unseren Alltag auf den Kopf, aber wir d\u00fcrfen \njetzt nicht eine R\u00fcckkehr zur Normalit\u00e4t fordern. Denn die Normalit\u00e4t \nwar bereits die Krise. Schon lange vor der Covid-19 Pandemie befanden \nwir uns in einer Sorgekrise, die vor allem auf dem R\u00fccken von Frauen \nausgetragen wird. Frauen arbeiten nicht nur \u00fcberdurchschnittlich viel im\n Gesundheitswesen, sie \u00fcbernehmen auch in der Familie und Ehrenamt \nunbezahlte Pflege- und Sorgearbeiten, auf die unsere Gesellschaft \nangewiesen ist, die sie aber nicht entlohnt. F\u00fcr viele Frauen bedeutete \ndas schon vor Corona, gebrochene Erwerbsbiographien und drohende \nAltersarmut.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir brauchen nicht nur jetzt mehr Frauenhauspl\u00e4tze, sondern auch \ndar\u00fcber hinaus! Die Paragraphen 218 und 219 m\u00fcssen ersatzlos gestrichen \nwerden! Gesundheit, Bildung, Wohnen und Klima d\u00fcrfen keiner Profitlogik \nunterworfen sein. Wir brauchen eine Politik f\u00fcr ein gutes Leben f\u00fcr \nAlle.<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Kurzfristige Schaffung von Frauenhauspl\u00e4tzen durch die Anmietung von Hotelzimmern durch die Stadt!<\/li><li>Die Istanbul-Konvention muss endlich eingehalten werden: Es braucht  mindestens weitere 633 Frauenhauspl\u00e4tze in Baden-W\u00fcrttemberg.<\/li><li>Schwangerschaftsabbr\u00fcche m\u00fcssen auch in der Corona-Krise m\u00f6glich sein: Die \u00a7\u00a7 218 und 219 StGB geh\u00f6ren abgeschafft!<\/li><li>Sorgearbeit aufwerten: Mindestens 500 Euro mehr, auch nach Corona!<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><em>Lisa Neher ist Landesfrauenbeauftrage der Partei DIE LINKE. Baden-W\u00fcrttemberg<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":212,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0},"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/linke-bw.de\/ostfildern\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1135"}],"collection":[{"href":"https:\/\/linke-bw.de\/ostfildern\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/linke-bw.de\/ostfildern\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/linke-bw.de\/ostfildern\/wp-json\/wp\/v2\/users\/212"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/linke-bw.de\/ostfildern\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1135"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/linke-bw.de\/ostfildern\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1135\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1137,"href":"https:\/\/linke-bw.de\/ostfildern\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1135\/revisions\/1137"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/linke-bw.de\/ostfildern\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1135"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/linke-bw.de\/ostfildern\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1135"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/linke-bw.de\/ostfildern\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1135"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}