{"id":1472,"date":"2023-01-05T19:01:47","date_gmt":"2023-01-05T18:01:47","guid":{"rendered":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/?p=1472"},"modified":"2023-01-05T19:01:47","modified_gmt":"2023-01-05T18:01:47","slug":"ueber-die-weltunordnung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/2023\/01\/05\/ueber-die-weltunordnung\/","title":{"rendered":"\u00dcber die Weltunordnung"},"content":{"rendered":"<p><strong>DR.PETER BEHNEN<\/strong><\/p>\n<p><strong>DIE LINKE FREIBURG<\/strong><\/p>\n<p><strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00dcBER DIE WELTUNORDNUNG.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Carlo Masala, seines Zeichens Professor f\u00fcr internationale Politik an der Universit\u00e4t der Bundeswehr in M\u00fcnchen, hat einen Text \u00fcber globale Krisen und das Versagen des Westens herausgegeben. Er beginnt mit der Feststellung, dass mit der Implosion der Sowjetunion 1989\/90 der Beginn des Zeitalters des Friedens und der Stabilit\u00e4t erwartet wurde. Zu Beginn des 21.Jahrhunderts muss allerdings festgestellt werden, dass sich diese Erwartung in Luft aufgel\u00f6st hat. Masala vertritt die These, dass nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes der Westen versucht habe, international eine Weltordnung zu errichten, die seinen eigenen \u201eWerten\u201c entspreche. Masala geht davon aus, dass diese Politik fehlgeschlagen sei und der Westen auch durch das Fiasko in Afghanistan (2001), im Irak (2003) oder Libyen (2011) nicht von seiner Linie abgewichen sei. Im Gegenteil, diese Politik habe mit dazu beigetragen, dass eine Welt der Unordnung entstanden sei. Masala wirft dem Westen vor, er habe sich von dem Wunsch leiten lassen, sein Modell der Weltordnung notfalls auch mit Gewalt durchsetzen zu wollen. Masala r\u00e4t heute zu einer realistischen Politik. Die bestehe darin, gesellschaftliche Unterschiede zu akzeptieren und kein Machtmonopol auszu\u00fcben. Er stellt fest, dass auch der Westen und vor allem die Gro\u00dfm\u00e4chte nicht am Allgemeinwohl interessiert seien, sondern vor allem an ihren nationalen Interessen. Insoweit ist es ein frommer Wunsch, wenn Bundeskanzler Scholz die EU als Antipode des Imperialismus und von Autokratien ansieht. Dass dem nicht so ist, zeigen die illiberalen Demokratien in Polen und Ungarn, der Rechtsradikalismus in Frankreich, Schweden und Italien und auch die AFD in der Bundesrepublik. Auch die USA und Gro\u00dfbritannien sind weit davon entfernt, lupenreine Demokratien zu sein, das haben wir unter Donald Trump und dem Post-Brexit-Regime erlebt. Antipoden zu Autokratien sehen anders aus. Insoweit ist auch eine Politik gegen die Autokratie Russlands bzw. gegen den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine weder in der EU noch dar\u00fcber hinaus einheitlich durchsetzbar. Carlo Masala ist in dieser Hinsicht zuzustimmen, obwohl er die Weltunordnung nur in oberfl\u00e4chlicher Weise analysiert. Das liegt daran, dass er die \u00f6konomischen Ursachen der weltweiten Konflikte stark unterbelichtet.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Masala spricht vom \u201eWesten\u201c wenn er vom Kapitalismus sprechen m\u00fcsste. Dieser entwickelt sich auf Basis bestimmter Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten, die die Grundlage der politischen Entwicklung und damit auch der Weltunordnung darstellen. Der Kapitalismus verl\u00e4uft krisenhaft und befindet sich seit der Mitte der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts in einer strukturellen \u00dcberakkumulation. Das bedeutet, dass der Fall der gesellschaftlichen Durchschnittsprofitrate nicht mehr durch eine Steigerung der gesellschaftlichen Profitmasse kompensiert wird. Die Folge ist die Entwicklung eines Kapitalismus, in dem Kapital massiv auf die Finanzm\u00e4rkte umgeleitet wird mit einer stark spekulativen Tendenz. Viele Staaten werden in diese Entwicklung einbezogen, deutlich sichtbar an der Russlandkrise 1998, Brasilienkrise 1999, T\u00fcrkeikrise 2000 und Argentinienkrise 2001. Den H\u00f6hepunkt bildete die Finanzkrise 2007, die als zweite gro\u00dfe Krise des Kapitalismus gilt und als H\u00f6hepunkt der strukturellen \u00dcberakkumulation. Politische Instabilit\u00e4ten und die sogenannte Weltunordnung sind die logische Folge. Eine L\u00f6sung der \u00f6konomischen und politische Probleme wird auf Dauer nur m\u00f6glich sein, wenn die neoliberale&nbsp; Politik beendet und Schritt f\u00fcr Schritt die private Kapitalverwertung als Grundlage der Wirtschaftsordnung aufgehoben wird. Es muss auf Dauer der Aufbau einer nichtkapitalistischen Ordnung erfolgen. Dazu bedarf es allerdings eines fundamentalen Wandels in der nationalen und internationalen Politik und der politischen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse zu Gunsten der gro\u00dfen Mehrheit der Bev\u00f6lkerungen. Eine glaubw\u00fcrdige und glaubw\u00fcrdig vertretene wirtschaftsdemokratische und allgemein politisch-soziale Orientierung muss angestrebt werden. Dass das keine Utopie bleibt, daran hat die demokratische Linke kr\u00e4ftig zu arbeiten.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DR.PETER BEHNEN DIE LINKE FREIBURG &nbsp; \u00dcBER DIE WELTUNORDNUNG. Carlo Masala, seines Zeichens Professor f\u00fcr internationale Politik an der Universit\u00e4t der Bundeswehr in M\u00fcnchen, hat einen Text \u00fcber globale Krisen und das Versagen des Westens herausgegeben. 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