Weinheim im Spannungsfeld von rechter Szene und Widerstand

28. Oktober 2015  Presse

Diskussionsveranstaltung der Initiative Nazifreies Weinheim

[Weinheimer Woche vom 28. Oktober 2015]

Weinheim. (ih) Im Vorfeld des Bundesparteitags der NPD am 21. und 22. November hatte die „Initiative Nazifreies Weinheim“ zu einer Diskussionsveranstaltung geladen. Zeitzeugen informierten über die
NPD im Allgemeinen und ihre Geschichte und Verbindung mit Weinheim im Besonderen.

Bereits vor Beginn der Diskussionsveranstaltung im Kerwehaus konnten die Besucher sich in einer kleinen Ausstellung informieren. Plakate zeigten eine lange Tradition von „Festivals gegen Rechts“, man fand Zeitungsartikel zur Auseinandersetzung um das Kriegerdenkmal und um die Versammlungen der NPD im Schwarzen Ochsen in Sulzbach. Besonders berührend eine Plakatwand, auf der Nazimorde von 1989 bis heute aufgelistet waren. Hinter jedem Namen steckte eine traurige Geschichte, die das Ausmaß und das Potential rechter Gewalt vor Augen führte. Wie die von Carlos Fernando, der totgeprügelt wurde, weil sich sein Mörder darüber aufgeregt hatte, dass sein Auto von Afrikanern zugeparkt war. Oder die von Dorit Botts, die einem Aufnahmeritus in eine Neonaziorganisation zum Opfer fiel.

Zeitzeugen erzählen

Christoph Hey referierte über die NPD und die Deutsche Liste in Weinheim. Nicht zuletzt wegen der aus Weinheimer Reihen begangenen Volksverhetzung und in Weinheim stattgefundenen Holocaust-Leugnung, hat die NPD noch heute eine Verbindung zur Stadt.

Als Zeitzeuge schilderte Hey auch seine persönlichen Erlebnisse und Begegnungen sowie die Bedrohungen und Schikanen, denen er aufgrund seines Kampfes gegen Rassismus und Faschismus in der Stadt ausgesetzt war.

Ursula Kowald-Stöckman schilderte ihre politische Entwicklung entlang von teilweise traumatischen Schlüsselerlebnissen, zu denen auch Angriffe auf sie und ihre Familie gehörten. Ihre emotionale und bildhafte Darstellung, die vor dem inneren Auge die Trümmer Nachkriegsdeutschland entstehen ließ und die von ihr gefühlte Bedrohung spürbar machte, wurde von den Zuhörern besonders gewürdigt. Nicht nur der anwesende Stadt- und Kreisrat Dr. Carsten Labudda hätte sich dafür einen eigenen Abend gewünscht.

Geplante Aktionen

Auch wenn einzelne Stimmen den Medien nach wie vor Rassismus vorwarfen, war der breite Konsens doch, dass sich der Umgang mit dem Thema der rechten Szene in Medien und Politik seit den 90er-Jahren erheblich verbessert hat. Wurde das Thema damals gerne verharmlost oder tot geschwiegen, Motto: “Wenn wir es lange genug ignorieren, erledigt es sich von selbst”, ist die Berichterstattung heute eine andere. Zudem gibt es eine Vielzahl von Aktionen, bei denen alle Parteien Farbe bekennen. Und auch die Bürger mischen sich in viel größerer Zahl ein, heute ist es nicht mehr salonfähig, sich raus
zu halten.

Für das Wochenende des NPD-Parteitags sind daher vielfältige Aktionen geplan. Die Anwesenden riefen dazu auf, die „Kräfte zu bündeln und sich nicht auseinander dividieren zu lassen“. Neben dem „Bunten Festival“ und der Kundgebung am Samstag, 21. November, um 10 Uhr, die von der Initiative „Weinheim bleibt bunt“ koordiniert wird, hat die Initiative Nazifreies Weinheim Mahnwachen rund um die Stadthalle geplant, deren genaue Lage noch mit den Ordnungshütern abgestimmt werden muss. Zudem beteiligt sich die Initiative an der bereits angemeldeten Großdemonstration um 13 Uhr.


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