{"id":1286,"date":"2020-04-29T12:02:54","date_gmt":"2020-04-29T10:02:54","guid":{"rendered":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/?p=1286"},"modified":"2020-04-29T12:07:01","modified_gmt":"2020-04-29T10:07:01","slug":"cchronische-ueberakkumulation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/2020\/04\/29\/cchronische-ueberakkumulation\/","title":{"rendered":"Chronische \u00dcberakkumulation"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>DIE CHRONISCHE \u00dcBERAKKUMULATIONSKRISE<\/strong><strong>.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Ende der Nachkriegsprosperit\u00e4t des Kapitalismus\nwurde von verschiedenen kritischen \u00d6konomen in der Wirtschaftskrise des Jahres\n1974\/75 gesehen. Die st\u00e4rkere Konjunkturentwicklung war bereits schon vorher\nabgelaufen, ebenso wie die langsame Verselbstst\u00e4ndigung der Akkumulation des\nFinanzkapitals gegen\u00fcber der industriellen Akkumulation. Es kam ferner zu\nmassiven Preissteigerungen an den Warenm\u00e4rkten bedingt durch den Vietnam-Krieg,\nsteigende Staatsverschuldung und Verteuerung wichtiger Rohstoffe (\u00d6l !!!). All\ndas trug zu Spannungen im Festkurssystem von Bretton Woods bei, was dann durch\ndie Nixon-Regierung zu Fall gebracht wurde. Durch die Wirtschaftskrise 1974\/75\nwurde dann die Zeit geringerer Wachstumsraten, einer beginnenden\nMassenarbeitslosigkeit und des Angriffs auf den Sozialstaat eingeleitet.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Diese Entwicklung wurde von marxistischer Seite schon\nfr\u00fch als chronische \u00dcberakkumulation diagnostiziert. Sie l\u00e4sst sich aus der\nStruktur des Kapitalismus herleiten. W\u00e4hrend das Wachstum der Wertsch\u00f6pfung\ntendenziell geringer wird (tendenzieller Fall der Profitrate, langsameres\nWachstum von v gegen\u00fcber c), was schon vor den 70er Jahre festzustellen ist,\nist das noch kein echtes Problem, solange durch steigende Kapitaleins\u00e4tze die\nProfitmasse noch weiter w\u00e4chst. Wenn aber das industrielle Kapital sich nicht\nmehr in vollem Umfang rentierlich verwerten l\u00e4sst, nimmt die Dynamik der\nGeldakkumulation zu. Die Investitionsentwicklung im industriellen Bereich\nerforderte erh\u00f6hte Kreditaufnahmen. Die Folge war, dass die Zinsen langfristig\nstiegen und damit die Zinsanspr\u00fcche an die industrielle Profitmasse, bei\ngleichzeitig schon langsamer wachsender Profitmasse wegen der Entwicklung von v\nbzw. c. Ein ernsthaftes Problem entstand, als die durchschnittliche Profitrate\nsich immer weiter der Zinsrate ann\u00e4herte. Mit dem Fortschritt der\nkapitalistischen Entwicklung wuchsen also die Anspr\u00fcche aus Zinsen und\nDividenden aus der Wertsch\u00f6pfung. Die Zinsbewegung verselbstst\u00e4ndigte sich\ngegen\u00fcber der industriellen Produktion (Reale Reproduktion) und es entstand ein\nGegensatz der Entwicklung der industriellen Produktion zu der\nGeldkapitalbewegung. Das Geldkapital, das aus dem industriellen Sektor stammte,\ndr\u00e4ngte zunehmend auf die Finanzm\u00e4rkte. Hinzu kamen die Gelder aus Privathaushalten\nund Banken. Das Geld floss zunehmend in die Staatsverschuldung und privaten\nKonsumkredite und ein wachsender Teil in die Spekulation an B\u00f6rsen und\nImmobilienm\u00e4rkten. Das waren wichtige Voraussetzungen f\u00fcr eine gro\u00dfe\nKreditkrise, die sich dann auch 2007 ereignete. Voraussetzungen wurden zudem\nseit den 70er Jahren dadurch gelegt, dass durch die neoliberale Politik den\nFinanzm\u00e4rkten der rote Teppich ausgerollt wurde. Es ist Aufgabe linker Politik\nVorschl\u00e4ge zu machen, wie kurzfristig und auf lange Sicht der Finanzsektor zu\nregulieren ist und in eine grundlegende Ver\u00e4nderung der Wirtschaftsordnung\neinzubauen ist.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zahlenbeispiel zur Verdeutlichung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Definitionen:<\/strong><strong>&nbsp;&nbsp;\nm= Mehrwert&nbsp; c= konstantes Kapital\n(Maschinen, Rohstoffe etc.)&nbsp; v= variables\nKapital (Arbeitskr\u00e4fte)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>m\/c+v = Profitrate<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>m entsteht durch Mehrarbeitszeit von v im\nProduktionsprozess<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>c w\u00e4chst schneller als v (wegen\nProduktivit\u00e4tssteigerung)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ausgangslage<\/strong><strong>:&nbsp;&nbsp;\nm= 100 c=50 v=50&nbsp;&nbsp; Profitrate\n100\/50+50&nbsp;&nbsp;&nbsp; Profitrate 100%<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Prosperierender Kapitalismus<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>c und v wachsen beide, wenn auch ungleichm\u00e4\u00dfig z.B. c\num 20% und v um 10%.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Daraus folgt: m =110&nbsp;\nc= 60&nbsp; v= 55<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Profitrate\n110\/115&nbsp; Profitrate 95,6 %<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Profitrate ist tendenziell gefallen, aber Profitmasse\nwegen steigendem v &nbsp;auf 110 gewachsen. Es\nkann auf erweiterter Basis produziert werden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Chronische \u00dcberakkumulation<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>c w\u00e4chst weiter, v w\u00e4chst nicht mehr&nbsp; z.B. c um 10% und v um 0%<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Daraus folgt: m=110 c=66 v=55<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\nProfitrate nun: 110\/121 Profitrate 90,9%<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Profitrate ist weiter gefallen, die Profitmasse\nstagniert bei 110, weil v stagniert. Ein Teil des Kapitals weicht auf die\nFinanzm\u00e4rkte aus, um durch Kurssteigerungen der Wertpapiere und\nSpekulationsgesch\u00e4fte der Stagnation zu entkommen. Es folgt auf die Dauer eine\n\u00dcberhitzung der Finanzm\u00e4rkte mit einer Finanzkrise am Schluss. Eine Regulierung\ndes Finanzsektors w\u00e4re angesagt und auf l\u00e4ngere Sicht eine Abkehr von den\nGrundstrukturen des Kapitalismus.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DIE CHRONISCHE \u00dcBERAKKUMULATIONSKRISE. Das Ende der Nachkriegsprosperit\u00e4t des Kapitalismus wurde von verschiedenen kritischen \u00d6konomen in der Wirtschaftskrise des Jahres 1974\/75 gesehen. Die st\u00e4rkere Konjunkturentwicklung war bereits schon vorher abgelaufen, ebenso wie die langsame Verselbstst\u00e4ndigung der Akkumulation des Finanzkapitals gegen\u00fcber der industriellen Akkumulation. 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