{"id":1242,"date":"2019-05-19T17:57:39","date_gmt":"2019-05-19T15:57:39","guid":{"rendered":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/?p=1242"},"modified":"2019-05-19T17:57:40","modified_gmt":"2019-05-19T15:57:40","slug":"anatomie-und-zukunft-des-kapitalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/2019\/05\/19\/anatomie-und-zukunft-des-kapitalismus\/","title":{"rendered":"Anatomie und Zukunft des Kapitalismus"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>\u201eDIE ANATOMIE UND\nZUKUNFT DER B\u00dcRGERLICHEN GESELLSCHAFT\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ZUSAMENFASSUNG EINES\nTEXTES VON BISCHOFF, KR\u00dcGER UND LIEBER. VSA-VERLAG 2018<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>EINLEITUNG<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>In dem Text geht es um die Wertsch\u00f6pfung und\nMystifizierung der Klassenverh\u00e4ltnisse im Kapitalismus. Die Basis der\nBetrachtung ist das Hauptwerk von Karl Marx \u201eDas Kapital\u201c bzw. \u201eDie Kritik der\npolitischen \u00d6konomie\u201c. Es erschien vor 150 Jahren und der Jahrestag der\nErstver\u00f6ffentlichung wurde f\u00fcr viele Medien zum Anlass genommen, wieder\ngrunds\u00e4tzlich \u00fcber den Kapitalismus nachzudenken. Insgesamt \u00fcberwog die\nkritische W\u00fcrdigung, obwohl viele Autorinnen und Autoren seine Thesen bzw.\nSichtweise als \u00fcberholt betrachten. Im Zentrum der Marxschen Analyse steht die\npermanente Entwicklung der Produktivkr\u00e4fte im Kapitalismus, die als\nProduktivkr\u00e4fte des Kapitals erscheinen. Diese Gesellschaft bewirkt einerseits\nden gesellschaftlichen Fortschritt durch Produktivkr\u00e4fte und damit die\nEntwicklung von Bed\u00fcrfnissen und freier Zeit, andererseits wird dieser\nFortschritt einseitig verteilt. Die Herausforderung im entwickelten\nKapitalismus besteht also darin, den aufget\u00fcrmten Reichtum und die frei\nverf\u00fcgbare Zeit f\u00fcr die besitzende Minderheit aufzuheben und f\u00fcr die\nBev\u00f6lkerungsmehrheit zu erschlie\u00dfen. <\/strong><strong>Jeremy\nCorbyn fasste das unter folgender Losung zusammen: \u201e For the many not for the\nfew.\u201d <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Es entsteht also die Frage, ob die \u201eKritik der\npolitischen \u00d6konomie\u201c von Marx noch eine Richtschnur bzw. Leitlinie der\nBetrachtung der heutigen Industrie mit der Digitalisierung, umfassenden\nVernetzung, hohem Robotereinsatz etc. sein kann? Da die Industrieentwicklung\nheute eine neue Betriebsweise des digitalen Kapitalismus hervorbringt, entsteht\ngleichzeitig das Problem, einen breiteren Konsens \u00fcber die Interpretation des\nKapitalismus im Sinne der Marxschen Theorie zu erreichen. Jahrzehnte nach\nErscheinen des 1.Bandes des \u201eKapital\u201c ging es vor allem um die Interpretation\ndes unmittelbaren Produktionsprozesses. Friedrich Engels hatte aber aus den\nhinterlassenen Manuskripten von Marx den 2.Band des \u201eKapital\u201c, den\nZirkulationsprozess des Kapitals, zusammengestellt. Erst dann wurde erkannt,\ndass die Zirkulation in den Begriff des Kapitals geh\u00f6rt und die Zirkulation des\nKapitals und seine Kreisl\u00e4ufe sowohl Bedingung als auch Resultat des\nProduktionsprozesses sind. Erst im 3.Band des \u201eKapital\u201c, auch von Engels\nherausgegeben, kommt Marx auf die Gestaltungen des Kapitals zu sprechen, die\naus dem Bewegungsprozess des Kapitals als Ganzes betrachtet hervorwachsen und\nan der Oberfl\u00e4che der Gesellschaft, der Konkurrenz, zu finden sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Es ist also heute notwendig, da wir am Rande einer\nneuen digitalisierten, vernetzten gesellschaftlichen Betriebsweise des Kapitalismus\nstehen, eine neue ausf\u00fchrliche Interpretation der \u201eKritik der politischen\n\u00d6konomie\u201c vorzunehmen.&nbsp; Das hei\u00dft, dass\nder Wertbegriff der Ausgangspunkt f\u00fcr die Nachzeichnung der Anatomie der\nb\u00fcrgerlichen Gesellschaft ist, also des gesamten industriellen und\nkommerziellen Lebens der Individuen. Dar\u00fcber hinaus aber auch eine\nNachzeichnung zum b\u00fcrgerlichen Staat und zum Weltmarkt. Die Autoren Bischoff,\nKr\u00fcger und Lieber gehen also vom Wertbegriff als Schl\u00fcsselkategorie aus,\nstellen ihre Sichtweise der Kapitalinterpretation dar und entwickeln vor diesem\nHintergrund die Digitalisierung der gesellschaftlichen Betriebsweise, das\nMoment der Entfremdung und Mystifikation dieser Gesellschaft sowie das Problem\nder \u00dcberwindung dieser Produktionsweise.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>KAPITEL 1<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>NACH 150 JAHREN- MARX UND DIE KAPITALISTISCHE\nGESELLSCHAFTSFORMATION.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Marxsche Analyse der \u00f6konomischen Bewegungsgesetze\nder b\u00fcrgerlichen Gesellschaft erf\u00e4hrt heute eine erstaunliche Aufmerksamkeit.\nDas gilt zum Beispiel f\u00fcr Lina Nienhaus von der \u201eZeit\u201c und f\u00fcr den\nNZZ-Redakteur&nbsp; Rene Scheu, die beide Marx\nein Lob f\u00fcr seine Analyse aussprechen, im Gegensatz zum ehemaligen\nNZZ-Redakteur Roger K\u00f6ppel, f\u00fcr den die freundlich-kritische Sicht auf Marx aus\nb\u00fcrgerlicher Sicht nicht nachvollziehbar ist. Er pl\u00e4diert f\u00fcr eine\nkompromisslose Abgrenzung vom \u201emarxistischen Zeitgeist.\u201c Ein Blick auf den\nRechtspopulismus in vielen kapitalistischen L\u00e4ndern offenbart allerdings, dass\nder Zeitgeist augenblicklich in eine ganz andere Richtung l\u00e4uft. J\u00fcrgen Neffe,\nVerfasser einer aktuellen Marx-Biografie, bringt die aktuelle Marx-Begeisterung\nauf den Punkt. Marx sei als Philosoph von \u00fcberragender Bedeutung gewesen, aber\nauch viele Ph\u00e4nomene von heute h\u00e4tte er als Best\u00e4tigung seiner Analyse gesehen.\nDazu z\u00e4hlten die soziale Spaltung, die Perversit\u00e4t des Finanzsystems, das nur\nansatzweise durch die reale Wertsch\u00f6pfung gedeckt sei und die Bedrohung durch\ndie Automatisierung. Es sei die Grundsatzkritik am Kapitalismus, die heute\nwieder diskutiert werde.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Doch was ist unter einer Grundsatzkritik am\nKapitalismus zu verstehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Darauf hat Marx selbst eine Antwort gegeben. Er wollte\neine Kritik der \u00f6konomischen Kategorien oder das System der b\u00fcrgerlichen\n\u00d6konomie kritisch dargestellt. Das Ganze wollte er in sechs B\u00fccher aufgliedern:\n1.Vom Kapital, 2.Vom Grundeigentum, 3.Von der Lohnarbeit, 4.Vom Staat, 5. Vom\ninternationalen Handel, 6.Vom Weltmarkt. Das \u201eKapital\u201c sollte 3 B\u00fccher\numfassen. Der Produktionsprozess des Kapitals, der erste Band des \u201eKapitals\u201c,\nkam 1867 auf den Markt. Das Buch wurde allerdings erst durch die Internationale\nArbeiterassoziation und die Pariser Kommune 1871 einem gr\u00f6\u00dferen Kreis bekannt.\nTrotzdem blieben Marx und sein Werk, selbst als er 1883 starb, weit davon\nentfernt eine internationale Bekanntheit zu erreichen. Das \u00e4nderte sich erst\nsp\u00e4ter. Grundprobleme waren zuerst Schwierigkeiten bei der Rezeption des\n\u201eKapital\u201c, theoretisch-politische Differenzen und die Unabgeschlossenheit\nseines Werkes im Jahre 1883. Erst Friedrich Engels gab danach den 2.und 3.Band\ndes \u201cKapital\u201c auf Basis der nachgelassenen Manuskripte heraus und selbst den\n1.Band wollte Marx vor seinem Tod noch \u00fcberarbeiten. Erst vor kurzem hat Thomas\nKuczynski eine \u00dcberarbeitung vorgenommen, die 2017 herausgegeben wurde. Heute\narbeitet eine internationale Forschergruppe an einer neuen kritischen Ausgabe\nder Schriften von Marx und Engels (Marx-Engels-Gesamtausgabe, abgek\u00fcrzt MEGA).<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Geschichte der Rezeption der \u201eKritik der\npolitischen \u00d6konomie\u201c ist von Verk\u00fcrzungen gepr\u00e4gt, vor allem durch die These,\ndass der 1.Band des \u201cKapital\u201c ausreichend sei f\u00fcr die Politik der\nArbeiterklasse. Andererseits entstand ein Unbehagen \u00fcber die theoretische\nUnabgeschlossenheit des Werkes, aber auch durch die These, zum Beispiel von\nRosa Luxemburg, wichtige politische Entwicklungen wie der Imperialismus und die\nerweiterte Akkumulation des Kapitals seien nur politisch zu erkl\u00e4ren.\nZusammengefasst sieht Luxemburgs Argumentation folgenderma\u00dfen aus:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>1.Die Marxsche Theorie sei unzureichend, weil im\n2.Band des \u201eKapital\u201c nur die Lohnarbeit und das Kapital vork\u00e4men.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>2.Die Grenzen der Akkumulation des Kapitals lie\u00dfen\nsich nur durch ein nichtkapitalisches Milieu \u00fcberwinden. Deswegen w\u00e4re der\nImperialismus notwendig f\u00fcr das \u00dcberleben des Kapitalismus.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aus heutiger Sicht ist an dieser Argumentation zu\nkritisieren, dass Luxemburg die in Band 2 und Band 3 entwickelten \u00f6konomischen\nFormbestimmungen ignoriert, vor allem das sogenannte Zwangsgesetz der\nKonkurrenz, das Kredit &#8211; und Bankwesen und die Verteilungsverh\u00e4ltnisse und auf\ndiese Weise dazu beitr\u00e4gt, das System der Kritik der politischen \u00d6konomie\nerheblich zu verk\u00fcrzen. Da befindet sich Rosa Luxemburg allerdings in\n\u00dcbereinstimmung mit Hilferding, Bucharin, Lenin, Bauer und Grossmann. Es wird\nalso die These vertreten, dass die erweiterte Reproduktion des Gesamtkapitals,\ndie erweiterte Akkumulation, nur m\u00f6glich sei durch den Austausch von\nkapitalistischen und nichtkapitalistischen Teilen der Volks- und\nWeltwirtschaft. Diese Sichtweise wird nicht mehr getragen von einer\nwerttheoretisch begr\u00fcndeten Akkumulation, sondern von der empirischen\nHypothese, dass nur durch eine Durchkapitalisierung der weniger entwickelten\nZonen des Kapitalismus der Zusammenbruch des Kapitalismus verhindert werde. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die verk\u00fcrzte Sichtweise von Rosa Luxemburg und\nanderer Autoren hat etwas mit ihrer verk\u00fcrzten Sichtweise des Wertgesetzes zu\ntun. Wie gesagt, es wird ein Gro\u00dfteil der Formbestimmungen des Werts in der\nZirkulation und im Gesamtprozess des Kapitals ausgeblendet. Die Marxsche\nTheorie erm\u00f6glicht eine weitgehende Vermittlung der inneren Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten\ndes Kapitalismus mit oberfl\u00e4chlichen Strukturen der Gesellschaft. Die\nKonkurrenz als Teil der Oberfl\u00e4che wird in ihrer Vielschichtigkeit und ihren\nR\u00fcckwirkungen entwickelt. Marx entwickelt Basisstrukturen der Konkurrenz, das\nsogenannte Grundgesetz der Konkurrenz, und die darauf aufbauenden\nFormbestimmungen und verdrehten Erscheinungsformen, die die zugrundeliegende\ninnere Struktur der Gesellschaft nicht mehr offenbaren. Die Konkurrenz f\u00fchrt zu\nAusgleichsprozessen und hebt die systembedingten Abweichungen ganz oder\nteilweise auf. Die oberfl\u00e4chlichen Prozesse stehen im Widerspruch zum\nwerttheoretischen Kern und bilden dann auch Anschauungen heraus wie zum\nBeispiel die Daseinsform der freien Individualit\u00e4t. \u00dcber die angesprochenen\nAusgleichsprozesse, insbesondere der Profitraten, vollzieht sich die\ngesellschaftliche Verteilung der Waren und der Arbeit. Es vollzieht sich in der\nKonkurrenz eine radikale Entwicklung der Produktivkr\u00e4fte mit einerseits\npers\u00f6nlichen Freiheiten andererseits aber eine v\u00f6llige Unterordnung unter die\nkapitalistischen Herrschaftsverh\u00e4ltnisse. Die \u201eKritik der politischen \u00d6konomie\u201c\nist also nicht nur eine Theorie der Ausbeutung, sondern eine umfassende Theorie\nder sozialen Reproduktion und Selbstregulation. Innerhalb der Theorie\nexistieren systematische Ankn\u00fcpfungspunkte zur Analyse der Alltagsstrukturen\nund der politischen Herrschaft in der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zusammenfassend werden von Bischoff\/Kr\u00fcger\/Lieber\nfolgende Thesen aufgef\u00fchrt, die sie dann n\u00e4her zu belegen haben:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>1.Der Begriff des Wertes ist der abstrakteste Ausdruck\ndes Kapitals bzw. der kapitalistischen Produktion. Der Begriff des Wertes bzw.\ndie besondere Form der gesellschaftlichen Arbeit durch Arbeitszeit setzt eine\nProduktionsweise voraus, in der das einzelne Produkt Teil der\ngesellschaftlichen Warenproduktion ist.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>2.Das Kapital als sich verwertender Wert umschlie\u00dft\nnicht nur Klassenverh\u00e4ltnisse, sondern eine Bewegung, einen Kreislaufprozess\ndurch verschiedene Formen, die Zirkulation und den Gesamtprozess des Kapitals. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.Eine Nation, die auf dem Wert beruht, umfasst nicht\nnur nationale Bed\u00fcrfnisse, sondern geht dar\u00fcber hinaus. Bleibt nach Aufhebung\nder kapitalistischen Produktionsweise bei der gesellschaftlichen Produktion die\nWertbestimmung vorherrschend, wird die Regelung der Arbeitszeit und die\nVerteilung der gesellschaftlichen Arbeit unter die Produktgruppen wichtiger\ndenn je. Die \u00d6konomie der Zeit bleibt wesentlich und die Zeit ist zweckm\u00e4\u00dfig\neinzuteilen, das bleibt das erste \u00f6konomische Gesetz auf der Grundlage der\ngesellschaftlichen Produktion.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>4.Die kapitalistische Produktionsweise ist eine\nhistorische und wird in eine andere Gesellschaftsform \u00fcbergehen. Dabei muss das\n\u201eKapital\u201c die Richtschnur des Denkens und Handelns sein. Dabei gilt es\nnat\u00fcrlich der Entwicklung des Kapitalismus Rechnung zu tragen und seine\nVer\u00e4nderungen in den Fokus zu nehmen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Marx hat als Endzweck des \u201eKapital\u201c definiert, die\n\u00f6konomischen Bewegungsgesetze der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft zu ergr\u00fcnden. Im\nGegensatz zur b\u00fcrgerlichen \u00d6konomie, die das Handeln der Subjekte in den\nMittelpunkt stellt, geht es in der Marxschen Theorie um die Erfassung des\nspezifischen Charakters der gesellschaftlichen Arbeit und ihrer Verteilung im\nGsamtsystem. In diesen materiellen Lebensverh\u00e4ltnissen wurzeln dann die\nRechtsverh\u00e4ltnisse wie Staatsformen. Der gesellschaftliche Charakter der Arbeit\nwird allerdings nicht von den Individuen beherrscht, sondern er erscheint ihnen\ngegen\u00fcber als etwas Fremdes, ihr wechselseitiger Zusammenhang als eine Sache.\nMarx arbeitet sich daran ab, den Zusammenhang von Mehrwertproduktion,\nKonkurrenz und den Gesamtprozess des Kapitals darzustellen. Dabei hat er zuerst\ndas Problem, den Ausgangspunkt der Darstellung zu finden und in den einfachen\nund entwickelten Formen des Werts die Strukturzusammenh\u00e4nge des Gesamtsystems\nzu erfassen. Die einfachste Struktur ist die Warenform bzw. ihre Wertform und\ndeswegen muss die Darstellung auch hier beginnen. Dabei geht es nicht darum,\neiner Abfolge von Kategorien nachzusp\u00fcren, sondern es geht darum, das\nVerh\u00e4ltnis der inneren Natur des Kapitals und seiner Oberfl\u00e4che in seiner\nKompliziertheit darzustellen. Marx kommt in seinem Forschungsprozess zu der\nSchlussfolgerung, dass die Produktion, Distribution, der Austausch und die\nKonsumtion Teile eines organischen Ganzen sind, bei denen Wechselwirkung\nexistiert. Die Schwierigkeit besteht darin, dass dem wirklichen\nAneignungsprozess des Mehrwertes ein oberfl\u00e4chliches Aneignungsverh\u00e4ltnis in\nder Zirkulation vorausgesetzt ist.&nbsp; Die\nAneignung scheint auf eigener Arbeit zu beruhen, wodurch der Aneignungsprozess von\nMehrwert in der Produktion verschleiert wird. Marx kommt zu der Erkenntnis,\ndass die Konkurrenz der Anfangs- und Endpunkt der Betrachtung sein muss. Die\nFormbestimmungen des Werts bis zur Oberfl\u00e4che der Gesellschaft darzustellen\nbedeutet, eine systematische Darstellung vom Kern, den Grundtendenzen bis hin\nzur Oberfl\u00e4che und den Bewusstseinsformen des Kapitalismus vorzunehmen. An der\nOberfl\u00e4che erscheinen der Lohn, der Profit und die Grundrente als Quellen des\nWerts anstatt aus dem Wert als Grundlage abgeleitet zu werden. Das Angebot und\ndie Nachfrage in der Konkurrenz sind dem b\u00fcrgerlichen \u00d6konomen die\nGrundkategorien, aus denen er die Einkommen und ihre H\u00f6he ableitet. Im\nGegensatz dazu galt es f\u00fcr Marx den komplizierten Zusammenhang von\nMehrwertproduktion (Bd.1), die Reproduktion des Kapitalverh\u00e4ltnisses (Bd.2) und\nden Formen der Oberfl\u00e4che in der Konkurrenz (Bd.3) zu entschl\u00fcsseln. Nach der\neinfachen Zirkulation, die das Arbeitsverh\u00e4ltnis einleitet, zeigt Marx, dass\ndie Kapitalakkumulation davon abh\u00e4ngt, aus dem Arbeiter bzw. der Arbeiterin mehr\nWert herauszuholen als sie selbst f\u00fcr die Reproduktion ben\u00f6tigen. Die\nKapitalisten haben die Zeit der Arbeit zu kontrollieren und sind durch die\nKonkurrenz gezwungen, den Arbeitstag zu verl\u00e4ngern und \/ oder die\nArbeitsintensit\u00e4t an ihre Grenzen zu treiben. Das Fabriksystem ist revolution\u00e4r\nin dem Sinne, dass es die Intensit\u00e4t der Arbeitsverausgabung und die Konkurrenz\nvon Arbeiter und Maschine antreibt und damit zu Widerspr\u00fcchen der\nkapitalistischen Form f\u00fchrt. Es w\u00e4lzt die alte Gesellschaft um und entwickelt\nBildungselemente einer neuen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>An der Oberfl\u00e4che der Gesellschaft, bei der Bestimmung\nder gesellschaftlichen Wertsch\u00f6pfung, wird in der b\u00fcrgerlichen \u00d6konomie von den\ndrei Produktionsfaktoren Arbeit, Boden und Kapital ausgegangen. Marx Ziel war\nes, diesen Schein aufzul\u00f6sen. Er arbeitete heraus, dass Unternehmergewinn, Zins\nund Grundrente Formen des Mehrwerts und damit der Mehrarbeit des Arbeiters bzw.\nder Arbeiterin sind. Diese Produktionsfaktorentheorie entspricht den Interessen\nder herrschenden Klassen, indem sie die Verteilung der Einkommen als\nnaturgegeben darstellt. Der entscheidende Punkt f\u00fcr die Arbeiterklasse ist\njedoch, die Kontrolle \u00fcber die Verteilung und die Produktion zur\u00fcckzugewinnen.\nDas ist aber deswegen schwierig, weil der Gro\u00dfteil der B\u00fcrger bzw.\nLohnabh\u00e4ngigen in der Scheinwelt befangen ist. Diese Bewusstseins- formen sind\naufzul\u00f6sen, wenn man andere Verteilungsverh\u00e4ltnisse, andere Strukturen sozialer\nSicherheit und eine andere \u00f6ffentliche Ausgabenpolitik entwickeln will. Diese\nBewusstseinsentwicklung muss die Arbeitszeiten, Produktivit\u00e4ten und die\nEinkommens- und Verm\u00f6gensverteilung im Fokus haben. Das wird nur schrittweise\ngeschehen. Die Vorstellung bei einigen Vertretern der Arbeiterbewegung, eine\nschnelle Abschaffung von Ware-Geld und Kapitalformen sei notwendig war schon\nimmer absurd und hat zu katastrophalen Ergebnissen gef\u00fchrt (Realer\nSozialismus). Die Grundlage einer nachkapitalistischen Gesellschaftsform wird\nein weitgehend genossenschaftlicher Gemeinbesitz an den Produktionsmitteln sein\nsowie ein entwickeltes System gesellschaftlicher Steuerung. Nicht\nKommandogewalt, gar einer Partei, ist entscheidend, sondern der Einsatz von\nKredit, Steuern, staatlicher Nachfrage und von programmierten Investitionen.\nDie neue nachkapitalistische Produktionsweise hat ihre Ansatzpunkte in der\nalten, zum Beispiel im Kreditwesen oder Aktienwesen. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Geldkapital und das Kreditsystem unterzieht Marx\neiner besonderen Betrachtung, weil gerade hier wichtige Ansatzpunkte f\u00fcr den\n\u00dcbergang in eine neue Wirtschaftsordnung gegeben sind. Der 2. Band des\n\u201eKapital\u201c zeigt schon, dass die Reproduktion des Kapitals die Bewegung des\nGeldkapitals, des Kredit- und Bankwesens einschlie\u00dft. Das Geldkapital, dass dem\nProduktionsprozess entstammt und der Kapitalist noch nicht in seinem eigenen\nGesch\u00e4ft verwenden kann, konzentriert sich dann im Bank- und Kreditwesen. Die\nAkkumulation des Geldkapitals kann sich von der materiellen Gestalt des Geldes\nl\u00f6sen und durch jeden Titel ersetzt werden. Diese Wertpapiere werden als fiktives\nKapital bezeichnet. Die von Marx hervorgehobene Unterscheidung zwischen\nzinstragendem Kapital in Geldform und seinen Anlageformen ist\nstrukturbestimmend f\u00fcr den gesamten Finanzsektor. Das fiktive Kapital setzt den\nZinsfu\u00df voraus, da sich der Preis des Wertpapiers aus der Kapitalisierung der\nZinsertr\u00e4ge ergibt. Es handelt sich um Verm\u00f6genspapiere und sie sind reine\nFinanzmarktkreationen. Die zugrundeliegende Liquidit\u00e4t der Finanzmarktakteure\nbildet die gesellschaftliche Spekulationskasse.&nbsp;\n<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Von besonderer Bedeutung ist heute die Entwicklung der\nProduktivkr\u00e4fte, die Marx vornehmlich auf die Betrachtung der relativen\nMehrwertproduktion st\u00fctzt. Dabei ist nat\u00fcrlich die M\u00f6glichkeit der Verquickung\nmit politisch-religi\u00f6sen Herrschaftsstrukturen inbegriffen. Diese Debatte wird\nim Rahmen der Debatte um den Crony- Kapitalismus gef\u00fchrt. Damit sind\nWirtschaften gemeint, in denen die Wertsch\u00f6pfung durch Verbindungen mit\nMachtgruppen modifiziert wird. Das geschieht mithilfe von staatlichen\nInterventionen oder Macht- oder Monopolkonstellationen. Neben der politischen\nEinflussnahme sieht Marx die best\u00e4ndige Revolutionierung der Produktivkr\u00e4fte\nder Arbeit in der kapitalistischen Produktionsweise selbst begr\u00fcndet. Marx\nstellt in diesem Zusammenhang drei Aspekte der relativen Mehrwertproduktion\nheraus:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>1.Das Kapital als sich verwertender Wert treibt die\nrelative Mehrwertproduktion und damit die Ausweitung der Mehrarbeit und der\nEntfaltung der Produktivkr\u00e4fte voran. Die beschleunigten Fortschritte der\nZivilisation bewirken auch die Entwicklung der Wissenschaften, Technologie,\nVerbesserung der Kommunikations- und Transportmittel und das alles im\nZusammenhang mit der Entwicklung des Weltmarktes.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>2.Die Entwicklung der Produktivit\u00e4t der Arbeit\nbefestigt das Herrschaftsverh\u00e4ltnis des Kapitals und stellt sich als\nProduktivkraft des Kapitals dar. Das Gesellschaftliche ihrer eigenen Arbeit\nerscheint den Lohnabh\u00e4ngigen als fremd und sogar als feindlich ihnen gegen\u00fcber.\nDiese Mystifikation wird jetzt viel weiter entwickelt als bei der absoluten\nMehrwertproduktion.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.Marx arbeitet die historische Bedeutung des\nKapitalismus und damit der Entwicklung der Produktivkr\u00e4fte durch die\nEntwicklung des Kapitalbegriffs heraus.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>In den Zusammenhang der Entwicklung der\nProduktivkr\u00e4fte der Arbeit ist auch die Kategorie des Fixkapitals einzuordnen.\nDamit ist zun\u00e4chst nur eine Formbestimmung gemeint, die mit den Kreislaufformen\nentwickelt wird. Dar\u00fcber hinaus aber ist sie ein Indikator f\u00fcr den\nEntwicklungsgrad der Zivilisation. Gerade die aktuelle Tendenz der Vernetzung\nzeigt den hohen Entwicklungsgrad des fixen Kapitals. Marx geht dabei nicht\ndavon aus, dass nun das Ende der Aneignung fremder Arbeitszeit gekommen sei,\nsondern er konstatiert einen Widerspruch. Einerseits wird die Arbeitszeit zur\nSchaffung des Reichtums auf ein Minimum reduziert, andererseits wird aber die\nArbeitszeit als einzige Quelle des Reichtums gesetzt. Einerseits also die\nHervorbringung aller Quellen der Wissenschaft, andererseits aber eingebunden in\ndie kapitalistischen Grenzen. Das sind nach Marx die materiellen Bedingungen,\num sich vom Kapitalismus zu verabschieden. Das hei\u00dft, die kapitalistische\nProduktionsweise bricht aus Marxens Sicht nicht einfach zusammen, sondern die\nmateriellen und geistigen Bedingungen der \u00dcberwindung des Kapitalismus sind\nBestandteile der Entwicklung der Produktivkr\u00e4fte und sind mit schneidenden\nKrisen verbunden. Es entsteht ein \u201eenormes Bewusstsein\u201c und allein dadurch\nkommt es zur \u00dcberwindung der kapitalistischen Produktionsweise.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>KAPITEL 2<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>INDUSTRIELLE BETRIEBSWEISEN DES GESELLSCHAFTLICHEN\nPRODUKTIONSPROZESSES<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die gro\u00dfe Industrie unterscheidet sich von seinen\nVorl\u00e4ufern, dass der Produktionsprozess ohne R\u00fccksicht auf die menschliche Hand\ndie moderne Technologie zum entscheidenden Bestandteil der Produktion\nherausbildet. Er behandelt zudem die vorhandene Form des Prozesses nie als\ndefinitiv, daf\u00fcr sorgt das Kapital mit seinem Drang nach gesteigerter\nVerwertung. Die industrielle Produktionsweise ist insoweit revolution\u00e4r im\nVergleich zu vorkapitalistischen Produktionsweisen, die im Wesentlichen\nkonservativ sind. Ein Gro\u00dfteil der gesellschaftlichen Gesamtarbeit wird auf\neinfache Arbeit reduziert, das ist wichtig f\u00fcr die Wirkung des Wertgesetzes,\ndas hei\u00dft, f\u00fcr die Herstellung der gesellschaftlich notwendigen Arbeitszeit und\ndie Verteilung der gesellschaftlichen Arbeit auf die verschiedenen\nProduktionszweige. Neben der einfachen Durchschnittsarbeit entwickelt sich ein\nBereich komplizierter Arbeiten, die sich durch \u00fcberdurchschnittliche\nQualifikationen auszeichnen. In der Regel sind es die einfachen Arbeiten, die\nst\u00e4rker der Maschinerie und Automatisierung ausgesetzt sind. Je entwickelter\nallerdings die Technologie ist, desto mehr unterliegen auch kompliziertere\nT\u00e4tigkeiten der Automatisierung. Das Verh\u00e4ltnis der beiden Arbeitsarten wird\ndann neu bestimmt. Die best\u00e4ndige Revolutionierung der Produktivkr\u00e4fte f\u00fchrt zu\nerh\u00f6hten politischen Interventionen, beginnend in Gro\u00dfbritannien mit der\nFabrikgesetzgebung. Diese Einheit von Struktur des Produktionsprozesses und den\nVer\u00e4nderungen im \u00dcberbau (Staat, Recht, Bewusstsein) wird von Marx mit der\nKategorie der \u201egesellschaftlichen Betriebsweise\u201c erfasst. Sie beinhaltet einen\nganzen Gesellschaftsmechanismus, aber die Grundlage bildet immer eine bestimmte\norganisierte und technische Form des Produktionsprozesses.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die gro\u00dfe Industrie als erste Betriebsweise\nerhebt sich gegen\u00fcber der Manufakturperiode, differenziert die betriebliche und\ngesellschaftliche Arbeitsteilung, und erfordert neue Transport- und\nKommunikationsmittel. Die \u00f6konomische Umw\u00e4lzung ist mit der Fabrikgesetzgebung,\nder Festlegung des 10-Stunden-Tages, mit Auswirkungen auf Bildungseinrichtungen\nund weiterentwickelten Familienstrukturen verbunden. Sie greift auf den\nWeltmarkt \u00fcber und erm\u00f6glicht eine Periodisierung des Kapitalismus. Diese\nPeriodisierung ist das Gegenst\u00fcck zu einer Theorie der langen Wellen\n(Kondratieffzyklus) und zu der Stadientheorie des Kapitalismus\n(Konkurrenzkapitalismus, Monopolkapitalismus, staatsmonopolistischer\nKapitalismus). Die Gro\u00dfe Industrie entwickelte sich im 19.Jahrhundert. Die\nManufakturen wurden niederkonkurriert, die industrielle Produktion erm\u00f6glichte\nau\u00dferordentliche Profite mit einer beschleunigten Akkumulation. Dieser Prozess\nhielt in Gro\u00dfbritannien bis zur 2.H\u00e4lfte des 19.Jahrhunderts an, ein Prozess\nder zeitversetzt auch in den USA und dem Deutschen Reich ablief. Es ergab sich\nnach einer Sturm- und Drangperiode schon fr\u00fch eine Tendenz zum Fall der\ndurchschnittlichen Profitrate. Das britische Kapital dominierte zuerst den Weltmarkt\nund war das Zentrum der Finanzwelt der damaligen Zeit. Dazu geh\u00f6rte auch die\nDurchsetzung des internationalen Goldstandards mit dem Weltgeld Gold, das\nallerdings schon im 19.Jahrhundert teilweise durch nationale und internationale\nWechsel ersetzt wurde.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mit und nach dem 1.Weltkrieg hatte Gro\u00dfbritannien\nseine industrielle Vorherrschaft verloren. In der Zwischenkriegszeit\nentwickelte sich in den USA mit dem Fordismus die zweite industrielle\nBetriebsweise, sie wurde auch Taylorismus genannt. Es kam zur Flie\u00dfbandproduktion,\nalso zu einer systematische Neustrukturierung der innerbetrieblichen\nArbeitsteilung. Die Arbeit wurde gro\u00dfteils auf monotone und repetitive\nFunktionen reduziert mit dem Oberziel der Senkung der Kosten der industriellen\nMassenproduktion. Die charakteristische Unternehmensform sind tief vertikal\ngegliederte Mischkonzerne und hierarchische Aufbauorganisationen. Unter diesen\nBedingungen wurden Gewerkschaften und arbeitnehmerorientierte Parteien zu\nwichtigen Akteuren in der Zivilgesellschaft und dem Staat. Der Sozialstaat und\ndie Sozialversicherungen wurden wichtig f\u00fcr die Existenzsicherung von\nLohnabh\u00e4ngigen aber auch als Konsumenten. Die M\u00e4rkte wurden inzwischen von\nVerk\u00e4uferm\u00e4rkten zu K\u00e4uferm\u00e4rkten. Die entsprechenden Kapitale m\u00fcssten nun durch\nWerbung und Marketing versuchen Konkurrenzvorteile zu erlangen. Die\nArbeiterklasse differenzierte sich durch die Zunahme von unproduktiven\nLohnarbeitern des Kapitals. W\u00e4hrend im produktiven Bereich, also in der\nMehrwertproduktion, die technischen Angestellten gegen\u00fcber den gewerblichen\nArbeitern relativ im Umfang zunahmen, wuchsen gleichzeitig die kommerziellen\nAngestellten im administriven Bereich des Unternehmen (Rechnungswesen, Einkauf\nund Verkauf, Werbung und Marketing). <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Historisch wurde die neue Betriebsweise des Fordismus\nin den USA entwickelt und verbreitet. Begleitet wurde die Entwicklung durch den\n\u201eNew Deal\u201c der 30er Jahre, einer Modernisierung von Wirtschaft und Gesellschaft\nund Entwicklung der USA zur internationalen Gl\u00e4ubigernation. Sie errang die\nVorherrschaft im Bretton- Woods-System von 1944, der Dollar wurde zum Weltgeld\nmit Golddeckung. Die 1950er und 1960er Jahre wurden durch die USA gepr\u00e4gt, die\nPeriode wurde auch das \u201egoldene Zeitalter des Kapitalismus\u201c genannt.\nInternational war das auch das Zeitalter Dekolonialisierung, aber auch das des\n\u201eKalten Krieges\u201c zwischen Ost und West. Die Dekolonialisierung kann weniger als\nAusdruck der Humanit\u00e4t gewertet werden, sondern gilt auch als Zeit des billigen\nRohstoffbezuges und der Erweiterung der Absatzm\u00e4rkte der kapitalistischen\nHauptl\u00e4nder. Auf dem Weltmarkt dominierten die USA bis in die 50er Jahre des\nletzten Jahrhunderts. Die Erosion ihrer Stellung begann in den 60er Jahren, vor\nallem wegen der Konkurrenz der Bundesrepublik und Japans. Bei der Kapitalakkumulation\ndes Fordismus machte sich nun in den USA, aber auch in anderen kapitalistischen\nHauptl\u00e4ndern, der Fall der durchschnittlichen Profitrate geltend. Das Ende der\nNachkriegsprosperit\u00e4t wurde deutlich sichtbar mit der Weltwirtschaftskrise 1974\/75.\nDas zeigte sich auch an der Preisinflation an den Warenm\u00e4rkten, der Spekulation\nan den Euro-Dollar-M\u00e4rkten und am Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems. Das\nwurde fr\u00fchzeitig von marxistischer Seite als chronische \u00dcberakkumulation\ninterpretiert, das hei\u00dft, der Fall der durchschnittlichen Profitrate konnte\nnicht mehr durch eine Steigerung der Profitmasse kompensiert werden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der \u00dcbergang in die chronische \u00dcberakkumulation\nvollzog sich 1974\/75, wurde allerdings von der b\u00fcrgerlichen \u00d6konomie und\nPolitik nur als zyklische Krise wahrgenommen mit einer Steigerung des\n\u00d6lpreises. Es wurde deswegen auch von einer \u00d6lpreiskrise gesprochen und mit\neiner antizyklisch angelegten Antwort reagiert. Der Erfolg dieser Politik war\ngering, Konjunkturprogramme heizten noch einmal die Inflation mit an, das\ngefl\u00fcgelte Wort der b\u00fcrgerlichen \u00d6konomie lautete Stagflation. Die offizielle\nPolitik nahm einen neoliberalen Kurs ein und die Zentralbanken schalteten auf\neine restriktive Politik um.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Innerhalb des Produktionsprozesses wurde auf\nverschiedene Weise versucht, die Verwertungsprobleme des Kapitals anzugehen.\nDurch Lean- Produktion, Abbau von Hierarchieebenen, Null-Fehler-Produktion,\nkleine Serien f\u00fcr spezielle Kundenw\u00fcnsche und Outsourcing bestimmter Bereiche\nsoll das Ziel erreicht werden. Gleichwohl zeigte sich, dass diese Elemente\nnicht ausreichen, um eine neue postfordistische Betriebsweise mit\nbeschleunigter Akkumulation hervorzurufen. Daf\u00fcr sorgte vor allem die\nBegrenzung durch die Unterkonsumtion aus Masseneinkommen. Die durch Marktkr\u00e4fte\neingeleitete und neoliberale Wirtschaftspolitik verst\u00e4rkten Ver\u00e4nderungen\nverringerten die Produktivit\u00e4t der Arbeitskr\u00e4fte und f\u00fchrten zum R\u00fcckfall in\ndie absolute Mehrwertproduktion (Lohndr\u00fcckerei und l\u00e4ngere Arbeitszeiten).\nEiner neuen beschleunigten Akkumulation des reproduktiven Kapitals steht auch\ndie verselbst\u00e4ndigte Geldakkumulation entgegen. Viele L\u00e4nder mussten\nUmschuldungsaktionen vornehmen und auch in den kapitalistischen Metropolen\nwurde die reproduktive Akkumulation durch Finanzm\u00e4rkte gesteuert. Daf\u00fcr sorgten\nFinanzinvestoren (Hedge-Fonds, Private-Equity-Fonds, Immoblienfonds etc.), die\nin das operative Gesch\u00e4ft von Aktiengesellschaften eingriffen und dort vor\nallem die Shareholder-Value-Orientierung durchsetzten. Unternehmen wurden auf\nKernkompetenzen zugeschnitten. Es kam zur Steigerung von Kurswerten beim\nfiktiven Kapital (Wertpapiere) und zur massiven Bereicherung von\nVerm\u00f6gensbesitzern auch am Immobilienmarkt. Die Wertpapierspekulation an den\nB\u00f6rsen, Immobilienblasen und eine wirtschaftliche Scheinbl\u00fcte f\u00fchrten zur\nFinanzmarktkrise 2007\/2008. Der Boom, der vor allem kreditgest\u00fctzt war, konnte\nkeine nachhaltige reproduktive Kapitalakkumulation hervorrufen, insbesondere\nwegen der Beschr\u00e4nkung der Massennachfrage. Auch eine ultralockere Geldpolitik\nder Zentralbanken brachte nur kurzzeitige Entlastungen von angeschlagenen\nBanken aber keine beschleunigte Akkumulation des produktiven Sektors.\nInternational ist keine neue Weltordnung in Reichweite. Im Gegenteil, Handels-\nund Finanzkriege sind nicht auszuschlie\u00dfen gerade wegen der aktuellen Politik\nder USA. Das Fazit ist: Es fehlen im Augenblick die Voraussetzungen f\u00fcr eine\nnachfordistische Betriebsweise. Ob die Digitalisierung die Verwertungsprobleme\ndes Kapitalismus l\u00f6sen kann ist n\u00e4her zu betrachten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>KAPITEL 3:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER DIGITALISIERTE KAPITALISMUS ALS NUKLEUS EINER\nNEUEN BETRIEBSWEISE?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wir haben seit einiger Zeit eine Ver\u00e4nderung der\ngesellschaftlichen Arbeitsteilung und es wird die Produktivkraftentwicklung auf\neine neue Stufe gehoben. Es geht um die Bildung von Netzwerken, auch\nPlattform\u00f6konomie genannt. Wir bekommen das im Privatleben durch\nDienstleistungen im Werbebereich oder auch die Vermittlung von Miet- und\nHandelsgesch\u00e4ften mit, ebenso wie bei der Durchf\u00fchrung privater Bankgesch\u00e4fte.\nEin anderes Beispiel ist die Telemedizin, wo anstatt eines pers\u00f6nlichen\nArztbesuches eine Beratung per Internet (Skype) erfolgt. Die\nEntwicklungsperspektive, die mit der Verallgemeinerung der Plattform\u00f6konomie\neinhergeht, erkl\u00e4rt, neben finanzkapitalistischen Spekulationen, die teilweise\nextrem hohen Marktwerte von Internet- bzw. Plattformunternehmen. Diese\nPlattform\u00f6konomie durchl\u00e4uft mehrere Stufen. In der ersten Stufe ging es\num Netzwerke und Partnerschaften zwischen Unternehmen, gemeinsame\nEntwicklungsprojekte zwischen selbstst\u00e4ndigen Einzelkapitalen. Die Plattformen\nwaren die verbindenden Adern der Produktion und Zirkulation von Einzelkapitalen\nsowie der massenhaften Ansprache von Konsumenten. Die vielen Einzelkapitale\nf\u00fchrten die Entwicklung dieser Infrastruktur selbst als profitables Gesch\u00e4ft\ndurch. Der Datenverwertung durch Werbung werden in der zweiten Stufe die\nnetzwerkbasierten Dienstleistungen als Bezahlangebot folgen. Damit d\u00fcrfte klar\nsein, dass die Marktallokation nicht untergraben wird, selbst wenn\nNetzwerkbetreiber zu Beginn Gratisangebote machen. Das hei\u00dft auch nicht, dass\nhier eine quasi immaterielle Produktionsweise entsteht. Es wird missachtet,\ndass die Plattform\u00f6konomie an ihrer Basis hochentwickelte materielle\nInfrastrukturen wie Rechner\/Server, \u00dcbertragungsnetze und Endger\u00e4te beinhaltet,\ndie erhebliche Mengen gesellschaftlicher Arbeit verk\u00f6rpern, diese Infrastruktur\nwird zu einem Tr\u00e4ger der Produktivkr\u00e4fte. Die aus der Mikroelektronik und\nInternet entspringenden Produktivkr\u00e4fte haben insoweit eine neue Qualit\u00e4t, als\ndie Vernetzung selbstst\u00e4ndiger Marktakteure die bisher bestehenden Grenzen der\nmarktwirtschaftlichen Ressourcenallokation \u00fcberwindet, national und\ninternational. Fr\u00fcher war das nur im fordistischen Mischkonzern mit hoher\nFertigungstiefe m\u00f6glich, was verschiedene Probleme hervorrief, zum Beispiel die\nKostenzurechnung erschwerte, zu Fehlentscheidungen bei der Fortf\u00fchrung einer\nProduktlinie f\u00fchrte und eine Ausuferung bei der Hierarchisierung der\nOrganisation hervorrief. Diese Defizite der unternehmensinternen\nKostenoptimierung werden heute durch Marktpolitik umgangen, das hei\u00dft, durch\nAufspaltung von Betrieben bzw. Betriebsteilen und danach ihre\nVerselbstst\u00e4ndigung (Profit-Center). Sie sind entscheidungsautonom und\nMarktprozessen unterworfen. \u201e Make or buy\u201c ist die Devise, das hei\u00dft, nach dem\nOutsourcing wir die Fremdleistung bei neuen Anbietern neu eingekauft. Fixe\nKosten werden in variable Kosten verwandelt. Es ergeben sich\nProduktivit\u00e4tseffekte durch Spezialisierung. Schon Marx wies darauf hin, dass\nim Innern des Unternehmens planm\u00e4\u00dfig gearbeitet wird w\u00e4hrend au\u00dferhalb einer\nregellosen Willk\u00fcr herrsche, die im Barometer der&nbsp;&nbsp; Warenpreise wahrnehmbar sei. Heute wird die\nMarktallokation genutzt, die an sich naturw\u00fcchsig abl\u00e4uft, f\u00fcr die Reduzierung\nvon Verlusten an Arbeitszeit, die nicht im Preis verg\u00fctet wird. Dadurch werden\ndie Akteure zur Verringerung ihrer nicht im Marktpreis verg\u00fcteten Arbeitszeit\nangespornt. Das schlie\u00dft trotzdem nicht aus, dass durch Krisen massenhafte\nEntwertungsprozesse von Kapital und Arbeit vollzogen werden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Es muss klar sein, dass zwischen Problemen aus den\nneuen Produktivkr\u00e4ften und ihrer Anwendung zu unterscheiden ist. Die\ninformationelle Vernetzung ist insoweit der Nukleus eines neuen\nRationalisierungsparadigmas, erfolgt aber immer \u00fcber den Primat der\nMarktallokation. Es kommt weiter zu Deformationen trotz neuer\nRationalisierungsparadigma. Einerseits dadurch, dass die gro\u00dfen Unternehmen den\nVorlieferanten die Preise diktieren und andererseits wegen der Konkurrenz\nverschiedener Internetplattformen, bei der eine oder wenige Plattformen ihre\nMarktmacht ausnutzen. Dadurch werden Entwicklungspotentiale ausgeh\u00f6hlt.&nbsp; Trotz all dieser Probleme k\u00f6nnen\nKapitalbindungen reduziert, gemeinschaftliche Netzwerke und vorhandene\nProduktionsmittel besser genutzt und Kosten gesenkt werden. Daraus folgt, dass\nauch die nationale durchschnittliche Profitrate steigen kann, wenn eine\nerhebliche Kostenreduktion gelingt. Die Automatisierung erh\u00e4lt einen besonderen\nAnsto\u00df, die Steuerung von Einkauf, Lagerhaltung, Fertigung und Absatz werden\nweitergetrieben. Auch komplizierte T\u00e4tigkeiten im Finanzsektor werden\nautomatisierbar.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Allerdings gilt bei alledem, die Grenzen der\nDigitalisierung im Blick zu halten. Jeder noch so ausgekl\u00fcgelte Algorithmus\nkann nicht die Spezifik menschlicher Arbeit ersetzen, denn sie besteht nicht\nnur aus der bewussten Wahrnehmung der Au\u00dfenwelt, sondern auch aus der ideellen\nAntizipation ihrer Ergebnisse. (kreative und wissenschaftliche\nEntwicklungsarbeit). Es kommt hinzu das Arbeit immer gesellschaftlich bestimmt\nist. Mit dem Ausweis dieser Eigenschaften wird auch der Bezug zur Werttheorie\nhergestellt und die G\u00fcltigkeit der Wertbestimmung durch gesellschaftlich\nnotwendige Arbeitszeit, insbesondere durch die Unterscheidung von einfacher und\nkomplizierter Arbeit. Hier ist das Vehikel um die Wertsch\u00f6pfung zu steigern.\nSelbst bei einer totalen Automatisierung der Produktion und einem kompletten\nWegfall einfacher Arbeiten w\u00e4re die wissenschaftliche Arbeit als nationale\nGesamtarbeit einzuordnen in die vielen Nationalarbeiten auf dem Weltmarkt, Sie\nw\u00e4re Arbeit, die erhebliche Surplusprofite hervorriefe im internationalen\nMa\u00dfstab. Das ist aber noch Zukunftsmusik, aus heutiger Sicht rufen vernetzte\nArbeitsprozesse verschiedene Folgen hervor:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>1.Die Cloud- und Clickworker k\u00f6nnen an verschiedenen\nOrten der Welt t\u00e4tig werden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>2.Es vollzieht sich eine Fragmentierung der\nBelegschaft<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.Arbeitspl\u00e4tze im B\u00fcro k\u00f6nnen individuell verlegt\nwerden (Home-Office)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>4.Es entstehen erh\u00f6hte individuelle Spielr\u00e4ume was den\nOrt und die Einteilung der Arbeit angeht mit der Gefahr der Sebstausbeutung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aus alledem ergibt sich die Notwendigkeit einer\nerweiterten Mitbestimmung der Besch\u00e4ftigten, die durch Beteiligung am\nProduktivkapital abzusichern ist. Damit kommt man allerdings zu den \u00f6konomisch\nentscheidenden Fragen der kapitalistischen Produktionsweise. Wie jede\nSteigerung der Produktivkr\u00e4fte wirkt auch die Netzwerk\u00f6konomie als Einsparung\nder lebendigen Arbeit und auch als eine gesamtwirtschaftliche Einsparung von\nfixem Kapital. Im Gesamtergebnis wird die allgemeine Mehrwertrate gesteigert, vermindert\nden Vorschuss an konstantem Kapital. Das sind Gegenkr\u00e4fte gegen den Fall der\nnationalen Durchschnittsprofitrate. Es hat sich allerdings anhand der\nEntwicklung der verschiedenen nationalen Profitraten gezeigt, dass Umverteilung\nzu Gunsten der Profite, vermehrte absoluten Mehrwertproduktion und eine\nVerlangsamung der Produktivit\u00e4tssteigerung nur zu einer Stabilisierung der\nProfitrate auf niedrigem Niveau gef\u00fchrt hat.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Eine konsumgest\u00fctzt Nachfragebelebung durch die\nGeldpolitik der Zentralbanken und Aufbl\u00e4hung des fiktiven Kapitals w\u00fcrde auf\nDauer zu einer Kernschmelze im Kredit- und Bankensystem f\u00fchren und zur\nDiskreditierung der Repr\u00e4sentativgeldw\u00e4hrungen. Insoweit ist die Weltwirtschaft\nan einem historischen Knotenpunkt. Neue Produktivkr\u00e4fte sind vorhanden, die\nkapitalistische Produktionsweise hemmt jedoch sowohl \u00f6konomisch durch\nniedrigere Profitraten als auch gesellschaftlich (arbeitspolitisch, politisch,\nsozial- und klassenstrukturell) eine h\u00f6here Betriebsweise. Es kommt hinzu, dass\nweltpolitisch weder die USA, noch China und die EU in der Lage sind, eine\nHegemoniestellung zu stellen und eine internationale Akkumulation in Gang zu\nbringen. Die Anforderungen, die an ein neues internationales\nAkkumulationsregime zu stellen sind, hat Keynes bereits in den 40er Jahren des\nletzten Jahrhunderts formuliert:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>1.Es muss eine Clearing-Union geben und eine Steuerung\nder internationalen Handelsstr\u00f6me erfolgen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>2.Es ist eine internationale W\u00e4hrung zu schaffen, die\nnicht eine nationale W\u00e4hrung sein kann.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.Es muss eine Weltzentralbank geschaffen und auch\neine Ausgestaltung der Internationalen Handelsagentur (WTO) mit\nInterventionsm\u00f6glichkeiten bei Leistungsbilanzunterschieden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>F\u00fcr die EU bedeutet das, nationalistische R\u00fcckschritte\nzu \u00fcberwinden und eine europ\u00e4ische Volkswirtschaft zu entwickeln. Das bedeutet\nauch, Abh\u00e4ngigkeiten von US-amerikanischen und chinesischen Netzwerken zu\nvermindern und eigene europ\u00e4ische Internetkonzerne aufzubauen. Die\nWeiterentwicklung der Produktivkr\u00e4fte wird nur durch das Zur\u00fcckdr\u00e4ngen der\nkapitalistischen Produktionsverh\u00e4ltnisse m\u00f6glich sein, ebenso wie die\nProfitrate als Steuerungselement. Entscheidend wird eine makro\u00f6konomische\nStrukturpolitik, erweiterte Mitbestimmungen der Besch\u00e4ftigten und eine\nWirtschaftsdemokratie in den Unternehmen sein. Es muss die Einsicht Platz\ngreifen, dass sich die Trennung der lebendigen Arbeit von den\nProduktionsmitteln \u00fcberlebt hat.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>KAPITEL 4:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>DIE LOHNARBEIT ZWISCHEN \u201e\u00d6KONOMISCHER ALLTAGSRELIGION\u201c\nUND \u201eENORMEM BEWUSSTSEIN\u201c, ZWISCHEN KAPITALISTISCHEM PRIVATEIGENTUM UND NEUEN\nWIRTSCHAFTSDEMOKRATISCHEN ASSOZIATIONSFORMEN. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Eine ausdifferenzierte Infrastruktur und ein\nqualifizierter Gesamtarbeitsk\u00f6rper sind zentral f\u00fcr moderne kapitalistische\nGesellschaften und die subjektiv-objektiven Voraussetzungen f\u00fcr nachkapitalistische\nProduktionsverh\u00e4ltnisse. Es ist notwendig die Chancen systemkritischer\nBewusstseinsver\u00e4nderungen und die emanzipatorische Handlungsf\u00e4higkeit\neinzusch\u00e4tzen. Dazu ist die \u201e\u00f6konomische Alltagsreligion\u201c n\u00e4her darzustellen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>F\u00fcr die privaten Haushalte bleibt die Lohnarbeit das\nstrukturierende Moment ihres Lebensalltags. Auf Basis der Erwerbst\u00e4tigkeit\nsammeln sich eine Vielzahl von sozial-kulturellen T\u00e4tigkeiten bei den\nIndividuen an. Es gilt nun zu verstehen auf Basis der Marxschen Theorie, warum\ndie gesellschaftlichen Individuen keinen Ansto\u00df an den Mystifikationen von\nWare, Geld und Kapital nehmen, im Gegenteil ihr Leben als Realisation ihrer\nIndividualit\u00e4t begreifen. Deswegen ist hier durch die Mystifikationen\nhindurchzugehen und ist festzustellen, dass an der Oberfl\u00e4che der Gesellschaft\nder Wert als Resultat des Zusammenwirkens der Revenuetitelbesitzer erscheint.\nIn der b\u00fcrgerlichen \u00d6konomie hei\u00dft das \u201eProduktionsfaktorentheorie.\u201c Dieses\nResultat geht dann wieder als Voraussetzung in die neue Runde der Reproduktion\nein. Es ergibt sich das Terrain eines freien und konkurrenzbestimmten Agierens\nb\u00fcrgerlicher Eigent\u00fcmersubjekte. Mit dieser Oberfl\u00e4chenstruktur wird nach Marx\nder Br\u00fcckenschlag zum Alltagsbewu\u00dftsein hergestellt. Die Transformation des\nb\u00fcrgerlichen Bewusstseins erh\u00e4lt eine potenzierte Wertorientierung in Politik,\nRecht und Alltagsmoral. Das Alltagsbewusstsein ist allerdings dem Handeln\nvorausgesetzt und unterliegt historischen Ver\u00e4nderungen. In dem Ma\u00dfe, in dem\nwie ein gewisses Ma\u00df an Umverteilung an Lohn, Verm\u00f6gen und freier Zeit\ndurchgesetzt werden konnte, ergibt sich eine Verfeinerung der kulturellen\nSph\u00e4re und der \u00dcberbauten. Es verschiebt sich das Klassenbewusstsein und\nverst\u00e4rkt die Individualisierung.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Es gilt aber die Widerspr\u00fcche des Wandels zu\nbeleuchten, die der Neoliberalismus und der Finanzmarktkapitalismus\nhervorgebracht haben. Es vollzieht sich ein Markt\u00f6ffnungsprozess in\nunterschiedlichen gesellschaftlichen Teilbereichen und damit eine \u00d6konomie der\nUnsicherheit. Es wird f\u00fcr die Arbeitskr\u00e4fte ein widerspr\u00fcchlicher Prozess\nfreigesetzt, einerseits die Vorstellung freier Selbstbestimmung und damit\nzusammenh\u00e4ngend das Bewusstsein, selbst f\u00fcr seine Ware Arbeitskraft\nverantwortlich zu sein. Andererseits entpuppt sich der \u201eArbeitskraftunternehmer\u201c\nals dankbares Objekt neuer \u00dcber-bzw. Unterordnungsstrategien (Empowerment).\nJeder ist f\u00fcr sich selbst verantwortlich und nicht Teil einer Klassenpolitik.\nIm Fordismus fand dieses \u00dcber- und Unterordnungsverh\u00e4ltnis noch eine soziale\nAusgestaltung. Diese Strukturen werden im gegenw\u00e4rtigen Finanzkapitalismus\ndurch den weitgehenden Abbau sozialer Sicherheit zerst\u00f6rt. Alle Macht den\nM\u00e4rkten gilt nun als Devise als Gegenstrategie gegen soziale Unsicherheit. Die\nDevise wird von der politischen Klasse ausgenutzt und noch versch\u00e4rft. Seit den\n80er Jahren des letzten Jahrhunderts kam es trotz Versuchen eine neue\nBetriebsweise aufzubauen, in Form von Lean-Production, Gruppenarbeit,\nEnthierarchisierung und Digitalisierung, nicht zu einer zukunftsweisenden\nBetriebsweise. Dagegen wurden eine neoliberale Globalisierung und\nFinanzialisierung hegemonief\u00e4hig, Investitionen und Nachfrageverh\u00e4ltnisse\nwurden blockiert und das Gesellschaftsbewusstsein stark beeinflusst.\nVersprechen der sozialen Marktwirtschaft waren nicht mehr einl\u00f6sbar:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>1.Das Leistungs- und Gl\u00fccksversprechen wurden\nuntergraben. Die Leistungsgerechtigkeit war mit dem Casino-Kapitalismus nicht\nmehr vereinbar, was besonders die Mittelschichten tangierte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>2.Die Aufstiegsversprechen wurden untergraben.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.Die Besch\u00e4ftigten erfahren Kontrollverluste \u00fcber\nihre Arbeit.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>4.Es entstand eine Wut gegen das Establishment und\nrechtspopulistische Ressentiments. Propaganda gegen \u201eunproduktive und\nparasit\u00e4re\u201c Transferempf\u00e4nger<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Diese Entwicklung bietet allerdings Ansatzpunkte\nlinker Politik:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>1.Die Wiedergewinnung sozialer Sicherheit ist\numfassend anzugehen. Neben der Erwerbsarbeit geht es um die Qualit\u00e4t von\nWohnen, Bildung, Mobilit\u00e4t und Pflege. In der Produktion geht es um die\nVerwirklichung wirtschaftsdemokratischer Verh\u00e4ltnisse.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>2.Die Besch\u00e4ftigen und die Akteure allgemein k\u00f6nnen\ndie gr\u00f6\u00dfere Verantwortung in der Lohnarbeit bef\u00f6rdern, indem sie die Trennung\nvon den Bedingungen ihrer Arbeit aufheben.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Frage ist, ob sich das formationstheoretisch\nbegr\u00fcnden l\u00e4sst?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Spezifizierung der kapitalistischen\nProduktionsweise besteht darin, dass das erste Mal in der Geschichte die\nungehemmte Entwicklung der Produktivkr\u00e4fte die Voraussetzung der Gesellschaft\ndarstellt. Das ist das Produktionsgesetz des Kapitals, das hei\u00dft, die Schaffung\nder gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Surplusarbeit ohne R\u00fccksicht auf die Schranken des Marktes.\nEs wird disponible Zeit geschaffen, an der auch Lohnabh\u00e4ngige in gewissem Ma\u00dfe\npartizipieren. Aber die Bedingungen, unter denen diese Resultate erzielt\nwerden, dr\u00e4ngen nach alles Seiten zur Aufl\u00f6sung kapitalistischer\nEigentumsgesetze und der entsprechenden Eigentumsvorstellungen. Die\nProklamierung der Vorstellung im Kapitalismus \u201eEigentum entsteht durch Arbeit\u201c\nwird immer schwieriger. Der Zugang, Aneignung und Weiterentwicklung der\nProduktivkr\u00e4ftek\u00f6nnen sich auf Dauer nicht auf Basis fremdbestimmter\nEigentumsverh\u00e4ltnisse entstehen. Deshalb kann und muss eine gesellschaftliche\nAneignung des Eigentums vollzogen werden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Eigentum ist eine zentrale Kategorie in der Analyse,\nSelbstbeschreibung und Legitimation b\u00fcrgerlicher Gesellschaften. Das gilt nicht\nnur f\u00fcr die Produktionsverh\u00e4ltnisse, sondern auch viele andere Lebensbereiche,\nRecht, Familie, Kunst usw. Der Aufstieg des Neoliberalismus seit Ende der 70er\nJahre hat konsequent das Eigentum ins Zentrum der Betrachtung gestellt\n(Ownership-Society). Sp\u00e4testens seit der Finanzkrise 2007 ger\u00e4t diese\nVorstellung in einen Legitimationsnotstand.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>In der Marxschen Theorie erweist sich die\nb\u00fcrgerlich-kapitalistische Eigentumsform als historische Durchgangsform. Sie\nschafft die Bedingungen f\u00fcr eine h\u00f6here Eigentumsform und eine Pluralit\u00e4t von\nEigentumsformen bedingt durch die Kreditverh\u00e4ltnisse. Der Kapitalismus ger\u00e4t in\neine Legitimationskrise, weil der Zusammenhang von Arbeit-Leistung-Einkommen-Aneignung\nund Eigentum immer wieder aus den Fugen ger\u00e4t. Deswegen kommt es, selbst bei\nLinken, h\u00e4ufig zum R\u00fcckgriff auf Ludwig Erhard mit der Forderung \u201eWohlstand f\u00fcr\nalle.\u201c Im Gegensatz dazu geht Marx so weit, im Kredit und Aktiengesellschaften\nAnsatzpunkte zu sehen, um weitergehende Ver\u00e4nderungen der kapitalistischen\nProduktionsweise einzuleiten. Es entwickeln sich Punkte der R\u00fcckverwandlung des\nKapitals in das Eigentum der Produzenten, aber nicht mehr als das Eigentum\nvereinzelter Produzenten, sondern als Eigentum assoziierter Produzenten.\nEigentum bleibt allerdings zentral im Bewusstsein des Alltags. Die\nHerausforderung besteht nun darin, das emanzipatorisch zu ver\u00e4ndern. Auf diesen\nKnotenpunkt in der kapitalistischen Betriebsweise muss sich die\nTransformationskonzeption einer alternativen Wirtschaftspolitik beziehen:\n\u00f6kologischer Umbau, ressourcensparende Produktqualit\u00e4t, Gruppenarbeit und die\nEnthierarchisierung sind nur durch die Emanzipation der assoziierten Arbeit auf\nbetrieblicher und gesamtgesellschaftlicher Ebene zu haben. Es hat die Stunde\ndes kapitalistischen Eigentums geschlagen. Sie stellt sich dar als Konflikt\nzwischen nach Wirtschaftsdemokratie strebenden Belegschaften und durch die\nDominanz der Verm\u00f6gensbesitzer verriegelten Unternehmenssteuerung und des\nKampfes gegen eine \u00d6konomie der Unsicherheit. Das hei\u00dft allerdings nicht,\nzur\u00fcck zum Fordismus sondern den Kampf gegen den Finanzkapitalismus und f\u00fcr\nWirtschaftsdemokratie&nbsp; in Betrieb und Gesellschaft.<\/strong>\n\n\n\n\n\nn n});<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDIE ANATOMIE UND ZUKUNFT DER B\u00dcRGERLICHEN GESELLSCHAFT\u201c ZUSAMENFASSUNG EINES TEXTES VON BISCHOFF, KR\u00dcGER UND LIEBER. VSA-VERLAG 2018 EINLEITUNG In dem Text geht es um die Wertsch\u00f6pfung und Mystifizierung der Klassenverh\u00e4ltnisse im Kapitalismus. Die Basis der Betrachtung ist das Hauptwerk von Karl Marx \u201eDas Kapital\u201c bzw. \u201eDie Kritik der politischen \u00d6konomie\u201c. 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