{"id":1283,"date":"2020-04-17T09:36:22","date_gmt":"2020-04-17T07:36:22","guid":{"rendered":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/?p=1283"},"modified":"2020-04-17T09:36:22","modified_gmt":"2020-04-17T07:36:22","slug":"die-akkumulation-des-brd-kapitals","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/2020\/04\/17\/die-akkumulation-des-brd-kapitals\/","title":{"rendered":"Die Akkumulation des BRD-Kapitals"},"content":{"rendered":"\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <strong>DER VERLAUF DES\nAKKUMULATIONSPROZESSES DES BRD-KAPITALS (1).<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die\nAufgabe von Marxisten ist es, den Verlauf des Akkumulationsprozesses des\nBRD-Kapitals mit den Kategorien der Marxschen Theorie zu erfassen. Dabei m\u00fcssen\ndie von der b\u00fcrgerlichen Statistik und Wirtschaftstheorie vorgelegten Daten\nalternativ interpretiert werden mit dem Ziel, zu pr\u00e4ziseren Ergebnissen und\nEinsch\u00e4tzungen als die b\u00fcrgerliche \u00d6konomie zu kommen. Es wird davon\nausgegangen, dass das Marxsche System der Kritik der politischen \u00d6konomie der\nb\u00fcrgerlichen \u00d6konomie \u00fcberlegen ist, weil nicht den f\u00fcr die b\u00fcrgerliche\n\u00d6konomie \u00fcblichen Verkehrungen und Mystifikationen aufgesessen wird. Im\nGegenteil, die Marxsche Theorie ist in der Lage, die Verkehrungen und\nMystifikationen der b\u00fcrgerlichen \u00d6konomie aus der Struktur der kapitalistischen\nProduktionsweise zu erkl\u00e4ren und auf die wesentlichen Strukturzusammenh\u00e4nge\ndieser Wirtschaftsordnung zur\u00fcckzugehen. Die Verwendung b\u00fcrgerlicher Statistik\nf\u00fcr eine marxistischen Analyse wird allerdings selbst von einem Teil der\nMarxistinnen und Marxisten in Frage gestellt. Zu diesem Zweck sind vier Punkte\naufzuf\u00fchren.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>1.Durch\ndie b\u00fcrgerliche Statistik werden Preisgr\u00f6\u00dfen zur Verf\u00fcgung gestellt, die bei\nentsprechender Interpretation einen Zugang zu Wertgr\u00f6\u00dfen der Marxschen Theorie\nerm\u00f6glichen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>2.Die\nb\u00fcrgerliche Statistik fasst die Transaktionen der Volkswirtschaft zu\nGesamtgr\u00f6\u00dfen zusammen und ist dabei empirisch-statistischen Imperativen\nverpflichtet. Im Gegensatz dazu bringt es die b\u00fcrgerliche Wirtschaftstheorie\nnur zu einer Systematisierung der erscheinenden Oberfl\u00e4che der kapitalistischen\nProduktionsweise (2).<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.Schon\nin den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde vom Projekt Klassenanalyse\nund danach auch von Stephan Kr\u00fcger&nbsp; das\nSystem der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) zum Ausgangspunkt\ngenommen, durch mehrere Schritte transformiert, fiktive Buchungen eliminiert\nund nicht-mehrwertproduzierende Sektoren (Staat und private Haushalte) von den\nmehrwertsch\u00f6pfenden T\u00e4tigkeiten strikt getrennt. Das gilt auch f\u00fcr T\u00e4tigkeiten\nin Unternehmen, die nicht mehrwertschaffend sind, zum Beispiel Kauf und\nVerkauf, Werbung und Marketing.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>4.Auf\ndiese Weise ist es m\u00f6glich, \u00f6konomische Kategorien der Marxschen Theorie, zum\nBeispiel die Mehrwertrate, Profitrate etc., zu ermitteln und in ihrem Verlauf\nzu betrachten (Wertrechnung).<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Entwicklungsphasen\ndes Akkumulationsprozesses des BRD-Kapitals im Einzelnen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die\nNachkriegsphase<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wir haben\nes nach dem 2.Weltkrieg mit der historisch zweiten Epoche eines langfristig\nbeschleunigten Wachstums des Kapitals zu tun. Sie gr\u00fcndete sich auf dem sogenannten\nFordismus, der seine Anf\u00e4nge in den USA der 20er- Jahre des letzten\nJahrhunderts besa\u00df und durch neue Rationalisierungen im Produktionsprozess\n(Flie\u00dfband, Elektromotor als Antrieb etc.) die Vorherrschaft Gro\u00dfbritanniens\nauf dem Weltmarkt beendete. Gro\u00dfbritannien war bis dahin in der 1.Phase\nbeschleunigten Wachstums des Kapitals unumschr\u00e4nkter Herrscher auf dem\nWeltmarkt gewesen. Unter den USA als neuem Weltmarktf\u00fchrer entwickelte sich\nnach dem 2.Weltkrieg in der Bundesrepublik ein sogenanntes \u201eWirtschaftswunder.\u201c\nDer Kern der Entwicklung war eine schnelle Akkumulation des Kapitals, bei der\nder Widerspruch der Mehrwertproduktion eine ruhige Bewegungsform aufwies. Das\nhei\u00dft, die produktivit\u00e4tsbedingte Abnahme der wertschaffenden produktiven\nArbeit (Industriearbeit und wertsch\u00f6pfende industrielle Dienstleistungen) wurde\n\u00fcberkompensiert durch das schnellere Wachstum des gesellschaftlichen\nGesamtkapitals. Das hatte zur Folge, dass zwar die durchschnittliche Profitrate\n(m\/c+v) tendenziell sank, aber wegen des Zuwachses der besch\u00e4ftigten\nArbeitskr\u00e4fte (v) die Masse des gesamtwirtschaftlichen Profits zunahm und damit\ndas Wirtschaftswachstum gesteigert wurde (3). Diese Entwicklung wurde flankiert\ndurch eine Politik, die durch sozialstaatliche Regeln und Interventionen die\nKonsumnachfrage steigerte und das Geld- und W\u00e4hrungssystem weiterentwickelte\n(Bretton-Woods-System). Diese Politik wirkte sich d\u00e4mpfend gegen\u00fcber zyklischen\nKrisen aus und f\u00f6rderte den Wirtschaftsaufschwung in der Bundesrepublik und\nanderen kapitalistischen L\u00e4ndern.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der\n\u00dcbergang von der beschleunigten Kapitalakkumulation zu der chronischen\n\u00dcberakkumulation in den 70er Jahren.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mithilfe\nder Marxschen Theorie und der sogenannten Wertrechnung l\u00e4sst sich genauer\nerkl\u00e4ren, was vielen damaligen Zeitgenossen nicht verborgen geblieben war. Es\nwar sichtbar, dass die beschleunigte Kapitalakkumulation zum Ende gekommen war.\nSie wurde aus marxistischer Sicht durch eine \u00dcberakkumulation von Kapital\nabgel\u00f6st, eine \u00dcberakkumulation, die nicht kurzfristig behoben werden konnte,\nsondern durch die Struktur des Kapitalismus bedingt war. Sie weist eine\nfallende Profitrate und&nbsp; auch abnehmende\nProfitmasse auf, ist chronisch und tritt in allen Phasen des industriellen\nZyklus auf. Der Zyklus ist seitdem charakterisiert durch einen\nVerdr\u00e4ngungswettbewerb der Kapitale, durch k\u00fcrzere Aufschw\u00fcnge und l\u00e4ngere und\ntiefere Abschw\u00fcnge sowie eine unzureichend wachsende Konsumnachfrage,<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die\nchronische \u00dcberakkumulation und ihre Phasen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Am Beginn\nder ersten Phase stand die sogenannte Stagflation. Damit war gemeint, dass\nein massives Ansteigen der Warenpreise mit einem ausbleibenden\nWirtschaftswachstum zusammentraf. Das Ansteigen der Warenpreise war vor allem\ndurch eine Steigerung der Rohstoffpreise (Erd\u00f6l) und durch noch ungebrochene\nSteigerungen der privaten und \u00f6ffentlichen Konsumnachfragen hervorgerufen\nworden. Die stagnativen Tendenzen wurden auf der anderen Seite durch die\nbeginnende chronische \u00dcberakkumulation des Kapitals hervorgerufen, das\nStrukturproblem des Kapitalismus also. An dieser Stelle h\u00e4tten bereits\nEingriffe in die Struktur des Kapitalismus vorgenommen werden m\u00fcssen, z.B.\nFormen der Investitionslenkung und Relativierung des Profitstrebens. Dazu war\nman aber nicht bereit und belie\u00df es bei einfacher Konjunkturstabilisierung mit\nStrohfeuereffekten als Ergebnis. Es kam nicht zu einer Steigerung der\nProfitmasse und damit auch nicht zu einer dynamischen Investitionsentwicklung.\nIm Gegenteil, die Geldakkumulation an den Finanzm\u00e4rkten wurde angeheizt,\ngewisserma\u00dfen im Vertrauen auf Kurssteigerungen an den B\u00f6rsen und spekulativen\nGeldanlagen. Die Zentralbanken schalteten auf die Inflationsbek\u00e4mpfung um,\nwodurch die Steigerung der Warenpreise gebrochen werden konnte und den\nInteressen der Geldanleger Gen\u00fcge getan wurde.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die zweite\nPhase der chronischen \u00dcberakkumulation war gekennzeichnet durch die\nstaatliche Angebotspolitik, das hei\u00dft, eine Umverteilung von L\u00f6hnen und\nsozialen Leistungen zu Profiten. Die Zentralbankpolitik war auf eine harte\nStabilit\u00e4tspolitik umgeschwenkt mit dem Ergebnis, dass besonders die\nGeldanlagen gesichert wurden. Die Profiterosion wurde gestoppt und g\u00fcnstige\nVoraussetzungen auch f\u00fcr Investitionsausweitungen im industriellen Sektor\ngeschaffen. Die Angebotspolitik ging also zu Lasten der Lohnabh\u00e4ngigen und der Sozialleistungsempf\u00e4nger\nund befeuerte auf der anderen Seite die Kurse an den B\u00f6rsen und die Preise an\nden Immobilienm\u00e4rkten. Es begann die goldene Zeit der Verm\u00f6gensverwalter, zum\nBeispiel Black Rock ab 1988. Der Finanzsektor boomte und kreierte immer wieder\nneue Finanzprodukte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>In der dritten\nPhase hatte sich der Finanzkapitalismus durchgesetzt, eine anhaltende\nKonsumschw\u00e4che bei privaten Haushalten wirkte auch negativ zur\u00fcck auf den\nindustriellen Sektor. Daf\u00fcr sorgten auch die Deregulierungen am Arbeitsmarkt,\nder Sozialabbau und die Umverteilungen von unten nach oben. Es zeigte sich,\ndass die Massennachfrage bei Konsumg\u00fctern und staatliche Ausgaben hochgefahren\nwerden mussten. Die etablierte Politik setzte auf eine Steigerung der\nKonsumkredite, in den USA nannte man das \u201eassed based\nwealth-driven-accumulation.\u201c Hinzu kam eine Steigerung der staatlichen\nVerschuldung. Diese Politik endete mit einer Immobilienblase und dem\nBeinahe-Zusammenbruch des Bank- und Finanzsystems 2007\/2008. Er wurde gerade\nnoch verhindert durch eine weitere Verschuldung des Staates und eine\nultralockere Geldpolitik der Zentralbanken. Es sollte eine weitere Verschuldung\nder Banken und privaten Haushalte abgefangen werden, um die Investitionen der\nUnternehmen und Nachfrageentwicklung der Haushalte wieder in Gang zu bringen.\nDieses Unterfangen hatte nach der Finanzkrise nur m\u00e4\u00dfigen Erfolg, weil neben\nden Strukturproblemen des Kapitalismus und der neoliberalen Politik ( schwarze\nNull) die Verbreitung des Corona-Virus ab 2020 Ma\u00dfnahmen erzwang, die die staatliche\nVerschuldung massiv in die H\u00f6he treiben. Inzwischen warnt sogar der\nInternationale W\u00e4hrungsfonds (IWF) vor dramatischen Folgen, die die\nWeltwirtschaftskrise der 1929\/30er Jahre in den Schatten stellen k\u00f6nnten. Das\nbetrifft im Augenblick vor allem die USA, wo sich inzwischen 17 Millionen AmerikanerInnen\narbeitslos gemeldet haben und die Zahl der Nichtkrankenversicherten die 50\nMillionenmarke \u00fcberschritten hat. Die Zentralbank der USA (FED) hat Ma\u00dfnahmen\nangek\u00fcndigt, die in einer Kredith\u00f6he von 2,3 Billionen US-Dollar resultieren\nk\u00f6nnte. Als Reaktion auf die Corona-Krise haben die meisten kapitalistischen\nL\u00e4nder staatliche Hilfsprogramme aufgelegt, die auf ein F\u00fcnftel der j\u00e4hrlichen\nWirtschaftsleistung gesch\u00e4tzt werden. Das wird zu sp\u00fcrbar h\u00f6heren Zinss\u00e4tzen,\nmassiver Geldsch\u00f6pfung der Zentralbanken und m\u00f6glicherweise zu einer Erosion\ndes Geldsystems f\u00fchren. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kapitalismus\noder sozialistische Marktwirtschaft<\/strong><strong>?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die\nbisher dargestellten Probleme des kapitalistischen Akkumulationsprozesses\nergaben sich durch die Struktur des Kapitalismus, die neoliberale Politik und\nmit der Corona-Pandemie einer Ausnahmesituation. Es wurde keine neue\nbeschleunigte Kapitalakkumulation erreicht, im Gegenteil, die Gesellschaft ist\nnoch tiefer in eine krisenhafte Entwicklung getrieben worden. Die chronische\n\u00dcberakkumulation in Verbindung mit einer gesellschaftlichen Ausnahmesituation haben\ndie historische Begrenztheit der kapitalistischen Produktionsweise deutlich\nwerden lassen. Die Stabilisierung der Massennachfrage und eine \u00f6ffentliche\nInvestitionspolitik k\u00f6nnte allerdings den Marsch in die Deflation und\nDepression verlangsamen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Es geht\nin Zukunft um eine prinzipielle Alternative:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Entweder\num<\/strong><strong> eine\numfassende Entwertung und Vernichtung des gesellschaftlichen Kapitalstocks mit\ndem Ziel, auf Dauer wieder ein h\u00f6heres Niveau der gesellschaftlichen\nDurchschnittsprofitrate herzustellen oder um eine \u00dcberwindung der\nDominanz kapitalistischer Produktionsverh\u00e4ltnisse, eine Relativierung der\nEntwicklung der Profitrate und eine \u00dcberwindung der Verselbstst\u00e4ndigung der\nAkkumulation des Geldkapitals. &nbsp;Das\nLetztere w\u00e4re ein Weg zu einer sozialistischen Marktwirtschaft und der Beginn\ndes Aufbaus eines demokratischen Sozialismus. Hier m\u00fcsste das gesellschaftliche\nEigentum an den Produktionsmitteln das Wirtschaftsleben dominieren. Durch und\ngerade auf Basis der Marxschen Theorie lassen sich diese Verh\u00e4ltnisse n\u00e4her\nbeschreiben. Es muss klar werden, dass die \u00dcberwindung der Corona-Pandemie\nkeine R\u00fcckkehr zu den alten Verh\u00e4ltnissen erlaubt, sondern an den Ansatzpunkten\nzu einer neuen Produktionsweise angekn\u00fcpft werden muss, die die kapitalistische\nProduktionsweise selbst bereitstellt. Das sind Ankn\u00fcpfungspunkte hin zu einer\nWirtschaftsdemokratie.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>(1)Grundlage\ndes Aufsatzes: Stephan Kr\u00fcger, Die Entwicklung des deutschen Kapitalismus von\n1950-2013, VSA-Verlag Hamburg, 2015 und verschiedene Aufs\u00e4tze aus Sozialismus\naktuell&nbsp; aus dem Jahre 2020.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>(2)Ausgenommen\nist die Keynessche Theorie, die in besonderer Weise mit der Marxschen Theorie &nbsp;kompatibel ist.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>(3)m=Mehrwert,\nc=konstantes Kapital (Produktionsmittel), v=variables Kapital (Arbeitskr\u00e4fte),\nm\/c+v=Profitrate. Der Mehrwert stammt aus v.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; DER VERLAUF DES AKKUMULATIONSPROZESSES DES BRD-KAPITALS (1). Vorbemerkung Die Aufgabe von Marxisten ist es, den Verlauf des Akkumulationsprozesses des BRD-Kapitals mit den Kategorien der Marxschen Theorie zu erfassen. 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