{"id":1491,"date":"2023-04-16T19:07:41","date_gmt":"2023-04-16T17:07:41","guid":{"rendered":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/?p=1491"},"modified":"2023-04-16T19:07:41","modified_gmt":"2023-04-16T17:07:41","slug":"wie-unternehmer-und-anleger-den-kapitalismus-sehen-und-was-linke-dazu-sagen-sollten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/2023\/04\/16\/wie-unternehmer-und-anleger-den-kapitalismus-sehen-und-was-linke-dazu-sagen-sollten\/","title":{"rendered":"Wie Unternehmer und Anleger den Kapitalismus sehen und was Linke dazu sagen sollten?"},"content":{"rendered":"<p><strong>DR.PETER BEHNEN<br \/>\nDIE LINKE FREIBURG<\/strong><\/p>\n<p><strong><u>WIE UNTERNEHMER UND ANLEGER DEN KAPITALISMUS SEHEN UND WAS LINKE DAZU SAGEN SOLLTEN?<\/u><\/strong><\/p>\n<p><strong>In den sogenannten \u201eFuchsbriefen\u201c f\u00fcr Unternehmer und Anleger wird 2021 behauptet: \u201eMarx verliert die letzte Schlacht.\u201c Es wird festgestellt, dass Technik, Sprache und Kunst im Wirtschaftsleben h\u00f6chst anpassungsf\u00e4hig aufgenommen werden und damit das Ende \u201eorthodoxer linker Positionen\u201c eingel\u00e4utet sei. Die Eigentumsfrage werde heute nicht mehr gestellt und der Marxismus endg\u00fcltig besiegt. Verantwortlich daf\u00fcr sei der \u201eprogressive Neoliberalismus\u201c, bei dem neoliberale und progressive Kr\u00e4fte erfolgreiche B\u00fcndnisse miteinander eingingen. Amazon beispielsweise f\u00f6rdere Gesch\u00e4fte, die von schwarzen Personen, Frauen, queeren Gemeinschaften oder der neuen Musikkultur betrieben w\u00fcrden. F\u00fcr die Partei Die Gr\u00fcnen, urspr\u00fcnglich links orientiert, ginge es heute um einen gr\u00fcnen Kapitalismus. Enteignungen, zum Beispiel von Wohnungsbaukonzernen, werde heute nur von Minderheiten gefordert. International l\u00e4ge die Linke ebenfalls am Boden, zum Beispiel in Italien, \u00d6sterreich oder Skandinavien. Ausnahmen seien die iberische Halbinsel und Teile S\u00fcdamerikas. Der Kapitalismus setzte sich heute sogar in autorit\u00e4ren Systemen wie in China durch. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Frage ist also, was in den \u201eFuchsbriefen\u201c, also bei Unternehmern und Anlegern, unter Marxismus und Kapitalismus verstanden wird und ob das Ende des Marxismus tats\u00e4chlich eingel\u00e4utet ist?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Festzuhalten ist, dass Marx nicht von einer Marktwirtschaft sprach, sondern vom Kapitalismus. Damit ist gemeint, dass das Kapitalverh\u00e4ltnis immer durch den Verkauf der Ware Arbeitskraft an den Kapitalisten eingeleitet wird. Wenn der Produktionsprozess beginnt, geh\u00f6rt die Arbeitskraft des Arbeitenden dem Kapitalisten, die zu dem Zweck eingesetzt wird, einen Mehrwert zu erzielen, den er sich unentgeltlich aneignen kann. Nur aus diesem Grunde kauft der Kapitalist die Ware Arbeitskraft. Im Produktionsprozess zerf\u00e4llt die Arbeitszeit in zwei Teile, einerseits die notwendige Arbeitszeit, in der der Arbeitende den Gegenwert f\u00fcr den Wert der Arbeitskraft schafft, und andererseits die Mehrarbeitszeit, in der er den Mehrwert schafft. Am Ende des Prozesses steht eine Ware, zum Beispiel ein Konsumgut oder Produktionsgut, die den Mehrwert enth\u00e4lt und der dann am Markt erl\u00f6st werden muss. Wenn das gelingt, kann der Prozess von neuem beginnen, entweder auf einfacher oder erweiterter Stufenleiter. Das ist die Grundstruktur des sogenannten Kapitalkreislaufes, der auch heute die Grundlage des Kapitalismus bildet. Von dieser Grundstruktur haben die Unternehmer und Anleger der \u201eFuchsbriefe\u201c nichts verstanden, ebenso wenig wie die kurz- und langfristigen Entwicklungstendenzen, die daraus erwachsen. Diese Grundstruktur f\u00fchrt zu einer beschleunigten Akkumulation des Kapitals, zu einem Krisenzyklus und auf lange Sicht zu einer strukturellen \u00dcberakkumulation des Kapitals. Das bedeutet, dass es an einem bestimmten Punkt der Entwicklung nicht mehr gelingt, den Fall der durchschnittlichen gesellschaftlichen Profitrate durch das Wachstum des Gesamtkapitals zu kompensieren und das Wachstum der Produktivkr\u00e4fte nur noch durch eine grundlegende Ver\u00e4nderung der Wirtschaftsordnung, die nicht durch die Mehrwertproduktion bestimmt ist, weitergef\u00fchrt werden kann.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Marx hat nun im \u201eKapital\u201c aufgezeigt, dass diese Zusammenh\u00e4nge weder von der b\u00fcrgerlichen \u00d6konomie, der b\u00fcrgerlichen Politik und auch nicht von gr\u00f6\u00dferen Teilen der Bev\u00f6lkerung unmittelbar erkannt werden k\u00f6nnen. Das hat drei Gr\u00fcnde:<\/strong><\/p>\n<p><strong>1.Der Kreislauf des Kapitals ist ein kontinuierlicher Prozess, bei dem scheinbar die Produktionsfaktoren Arbeit, Kapital und Boden jeder f\u00fcr sich zur Wertsch\u00f6pfung beitr\u00e4gt.<\/strong><\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong> Die Kategorie des Arbeitslohnes ruft den Schein hervor, alle Arbeit sei bezahlt worden und l\u00e4sst keine Mehrwertproduktion des Arbeitenden erkennen.<\/strong><\/li>\n<li><strong> Der Wert der Ware Arbeitskraft enth\u00e4lt immer ein moralisch-kulturelles Moment, der bei entsprechenden sozialen und politischen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnissen eine Verbesserung der Lebensverh\u00e4ltnisse gr\u00f6\u00dferer Teile der Bev\u00f6lkerung erm\u00f6glicht.<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>Alle Momente des sogenannten \u201eprogressiven Neoliberalismus\u201c haben nur solange Bestand, solange der Kapitalismus nicht seine Systemgrenze erreicht. Das hei\u00dft, diese Grenze ist erreicht, wenn der Fall der durchschnittlichen gesellschaftlichen Profitrate nicht mehr durch das Wachstum des Gesamtkapitals kompensiert oder \u00fcberkompensiert werden kann und sich die Produktion des Mehrwertes als gesellschaftliche Schranke erweist. Diese Situation ist dann mit einer enormen Verschlechterung der Lebensverh\u00e4ltnisse gr\u00f6\u00dferer Bev\u00f6lkerungsteile national und international verbunden. Inzwischen haben wir eine Situation, in der die Einkommens- und Verm\u00f6gensverteilung weit auseinanderklaffen, der Staat den weiteren Niedergang durch Interventionen hinausz\u00f6gert und die Zentralbanken versuchten, durch ihre Niedrigzinspolitik und den Ankauf von Wertpapieren Banken vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Augenblicklich schwanken sie zwischen einer Antiinflationspolitik und einer weiteren Erh\u00f6hung der finanziellen Liquidit\u00e4t. Je krisenhafter die Entwicklung wird und auch von vielen Menschen als solche empfunden wird, umso st\u00e4rker kann das Bewusstsein entstehen, dass das \u00f6konomische und politische Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis zu ver\u00e4ndern ist. Wenn es der Linken gelingt zu verdeutlichen, dass die Reformpolitik und die Schutzrechte in dieser Gesellschaft nicht ewig Bestand haben werden, kann es zu grundlegenden Strukturver\u00e4nderungen weg vom Kapitalismus kommen. Dazu ist allerdings notwendig, rechtpopulistische und faschistische Entwicklungen zu stoppen und eine nachvollziehbare linke Alternative, die auch die Fehler des Realsozialismus deutlich darstellt, mehrheitsf\u00e4hig zu machen. Dann wird am Ende gesagt werden k\u00f6nnen: \u201eMarx gewinnt die letzte Schlacht.\u201c (1)<\/strong><\/p>\n<p><strong>(1)Wer sich grundlegend \u00fcber die Darstellung und Aktualisierung der marxistischen Analyse informieren m\u00f6chte dem sei u .a. folgender Text empfohlen:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Stephan Kr\u00fcger, Wirtschaftspolitik und Sozialismus, VSA-Verlag Hamburg 2016.<\/strong><\/p>\n<p><strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DR.PETER BEHNEN DIE LINKE FREIBURG WIE UNTERNEHMER UND ANLEGER DEN KAPITALISMUS SEHEN UND WAS LINKE DAZU SAGEN SOLLTEN? In den sogenannten \u201eFuchsbriefen\u201c f\u00fcr Unternehmer und Anleger wird 2021 behauptet: \u201eMarx verliert die letzte Schlacht.\u201c Es wird festgestellt, dass Technik, Sprache und Kunst im Wirtschaftsleben h\u00f6chst anpassungsf\u00e4hig aufgenommen werden und damit das Ende \u201eorthodoxer linker Positionen\u201c [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":122,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0},"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1491"}],"collection":[{"href":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/122"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1491"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1491\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1492,"href":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1491\/revisions\/1492"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1491"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1491"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1491"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}