{"id":1318,"date":"2020-10-06T10:23:38","date_gmt":"2020-10-06T08:23:38","guid":{"rendered":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/?p=1318"},"modified":"2020-10-06T10:23:38","modified_gmt":"2020-10-06T08:23:38","slug":"was-ist-los-auf-dem-arbeitsmarkt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/2020\/10\/06\/was-ist-los-auf-dem-arbeitsmarkt\/","title":{"rendered":"Was ist los auf dem Arbeitsmarkt?"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>DR.PETER BEHNEN<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>DIE LINKE FREIBURG<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; WAS IST LOS AUF DEM ARBEITSMARKT? (1)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Durch die Corona-Krise kam es auch in der Bundesrepublik zu einer tiefen Rezession. F\u00fcr 2020 wird mit einem Minus in der gesamtwirtschaftlichen Leistung von 5% gerechnet. Doch es gibt einen Silberstreifen am Horizont. Die Konjunkturforscher der Hans-B\u00f6ckler-Stiftung rechnen f\u00fcr Ende 2021 damit, dass das Vorkrisenniveau wieder erreicht wird. F\u00fcr 2021 rechnen sie mit einem Wirtschaftswachstum von 4,9%. Das f\u00fchren sie auf die nach ihrer Ansicht entschlossene Krisenpolitik der Bundesregierung zur\u00fcck, insbesondere auf die St\u00fctzung der Konjunktur durch das Kurzarbeitergeld. Positiv hervorgehoben wird ebenfalls die Krisenbek\u00e4mpfung der Europ\u00e4ischen Zentralbank (EZB) und der EU. Der europ\u00e4ische Recovery-Plan in H\u00f6he von 750 MRD Euro habe zur Stabilisierung beigetragen. Risiken sehen die Konjunkturforscher der Hans-B\u00f6ckler-Stiftung in einer neuen gr\u00f6\u00dferen Infektionswelle, der Politik der USA nach den amerikanischen Wahlen und in dem Brexit. Beunruhigend sei au\u00dferdem die Frage, ob es den exportorientierten Wirtschaftszweigen (z.B. der Autoindustrie) gelingt, aus der Rezession herauszufinden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das gesamte Szenario hat nat\u00fcrlich starke Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. So lag die Zahl der registrierten Arbeitslosen im September bei 2,8 Millionen. Im Vergleich zum September 2019 ist das ein Anstieg von 613000 Arbeitslosen oder 27%. Trotzdem ist davon auszugehen, dass vermutlich der Tiefpunkt am Arbeitsmarkt durchschritten ist. Die Zahl der ArbeitnehmerInnen in Kurzarbeit betrug im Juli 4,2 Millionen, das sind dreimal so viel wie in der Finanzkrise 2008\/2009. Auf die ausgefallene Arbeitszeit berechnet bedeutet das 1,6 Millionen weitere Arbeitslose. Das wird zur Folge haben, dass zuerst das Arbeitspensum der KurzarbeiterInnen wieder hochgefahren wird, bevor Unternehmen neue Arbeitskr\u00e4fte einstellen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bei der Betrachtung der verschiedenen Branchen ergibt sich ein differenziertes Bild. Die saisonbereinigte Besch\u00e4ftigung gegen\u00fcber dem Vormonat August ist \u00fcberwiegend gestiegen. Zuw\u00e4chse gab es vor allem im Gastgewerbe, Gesundheitswesen sowie im Pflege- und Sozialbereich, R\u00fcckg\u00e4nge allerdings im verarbeitenden Gewerbe (Metall- und Elektrobereich) und in der Arbeitnehmer\u00fcberlassung (2). Nimmt man jedoch den Vorjahresvergleich ist die Besch\u00e4ftigung im Gesundheitswesen am st\u00e4rksten gewachsen, wenn auch mit kleinerem Wachstum seit der Corona-Krise. Die Besch\u00e4ftigungsr\u00fcckg\u00e4nge gegen\u00fcber dem Vorjahr konzentrieren sich auf die Arbeitnehmer\u00fcberlassung, Metall- und Elektroindustrie und beim Gastgewerbe. Prek\u00e4r Besch\u00e4ftigte sind durch die Corona-Krise besonders betroffen. Bis Ende Juni sind im Gastgewerbe 325000 Minijobs weggebrochen, es folgt der Dienstleistungsbereich mit einem Einbruch von 96116 Minijobs, dann der Handel und das verarbeitende Gewerbe mit einem Einbruch von 73641 und 70181 Minijobs. In der Summe ging jeder achte Minijob verloren.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Insgesamt muss festgestellt werden, dass die Wirtschaftskrise die soziale Ungleichheit, die schon vorher massiv war, versch\u00e4rft. Die Kurzarbeit und die Schlie\u00dfung von Gesch\u00e4ften f\u00fchrten zu einer starken negativen Lohnentwicklung. Die Nominall\u00f6hne sind mit einem Minus von 4% noch deutlicher gefallen als im Verlaufe der Finanzkrise 2008\/2009, bedingt vor allem durch die Verk\u00fcrzung der Arbeitszeit. Am st\u00e4rksten betroffen waren die unteren Lohngruppen. F\u00fcr ungelernte und angelernte ArbeitnehmerInnen reduzierten sich die Nominall\u00f6hne um 7,4 bzw. 8,9%. Nach der Untersuchung der Hans-B\u00f6ckler-Stiftung hat bereits \u00fcber ein Viertel der Erwerbst\u00e4tigen Einkommen verloren. Erwerbst\u00e4tige mit niedrigem Einkommen haben dabei h\u00e4ufiger an Einkommen eingeb\u00fc\u00dft, erhalten bei Kurzarbeit seltener eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes und haben h\u00e4ufiger Angst, ihren Arbeitsplatz ganz zu verlieren. Bessere Perspektiven haben in der Regel Besch\u00e4ftigte in Unternehmen mit Tarifvertrag und Mitbestimmung.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Frage ist, wie die Entwicklung in den n\u00e4chsten Monaten weitergeht?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Schon jetzt ist klar, dass die Unsicherheit und die Zukunfts\u00e4ngste zunehmen werden und sich der N\u00e4hrboden f\u00fcr rechtspopulistische Bewegungen erweitern kann. Wie sich die gesellschaftliche Wertsch\u00f6pfung weiterentwickeln wird, ist ziemlich unklar. Eine nationale Erholung des Wirtschaftsgeschehens unabh\u00e4ngig von der Entwicklung des europ\u00e4ischen Binnenmarktes und des Weltmarktes ist nicht zu erwarten. Falls nach der Jahreswende wieder eine starke Welle von Insolvenzen zu verzeichnen w\u00e4re, w\u00fcrde die Zahl der Arbeitslosen weiter in die H\u00f6he schie\u00dfen und deutlich werden, dass die Wirtschaftskrise nicht \u00fcberstanden ist.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>(1)Grundlage des Aufsatzes: Bischoff, M\u00fcller in: Sozialismus aktuell vom&nbsp;&nbsp; 2.10.20<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>(2) Von Arbeitnehmer\u00fcberlassung wird gesprochen, wenn ein selbstst\u00e4ndiges Unternehmen (Verleiher) einen Arbeitnehmer oder Arbeitnehmerin&nbsp; (Leiharbeitnehmer) an ein anders Unternehmen ausleiht, wobei der Verleiher alle Rechte und Pflichten des Arbeitgebers zu \u00fcbernehmen hat.&nbsp; W\u00e4hrend die FDP und die CDU\/CSU die Leiharbeit bef\u00fcrworten, lehnt die Linkspartei die Leiharbeit ab, wegen der Vielzahl von Missbr\u00e4uchen. Die SPD und die Gr\u00fcnen halten daran fest, wollen aber eine gleiche Bezahlung und gleiche Arbeitsbedingungen von Stammbelegschaften und Leiharbeiterschaft durchsetzen.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DR.PETER BEHNEN DIE LINKE FREIBURG &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; WAS IST LOS AUF DEM ARBEITSMARKT? (1) Durch die Corona-Krise kam es auch in der Bundesrepublik zu einer tiefen Rezession. F\u00fcr 2020 wird mit einem Minus in der gesamtwirtschaftlichen Leistung von 5% gerechnet. Doch es gibt einen Silberstreifen am Horizont. 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