{"id":1369,"date":"2021-05-11T16:55:13","date_gmt":"2021-05-11T14:55:13","guid":{"rendered":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/?p=1369"},"modified":"2021-05-11T16:55:13","modified_gmt":"2021-05-11T14:55:13","slug":"gold-geld-und-geldpolitik-heute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/2021\/05\/11\/gold-geld-und-geldpolitik-heute\/","title":{"rendered":"Gold, Geld und Geldpolitik heute."},"content":{"rendered":"<p>Dr. PETER BEHNEN<br \/>\nDIE LINKE FREIBURG<\/p>\n<p>                           GOLD, GELD UND GELDPOLITIK HEUTE (1).<br \/>\nF\u00fcr viele \u00d6konomen gilt es als antiquiert, wenn heute eine Beziehung zwischen der Geldware Gold und den W\u00e4hrungen der kapitalistischen Staaten herausgefunden werden soll. Schlie\u00dflich gibt es seit etwa vier Jahrzehnten keine Goldkonvertibilit\u00e4t des US-Dollar mehr, das hei\u00dft, die Notenbank der USA ist nicht mehr gezwungen, US-Dollar auf Verlangen anderer Notenbanken in Gold umzutauschen. Das war im Rahmen des sogenannten Bretton-Woods-Abkommens von 1944 vereinbart worden, um das Vertrauen in den US-Dollar als Weltgeld zu gew\u00e4hrleisten. Nach dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-System ist es bisher gelungen, ohne R\u00fcckgriff auf Gold verschiedene Finanz- und W\u00e4hrungskrisen zu beherrschen. Es entstand die Vorstellung, auf Gold k\u00f6nne ganz im dem Wirtschaftsverkehr, insbesondere als W\u00e4hrungsreserve, verzichtet werden. Wenn das richtig w\u00e4re, h\u00e4tte das allerdings gravierende Folgen f\u00fcr die Marxsche Theorie des Wertes. Sie geht davon aus, dass die spezifische Form der gesellschaftlichen Arbeit im Kapitalismus die Grundlage des Wertes der Waren und der Wertformen ist und zu eine Geldform mit Selbstwert, also Gold, f\u00fchrt.<br \/>\nEs ist somit Aufgabe von Marxisten heute, ausgehend von der Marxschen Theorie des Wertes die Vermittlung zu den erscheinenden Verh\u00e4ltnissen an der Oberfl\u00e4che der Gesellschaft mit Geld, Preis und W\u00e4hrung darzustellen. Dabei ist fundamental, dass<br \/>\n1.die Ableitung der Geldform aus den Austauschverh\u00e4ltnissen zwingend erfordert, dass sich urspr\u00fcnglich zwei Waren gegen\u00fcberstehen.<br \/>\n2. der Wert der Waren die abstrakt gesellschaftliche Arbeit zur Grundlage hat<br \/>\n3, der Wert einer Ware sich im Gebrauchswert einer anderen Ware ausdr\u00fccken muss<br \/>\n4. die Ware, in der sich der Wert aller Waren ausdr\u00fcckt, die sogenannte \u00c4quivalentform, Selbstwert besitzen muss, weil sie sonst kein Wertma\u00df f\u00fcr die anderen Waren sein k\u00f6nnte.<br \/>\nDas bedeutet, dass zur Ableitung des Geldes bei der Ware begonnen werden muss. Wenn das nicht gemacht wird, w\u00e4re Geld \u201epfiffig ausgedacht\u201c und nicht aus dem Warenverkehr naturw\u00fcchsig entstanden.  Marx geht von bewusst-unbewusstem Handeln der Warenbesitzer aus, das hei\u00dft, sie verhalten sich bewusst zu dem unbewussten Ergebnis ihres Handelns. Hierbei handelt se sich um typisches Verhalten der Akteure im kapitalistischen Wirtschaftsprozess. Beispielhaft sei noch genannt, dass die Aktion der Wirtschaftsakteure unbewusst \u00f6konomische Krisen hervorruft zu denen sie sich dann bewusst verhalten m\u00fcssen.                                                                                                             Der Wert der Waren wurde urspr\u00fcnglich in Gold gemessen. Es konnte im Verlauf des kontinuierlichen Warenverkehres durch Zeichen ersetzt werden, zum Beispiel M\u00fcnzen und verschiedene Formen von Banknoten. Diese Wertzeichen wurden zur Grundlage des heutigen W\u00e4hrungssystems, urspr\u00fcnglich von Privatbanken und sp\u00e4ter durch Zentralbanken herausgegeben, Das Repr\u00e4sentativgeld von heute baut somit auf der Grundlage des urspr\u00fcnglichen Geldes mit Selbstwert auf. Aus Sicht der Marxschen Theorie kommt es zusammengefasst zu folgenden Thesen:<br \/>\n1.Die gesellschaftliche Grundlage des Geldes ist, wie gesagt, die historisch-spezifische Arbeit im Kapitalismus.<br \/>\n2.Die Produkte werden vorherrschend als Waren produziert.<br \/>\n3.Ware und Geld haben ein naturw\u00fcchsiges Verh\u00e4ltnis zueinander<br \/>\n4.Zeichengeld (M\u00fcnzen und Papiergeld in verschiedenen Formen) haben als Grundlage die Geldware Gold, egal ob konvertibel oder nicht. Das gilt auch f\u00fcr das inkonvertible Zentralbankgeld von heute.<br \/>\n5.Die Geldpolitik der Zentralbank baut auf dieser Basis auf und erh\u00e4lt auf diese Weise ihre Steuerungsm\u00f6glichkeiten aber auch ihre Grenzen. Es findet eine Ersetzung der Geldware Gold statt, es besteht aber die Gefahr der R\u00fcckkehr zur Goldbasis, wenn das W\u00e4hrungssystem in eine tiefgreifende Krise ger\u00e4t und auch die Zentralbanken ihre Funktion als Rettungsanker des Systems verlieren.<br \/>\nZur Verdeutlichung der Entwicklung des modernen Repr\u00e4sentativgeldes ist eine historische R\u00fcckschau notwendig. Die historisch erste Form des Geldes ist die des Weltgeldes, da der Tauschhandel und das Geld sich am Rande der Gemeinwesen und auch der internationale Handel im Kapitalismus zuerst entwickelten, bevor sie sich im Inneren eines Landes festsetzten. Als Weltgeld \u00fcbernimmt es die Funktionen des internationalen Wertma\u00dfes, des Kauf- und Zahlungsmittels und auch die der W\u00e4hrungsreserve. Damit verbunden war die Herausbildung des Gegensatzes von industriellen Werkst\u00e4tten und Rohstofflieferanten aber auch des Gegensatzes der industriellen Metropolen untereinander.  Es entwickelten sich Hegemonialverh\u00e4ltnisse mit einer an der Spitze stehenden Hegemonialmacht, die sie aufgrund ihrer \u00fcberlegenen Produktivit\u00e4t der Arbeit hatte. Es lassen sich dabei zwei Entwicklungsepochen unterscheiden, einmal die \u00c4ra Gro\u00dfbritanniens im 19.Jahrhundert bis zum 1.Weltkrieg und die \u00c4ra der USA bis zur Mitte der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts. Seitdem findet ein Suchprozess mit noch unklaren Hegemonialverh\u00e4ltnissen statt. Unter dem Aspekt von Geld und W\u00e4hrung ist festzustellen, dass in der \u00c4ra Gro\u00dfbritanniens das Pfund Sterling sowie der Wechsel auf London dominierten. Es war die Zeit des Goldstandards, das hei\u00dft, der Umlauf der Noten war an Deckungsvorschriften durch die Goldreserve der Notenbanken gebunden. Die Goldreserve war also Weltgeldschatz und nationaler Banknotendeckungsfonds. Ein Konflikt entstand insbesondere in Krisensituationen, wenn ein Goldabfluss stattfand und Krisen versch\u00e4rft wurden. Der Gestaltungsspielraum der Zentralbanken f\u00fcr die Geldmenge und die Wechselkurse ging gegen Null. Die Zeit zwischen den Weltkriegen war durch einen modifizierten Goldstandard gekennzeichnet (Gold-Devisen-Standard).Es kam in dieser Zeit zu diversen sozialen Ersch\u00fctterungen und Krisen und zu einer neuen internationalen Hegemonieverteilung. Gro\u00dfbritannien verlor die industrielle Vorherrschaft, verteidigte aber sein internationales Finanzzentrum der Londoner City. Die USA entwickelten mit dem Fordismus eine neue gesellschaftliche Betriebsweise, sie wurden zur gr\u00f6\u00dften Gl\u00e4ubigernation und der US-Dollar wurde im Rahmen des sogenannten Bretton-Woods-Systems zur neuen Weltw\u00e4hrung. Der US-Dollar wurde zur einzigen W\u00e4hrung mit einer festen Parit\u00e4t zum Gold und die beteiligten Mitgliedsl\u00e4nder hielten ihre Wechselkurse untereinander stabil und besa\u00dfen damit auch indirekt ein Verh\u00e4ltnis zum Gold. Zudem wurde eine strenge Kontrolle der Finanzm\u00e4rkte ausge\u00fcbt. Alle wichtigen W\u00e4hrungen hatten keine Deckungsvorschriften gegen\u00fcber ihren Goldbest\u00e4nden mehr, es waren inkonvertible Zentralbanknoten gegeben.  Dieses Bretton-Woods -System behielt seine vorl\u00e4ufige Festigkeit aufgrund folgender Faktoren:<br \/>\n1.Die US-\u00d6konomie war durch ihre Arbeitsproduktivit\u00e4t und ihre Gl\u00e4ubigerstellung den anderen Nationen \u00fcberlegen.<br \/>\n2. Die wichtigsten Metropolen des Kapitals hatten ein beschleunigtes Wirtschaftswachstum aufzuweisen.<br \/>\n3. Die Goldproduktion in S\u00fcdafrika vermehrte sich rasch und der Goldwert entwickelte sich in \u00e4hnlichem Verh\u00e4ltnis wie der Warenwert in den Metropolen des Kapitals.<br \/>\nDas ging etwa 30 Jahre gut, in denen insbesondere durch die Bundesrepublik und Japan eine Konkurrenz zur US-\u00d6konomie entstand. Auf den Finanzm\u00e4rkten kam es zur Spekulation gegen den US-Dollar, die US-W\u00e4hrungsbeh\u00f6rde konnte die Goldeinl\u00f6sungspflicht nicht mehr gew\u00e4hrleisten. Das Bretton-Woods-System brach zusammen und in den kapitalistischen Staaten kam es zu einer bis heute anhaltenden strukturellen \u00dcberakkumulation. Das bedeutet, dass der Fall der durchschnittlichen Profitrate nicht mehr durch eine erh\u00f6hte gesellschaftliche Profitmasse ausgeglichen werden kann. Ein Teil der privaten Kapitale geriet auf die Bahn der Abenteurer, es wurde versucht, durch Spekulationen an den B\u00f6rsen und Immobilienm\u00e4rkten dem Untergang zu entgehen. Es ist augenblicklich kein neues W\u00e4hrungssystem mit einer umfassenden gesellschaftlichen Regulierung in Sicht. Der zurzeit bestehende Modus vivendi ist folgenderma\u00dfen charakterisiert:<br \/>\n1.Das Gold bleibt bei Privaten Anker gegen \u00f6konomische Unsicherheit, aber auch als W\u00e4hrungsreserve bei Nationalbanken. Allerdings sind die Goldreserven der Nationalbanken immobilisiert, also in den Schatzkammern geblieben, und \u00fcbernehmen nur die Funktion des Rettungsankers bei einer tiefgehenden Erosion der W\u00e4hrungsverh\u00e4ltnisse und Instabilit\u00e4t der Finanzm\u00e4rkte.<br \/>\n2.Die Goldreserven wurden mit der EZB zu Marktpreisen bilanziert, gleichwohl wurde bis zur Coronakrise verhindert, eine erweiterte Zentralbankgeldsch\u00f6pfung auszu\u00fcben.<br \/>\n3. Die Devisenreserven fungieren als Zahlungsmittel zwischen den Gesch\u00e4ftsbanken. Die binnenwirtschaftliche Geldmenge wird durch die nationale Devisenbilanz und damit die Wechselkurse ver\u00e4ndert. Es zeigt sich, dass die Spielr\u00e4ume der Zentralbanken gr\u00f6\u00dfer sind in Zeiten flexibler Wechselkurse.<br \/>\n4.Die Geldpolitik konzentrierte sich auf die Sicherung des Geldwertes und weniger auf die Sicherung der Wechselkurse. Damit verselbst\u00e4ndigten sich auch Warenpreise und Wechselkurse von ihrer goldenen Grundlage.<br \/>\nZusammengefasst: Eine komplette Losl\u00f6sung vom Gold ist im Kapitalismus nicht m\u00f6glich. Allerdings gelingt es durch eine entsprechende Ausgestaltung das Geld\/Kredit und Bankverh\u00e4ltnisse den Einfluss der Wertentwicklung des Goldes auf Preise und Wechselkurse im normalen Gang der Verh\u00e4ltnisse weitgehend auszuschlie\u00dfen. Das nennt man Idealisierung des Goldes als Geld im Gegensatz zur Demonetisierung, bei der das Gold ganz aus dem Verkehr gezogen werden soll. Historisch hat sich das moderne Repr\u00e4sentativgeld aus der Banknote entwickelt und mit dem \u00dcbergang der Notenausgabe auf die Zentralbank vollzog sich eine Verschmelzung mit dem Staatspapiergeld zum Wertzeichen. Heute ist das Zentralbankgeld eine Symbiose aus Wertzeichen und Kreditgeld. Das Wertzeichen tritt in die Zirkulation ein durch die Devisenbilanz, also bei Zunahme der W\u00e4hrungsreserven und tritt wieder aus durch Verminderung der W\u00e4hrungsreserven. Das Kreditgeld dagegen entsteht durch die Kreditgesch\u00e4fte der Zentralbank mit den Gesch\u00e4ftsbanken. Das Zentralbankgeld wird ersetzbar durch Bankdepositen, also durch Ersatz von Bargeld durch Buchgeld. Diese verschiedenen Bestandteile der Geldmenge werden folgenderma\u00dfen zum gesetzlichen Zahlungsmittel:<br \/>\n1.Der Ausgangspunkt ist der Au\u00dfenwert der nationalen W\u00e4hrung in Gold. Die W\u00e4hrungsreserven ver\u00e4ndern den Umfang der umlaufenden Wertzeichen als Wertma\u00df.<br \/>\n2. Mit den Wertzeichen ist zugleich der andere Teil der Geldmenge, das Kreditgeld, zum gesetzlichen Zahlungsmittel erhoben (Denomination).<br \/>\n3. Das Ende der Kette bilden die Depositen, die das Bargeld ersetzen k\u00f6nnen.<br \/>\nBei den Wertzeichen erfolgt keine Anpassung an die Warenseite. Sie verbleiben so lange in der in der Zirkulation bis sie exogen abgebaut werden. Das ist anders beim Kreditgeld und Buchgeld. Hier findet eine Anpassung an den Warenverkehr statt. Es entsteht eine wesentliche Steuerungsm\u00f6glichkeit der Zentralbank, sie kann die ungewollte Geldsch\u00f6pfung durch die Wertzeichenzirkulation konterkarieren. Die Kreditgeldsch\u00f6pfung baut sich demgegen\u00fcber durch das Ende des Kreditgesch\u00e4ftes ab. Damit ist gesagt, dass der Unterbau der Geldzirkulation durch die Zentralbank in Grenzen gesteuert werden kann. Das kann empirisch anhand der Bundesbankpolitik und sp\u00e4ter auch der EZB-Politik nachgewiesen werden.<\/p>\n<p>(1)Die Grundlage des Aufsatzes ist Text von: Ansgar Knolle-Grothusen, Stephan Kr\u00fcger und Dieter Wolf, Geldware, Geld und W\u00e4hrung, Hamburg 2009, S.218-238.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr. PETER BEHNEN DIE LINKE FREIBURG GOLD, GELD UND GELDPOLITIK HEUTE (1). 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