{"id":1366,"date":"2021-04-30T12:02:38","date_gmt":"2021-04-30T10:02:38","guid":{"rendered":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/?p=1366"},"modified":"2021-04-30T12:02:38","modified_gmt":"2021-04-30T10:02:38","slug":"entwicklung-und-ende-des-kapitalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/2021\/04\/30\/entwicklung-und-ende-des-kapitalismus\/","title":{"rendered":"Entwicklung und Ende des Kapitalismus"},"content":{"rendered":"<p>Dr. Peter Behnen<br \/>\nDie Linke Freiburg<\/p>\n<p>         DIE ENTWICKLUNG UND DAS ENDE DES KAPITALISMUS (1)<br \/>\nInteressant ist, dass, wenn \u00fcber die Zukunft des Kapitalismus gesprochen wird, auch von b\u00fcrgerlicher Seite wieder verst\u00e4rkt \u00fcber Karl Marx und \u201eDas Kapital\u201c gesprochen wird. Es ist heute selbstverst\u00e4ndlicher als in den Nachkriegsjahren und der Zeit des Kalten Krieges geworden, grunds\u00e4tzlich \u00fcber den Kapitalismus nachzudenken und \u00fcber seine Zukunftschancen zu diskutieren. In der Regel wird Marx als gro\u00dfer Philosoph wahrgenommen, weniger jedoch als jemand, der die \u00f6konomische Struktur dieser Gesellschaft dargestellt hat.  Das soll jedoch hier nicht geschehen geschehen, es soll von meiner Seite auf Basis der Marxschen Theorie die Zukunft des Kapitalismus n\u00e4her beleuchtet werden. Entsprechend soll, hoffentlich in verst\u00e4ndlicher Form, zuerst die Kernstruktur des Kapitalismus, dann seine historischen Betriebsweisen, dann kurz die Frage des digitalen Kapitalismus und zum Schluss die Bewusstseinsformen vieler B\u00fcrger und die M\u00f6glichkeit der \u00dcberwindung des Kapitalismus dargestellt werden. N\u00e4here Definitionen erfolgen in den einzelnen Abschnitten.<br \/>\nDie Kernstruktur des Kapitalismus<br \/>\nMarxens Anspruch war, die \u00f6konomischen Bewegungsgesetze der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft zu ergr\u00fcnden, das hei\u00dft, nach welchen Gesetzen diese Wirtschaftsordnung funktioniert. Im Gegensatz zur b\u00fcrgerlichen \u00d6konomie geht es in der Marxschen Theorie darum, das Spezifische der gesellschaftlichen Arbeit und ihre Verteilung auf das gesamte \u00f6konomische System zu erfassen. Da wir in einer warenproduzierenden Gesellschaft leben, dient die Ware als Ausgangspunkt der Betrachtung. Jede Ware hat eine doppelte Bestimmung, sie ist Gebrauchswert und Wert. Einerseits muss sie einen Gebrauchswert haben, damit der Warenk\u00e4ufer etwas damit anfangen kann, sie hat au\u00dferdem einen Wert, das hei\u00dft, sie ist als ein Teil der gesellschaftlichen Arbeit zu betrachten.   Im Gegensatz zum Gebrauchswert der Ware, den jeder Mensch direkt erfahren kann, zum Beispiel man kann sich mit dem Auto fortbewegen, ist der Wert als Teil der gesamten gesellschaftlichen Arbeit eine gesellschaftliche Qualit\u00e4t, die nicht direkt an der Ware fassbar ist. Sie stellt sich dann in ihrem Tauschwert also in einem Geldbetrag dar.  Marx gr\u00e4bt tiefer und geht auf die gesellschaftliche Arbeit zur\u00fcck. Die Arbeit, soweit sie einen Gebrauchswert erstellt, bezeichnet er als konkret-n\u00fctzliche Arbeit und die gleiche Arbeit, die sich im Wert darstellt, nennt er allgemein gesellschaftliche Arbeit. An dieser Stelle wurde h\u00e4ufig die Forderung erhoben, Marx m\u00fcsse seinen Wertbegriff beweisen. Marx weist das zur\u00fcck und sagt, dass es um gesellschaftliche Arbeit gehe, die in jeder Gesellschaft in einer gewissen Anzahl von Arbeitsstunden gegeben sei und entsprechend den gesellschaftlichen Bed\u00fcrfnissen auf verschiedene Wirtschaftssektoren verteilt werden m\u00fcsse. In der warenproduzierenden kapitalistischen Gesellschaft sei es eben der Wert der Waren, \u00fcber den die Verteilung der zur Verf\u00fcgung stehenden gesellschaftlichen Arbeitsstunden vorgenommen werde.<br \/>\nMarx kommt in seinem Forschungsprozess zu der Einsicht, dass auch die Arbeitskraft als Ware fungiere, also wie jede andere Ware auch am Markt von der Arbeiterin bzw. Arbeiter zu verkaufen sei. Der Kapitalist kauft die Ware aber nicht, wenn sie ihm keinen Mehrwert abwirft. Was hei\u00dft das?                        Das geschieht im Produktionsprozess, in dem der Arbeitstag in die notwendige und Mehrarbeitszeit geteilt wird, ohne dass das den Beteiligten bewusst wird. In der notwendigen Arbeitszeit, zum Beispiel 4 Stunden, wird vom Arbeitenden der Gegenwert f\u00fcr den Wert seiner Ware Arbeitskraft, die vom Kapitalisten mit dem Lohn verg\u00fctet wurde, geschaffen und in der verbleibenden Mehrarbeitszeit der Mehrwert, den sich der Kapitalist unentgeltlich aneignet. Der Mehrwert kann ausgeweitet werden durch die Verl\u00e4ngerung des Arbeitstages und der Mehrarbeitszeit oder durch die Verk\u00fcrzung der notwendigen Arbeitszeit vermittels der Produktivkraftentwicklung oder technischen Entwicklung. Dem Kapitalisten geht es nur um diesen Mehrwert, nur deswegen l\u00e4sst er \u00fcberhaupt produzieren. Er eignet sich den Mehrwert unentgeltlich an, das nennt Marx die Ausbeutung des Arbeitenden. Die Aneignung des Mehrwertes wird verschleiert, weil der an den Arbeitenden gezahlte Arbeitslohn angeblich die Arbeit entlohnt und nicht die Arbeitskraft. Schon der Begriff Arbeitslohn ist irref\u00fchrend, es wird nicht die Arbeit entlohnt, sondern der schon vorher vollzogene Verkauf der Arbeitskraft. Wenn der Arbeitende zu arbeiten beginnt, geh\u00f6rt ihm die Arbeitskraft gar nicht mehr, sondern der Kapitalist kann sie f\u00fcr seine Produktion verwenden.<br \/>\nAn der Oberfl\u00e4che der Gesellschaft, treten sich die Beteiligten des Wirtschaftslebens als angeblich selbstbestimmte Warenbesitzer gegen\u00fcber. Sie erhalten f\u00fcr ihre angebliche Leistung jeder ein bestimmtes Einkommen, der Arbeiter den Lohn, der Kapitalist den Profit bzw. Zins und der Grundeigent\u00fcmer die sogenannte Grundrente.  Jeder dieser Produktionsfaktoren erh\u00e4lt f\u00fcr die Wirtschaftsakteure scheinbar ein ihrer Leistung entsprechendes Einkommen. Im Gegensatz dazu galt es f\u00fcr Marx den komplizierten Zusammenhang von der Mehrwertproduktion. der immer wieder neuen Reproduktion des Ausbeutungsverh\u00e4ltnisses und der Oberfl\u00e4che der Gesellschaft zu entschl\u00fcsseln. Der Kreislauf beginnt mit dem Verkauf der Arbeitskraft in der Zirkulation, geht weiter in der Produktion, die den Mehrwert abwerfen muss, um dann am Markt realisiert zu werden und den Kreislauf von neuem beginnen zu k\u00f6nnen. Der Kreislauf wird immer wieder durch Krisen unterbrochen, die f\u00fcr die Arbeiterklasse und Lohnabh\u00e4ngigen allgemein Ankn\u00fcpfungspunkte f\u00fcr die Entwicklung von Klassenbewusstsein erbringen k\u00f6nnen aber nicht unmittelbar m\u00fcssen, das sehen wir gerade heute. Die Entwicklung von Klassenbewusstsein ist deswegen schwierig, weil der Gro\u00dfteil der B\u00fcrger bzw. Lohnabh\u00e4ngigen durch die Struktur der Gesellschaft dem Schein unterliegt, f\u00fcr die Sch\u00f6pfung und Verteilung des Reichtums sei die eigene Leistung ma\u00dfgebend. Diese Bewusstseinsform gilt es aufzul\u00f6sen, wenn man andere Verteilungsverh\u00e4ltnisse, andere Strukturen sozialer Sicherheit und eine andere staatliche Ausgabenpolitik auf Dauer erreichen will. Diese Bewusstseinsentwicklung muss die Arbeitszeiten und eine neue Einkommens- und Verm\u00f6gensentwicklung in den Fokus nehmen und schlie\u00dflich zur Erkenntnis f\u00fchren, dass die Einkommens- und Verm\u00f6gensverteilung nur die Kehrseite der Verh\u00e4ltnisse in der Produktion ist. Das wird nur Schritt f\u00fcr Schritt geschehen k\u00f6nnen. Aus der Sicht von Marx bricht die kapitalistische Ordnung nicht einfach zusammen, sondern es entstehen materielle und geistige Bedingungen der \u00dcberwindung des Kapitalismus, vor allem hervorgerufen durch die Entwicklung der Produktivkr\u00e4fte (technische Entwicklung) und einschneidenden Krisen. Dann k\u00f6nne ein \u201eenormes Bewusstsein\u201c entstehen, das zu einer Weiterentwicklung f\u00fchre. Die Vorstellung bei einigen historischen Vertretern der Arbeiterbewegung, eine schnelle Abschaffung der Warenproduktion und des Geldes und ihr Ersatz durch die Steuerung des Wirtschaftslebens durch eine zentrale Planungsbeh\u00f6rde war schon immer absurd und hat, wie der reale Sozialismus gezeigt hat, zu katastrophalen Ergebnissen gef\u00fchrt. Die Probleme bei der Versorgung der B\u00fcrger in der DDR und anderen Staaten des Realsozialismus, die langsamere technische Entwicklung und vor allem die R\u00fccknahme von Freiheitsrechten der B\u00fcrger ist uns allen noch im Ged\u00e4chtnis.<br \/>\nHistorische Betriebsweisen des Kapitalismus.<br \/>\nNach der Betrachtung wichtiger Punkte der Kernstruktur des Kapitalismus muss es nun darum gehen, die kapitalistische Wirtschaftsordnung in eine lange historische Kette von verschiedenen Betriebsweisen einzuordnen. Was ist damit gemeint?<br \/>\nMarx versteht unter einer Betriebsweise einerseits den Produktionsprozess mit einem ihn dominierenden technischen Prozess. Dar\u00fcber erhebt sich dann ein bestimmter \u00dcberbau, das hei\u00dft, eine entsprechende Struktur des Staates und des Rechtswesens und eines bestimmten gesellschaftlichen Bewusstseins. Also der Begriff der Betriebsweise beinhaltet einen ganzen Gesellschaftsmechanismus, aber die Grundlage bleibt immer die Organisation und technische Form des Produktionsprozesses.<br \/>\nDie erste Betriebsweise des Kapitalismus war die gro\u00dfe Industrie des 19.Jahrhunderts mit dem Einsatz von Maschinen.  Sie differenziert die betriebliche und gesellschaftliche Arbeitsteilung, erfordert neue Transport- und Kommunikationsmittel (Eisenbahn, Elektrizit\u00e4t, Telefonie) und ist mit einer Fabrikgesetzgebung, der Erk\u00e4mpfung des 10-Stunden-Tages sowie mit Auswirkungen auf die Bildungseinrichtungen und Familienstrukturen verbunden. Diese Entwicklung begann in Gro\u00dfbritannien und zeitversetzt dann auch in den USA und dem Deutschen Reich.<br \/>\nDie zweite industrielle Betriebsweise entwickelte sich nach dem 1.Weltkrieg in den USA mit dem sogenannten Fordismus. Der Name weist auf die Automobilproduktion von Ford hin. Es kam zur Flie\u00dfbandproduktion, also zu einer neuen innerbetrieblichen Arbeitsteilung mit Massenproduktion. Es ging auch um den Verkauf dieser massenhaften Produktion.  Gewerkschaften und arbeitnehmerorientierte Parteien wurden zu wichtigen Akteuren der Zivilgesellschaft und der Sozialstaat erfuhr einen erheblichen Ausbau. Der Fordismus als zweite Betriebsweise des Kapitalismus wurde sp\u00e4ter auch als das goldene Zeitalter des Kapitalismus bezeichnet, unter anderem auch deswegen, weil seit 1944 mit dem Bretton-Woods- System ein internationales Weltw\u00e4hrungssystem etabliert wurde. Der US-Dollar wurde die zentrale Weltw\u00e4hrung, er war gegen Gold umtauschbar und die dem System angeschlossenen L\u00e4nder hielten die Kurschwankungen ihrer W\u00e4hrungen in engen Grenzen. Die Finanzm\u00e4rkte wurden streng kontrolliert. Auf dem Weltmarkt dominierten die USA,<br \/>\nDie Erosion der US-Hegemonie begann schon in den 60er Jahren vor allem durch die Konkurrenz der \u00d6konomien der Bundesrepublik und Japans. Wichtiger war jedoch, dass f\u00fcr alle kapitalistischen L\u00e4nder ein Fall der durchschnittlichen Profitrate (Verh\u00e4ltnis von Profit zu eingesetztem Kapital) wirksam wurde bei gleichzeitigem langsamerem Wachstume der gesellschaftlichen Profitmasse. Das soll anhand eines Zahlenbeispiels erkl\u00e4rt werden.<br \/>\nZahlenbeispiel:<br \/>\nDefinitionen:  m= Mehrwert c=konstantes Kapital (Maschinen, Rohstoffe, Grundst\u00fccke etc.) v= variables Kapital (Arbeitskr\u00e4fte).<br \/>\n Profitrate= m\/c+v<br \/>\nm entsteht durch Mehrarbeitszeit von v im Produktionsprozess. C w\u00e4chst schneller als v wegen Steigerung der Arbeitsproduktivit\u00e4t.<br \/>\nAusgangslage: m =100 c=50 v= 50 daraus folgt: Profitrate 100%<br \/>\nProsperierender Kapitalismus: c und v wachsen beide z.B. c um 20% und v um 10% daraus folgt: m=110 v=55 c=60 Profitrate =95,6%<br \/>\nDie Profitrate ist gefallen, aber die Profitmasse ist wegen der Steigerung von v auf 110 gewachsen. Es ist eine erweiterte Reproduktion m\u00f6glich.<br \/>\nStrukturelle \u00dcberakkumulation: c w\u00e4chst weiter und v stagniert, zum Beispiel c um 10% und v um 0%. Daraus Folgt m=110 c=66 v=55 Profitrate= 90,9%.<br \/>\nDie Profitrate ist weiter gefallen, die Profitnasse stagniert, weil v stagniert. Ein Teil des Kapitals geht unter und ein weiterer Teil weicht auf die Finanzm\u00e4rkte aus wegen der Kurssteigerungen bei Wertpapieren und Immobilien. Spekulationsgesch\u00e4fte bl\u00fchen und Finanzm\u00e4rkte \u00fcberhitzen. Die Finanzkrisen sind das Ergebnis und eine strikte Regulierung der Finanzm\u00e4rkte w\u00e4re notwendig.<br \/>\nDeutlich wurde das Ende der Nachkriegsprosperit\u00e4t an der Weltwirtschaftskrise 1974\/75. Das Bretton-Woods-System brach zusammen. Von marxistischer Seite wurde schon sehr fr\u00fch von einer strukturellen \u00dcberakkumulation gesprochen. Das bedeutet, dass die Profitrate tendenziell fiel, was noch kein Problem war, solange durch steigende Kapitaleins\u00e4tze die Profitmasse noch weiter wuchs. Als aber die Profitmasse ab der Mitte der 70er auch langsamer wuchs, begann die Flucht auf die Finanzm\u00e4rkte. Die Konsequenz, die viele Kapitalisten zogen, war, dass sie ihr Kapital umlenkten auf die Finanz- und Immobilienm\u00e4rkte, in der Hoffnung durch Kurssteigerungen bei Wertpapieren und durch Spekulation an B\u00f6rsen und bei Immobilien dem Niedergang ihres Kapitals zu entgehen. Das Resultat war eine wirtschaftliche Scheinbl\u00fcte und die Finanzkrise 2007\/2008. Auch eine ultralockere Geldpolitik, also eine massive \u00dcberschwemmung der Wirtschaft mit Finanzmitteln der Zentralbanken, f\u00fchrte nicht zu einem beschleunigten Wirtschaftswachstum, die wichtigste Voraussetzung f\u00fcr eine neue Betriebsweise. Es ist zu sehen, ob das mit dem digitalen Kapitalismus gelingen kann.<br \/>\nDer digitale Kapitalismus<br \/>\nDie Produktivkraftentwicklung (technische Entwicklung) im Kapitalismus mit einer neuen Form der Arbeitsteilung wurde auf eine neue Stufe gehoben durch die Bildung von Netzwerken, genannt Plattform\u00f6konomie. Plattformunternehmen wie Google, Facebook, Amazon, Uber und Airbnb erhielten ein besonderes Gewicht. Wir bekommen das im Privatleben und Arbeitsleben hautnah mit. Es findet auf diese Weise eine Rationalisierung statt, die allerdings mit Problemen verbunden ist.<br \/>\n1.Cloud und Clickworker k\u00f6nnen an verschiedenen Orten der Welt t\u00e4tig sein. Es fehlt der direkte Kontakt der Besch\u00e4ftigten zueinander und f\u00fchrt eventuell zur Untergrabung von solidarischem Verhalten<br \/>\n2.Es entsteht als Folge eine Fragmentierung der Belegschaft<br \/>\n3.Es ist Home-Office m\u00f6glich mit einerseits mehr Freiheitsspielr\u00e4umen aber auch der Gefahr der Selbstausbeutung<br \/>\nEs wird damit notwendig, eine erweiterte Mitbestimmung der Besch\u00e4ftigten durchzusetzen, eventuell mit Untermauerung durch eine Beteiligung am Produktivkapital (Maschinen, Rohstoffe, Grundst\u00fccke). Damit kommt man zur entscheidenden Frage der kapitalistischen Produktionsweise. Plattform\u00f6konomien steigern die Produktivkr\u00e4fte wie gehabt durch die Einsparung lebendiger Arbeit und auch beim Maschineneinsatz. Der Fall der durchschnittlichen Profitrate wird aufgehalten durch verl\u00e4ngerte Arbeitszeiten inzwischen aber auch durch Verlangsamung der Produktivit\u00e4tssteigerungen. Die strukturelle \u00dcberakkumulation wird jedoch nicht \u00fcberwunden, im Gegenteil, die Geldpolitik der Zentralbanken stachelt die Wertpapierkurse und die Spekulation an. Das Kredit- und Banksystem kommt ins Wanken und wichtige W\u00e4hrungen (Dollar, Euro etc.) werden geschw\u00e4cht. Da die Profitraten unzureichend gesteigert werden, gelingt auch kein \u00dcbergang in eine neue dritte Betriebsweise des digitalen Kapitalismus.<br \/>\n Die Schlussfolgerung ist, dass eine Weiterentwicklung der Produktivkr\u00e4fte durch Zur\u00fcckdr\u00e4ngung der kapitalistischen Produktionsweise und der Profitrate als Steuerungsinstrument erfolgen muss. Angesagt ist eine gesamtgesellschaftliche Rahmenplanung, erweiterte Mitbestimmung der Besch\u00e4ftigten und Verwirklichung einer Wirtschaftsdemokratie. Die Frage ist allerdings: Wie kann das gesellschaftliche Bewusstsein sich so ver\u00e4ndern, dass dieser Weg gegangen werden kann?<br \/>\nDie Entwicklung eines gesellschaftsver\u00e4ndernden Bewusstseins<br \/>\nEs ist damit zu beginnen, was Marx als \u201e\u00f6konomische Alltagsreligion\u201c be-zeichnet hat. Fest steht, dass die Lohnarbeit das strukturierende Element f\u00fcr den Lebensalltag der meisten Haushalte ist. Die Mitglieder vieler Haushalte unterliegen bestimmten bewusstseinsm\u00e4\u00dfigen Verdrehungen (Mystifikationen) Die gesellschaftliche Wertsch\u00f6pfung in der Produktion erscheint f\u00fcr sie als das Resultat des Zusammenwirkens verschiedener Einkommensbezieher, der Arbeiter, Kapitalisten und Grundeigent\u00fcmer. Sie sehen sich als freie und selbstbestimmte Wirtschaftssubjekte. Wenn ein gewisses Ma\u00df an Umverteilung von Einkommen- und Verm\u00f6gen stattfand, hat das auch ihre Freiheitsspielr\u00e4ume erweitert.  Kultur und staatlicher \u00dcberbau verfeinerten sich und erh\u00f6hten individuelle Spielr\u00e4ume. Dieser Prozess, der auch noch im Finanzmarktkapitalismus der 70er-Jahre des letzten Jahrhunderts stattfand, beherbergt aber auch Widerspr\u00fcche. Durch die Markt\u00f6ffnung in verschiedenen Bereichen ergab sich eine zunehmende soziale Unsicherheit. Besch\u00e4ftigte wurden aufgefordert, in Zukunft selbstverantwortlicher zu handeln und wurden dadurch ein dankbares Objekt von \u00dcber- und Unterordnungsstrategien, ohne, wie noch im Fordismus, sozial aufgefangen zu werden. Alle Macht den M\u00e4rkten wurde die Devise. Versprechen, die noch die alte soziale Marktwirtschaft gegeben hatte (z. B. Leistung wird sich lohnen, jeder ist seines Gl\u00fcckes Schmied etc) wurden untergraben. Teile der Mittelklasse und auch der Arbeiterklasse waren besonders betroffen und wurden empf\u00e4nglich f\u00fcr rechtspopulistische Versprechen. Die Corona-Krise erzwang allerdings eine zeitweilige Abwendung von der Politik der Markt\u00f6ffnung und eine massive staatliche Verschuldung zur Abwehr der Krisenfolgen. Es wird jedoch darauf ankommen, dass nach der Coronakrise nicht zur neoliberalen Politik zur\u00fcckgegangen wird und die Lasten der Krise nicht wieder bei Lohnabh\u00e4ngigen und Sozialleistungsempf\u00e4ngern der Gesellschaft abgeladen werden.<br \/>\nAber es entstanden auch Ansatzpunkte f\u00fcr eine linke Politik insbesondere im Rahmen der Erwerbsarbeit, beim Wohnen, bei Bildung, bei der Umweltpolitik und bei Gesundheit und Pflege auch wegen und nach der Coronakrise.<br \/>\n.<br \/>\n.<br \/>\nSomit gilt es neben der Wirtschaftsdemokratie den \u00f6kologischen Umbau, ressourcensparende Produktqualit\u00e4t, Gruppenarbeit und enthierarchisierende Arbeitsprozesse jenseits des privaten Profitmotivs zu verwirklichen. Das wird nicht gehen ohne das private Eigentum an Produktionsmitteln zur\u00fcckzudr\u00e4ngen.<br \/>\n Die neue Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung wird ein demokratischer Sozialismus und eine sozialistische Marktwirtschaft sein m\u00fcssen. Dabei sind eine klare Ablehnung und Aufarbeitung der Fehler des sogenannten realen Sozialismus unbedingt notwendig. Nur so werden Ressentiments gegen eine sozialistische Politik angegangen werden k\u00f6nnen und der Kampf gegen den Rechtspopulismus erfolgreich sein.<br \/>\n(1)F\u00fcr den Aufsatz wurde der Text von Bischoff u.a. Die Anatomie und Zukunft der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft, Hamburg 2018, zur Grundlage genommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr. Peter Behnen Die Linke Freiburg DIE ENTWICKLUNG UND DAS ENDE DES KAPITALISMUS (1) Interessant ist, dass, wenn \u00fcber die Zukunft des Kapitalismus gesprochen wird, auch von b\u00fcrgerlicher Seite wieder verst\u00e4rkt \u00fcber Karl Marx und \u201eDas Kapital\u201c gesprochen wird. Es ist heute selbstverst\u00e4ndlicher als in den Nachkriegsjahren und der Zeit des Kalten Krieges geworden, grunds\u00e4tzlich [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":122,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0},"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1366"}],"collection":[{"href":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/122"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1366"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1366\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1367,"href":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1366\/revisions\/1367"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1366"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1366"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1366"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}