{"id":1499,"date":"2023-07-18T08:41:57","date_gmt":"2023-07-18T06:41:57","guid":{"rendered":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/?p=1499"},"modified":"2023-07-18T08:41:57","modified_gmt":"2023-07-18T06:41:57","slug":"kapitalistische-mythen-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/2023\/07\/18\/kapitalistische-mythen-1\/","title":{"rendered":"Kapitalistische Mythen 1"},"content":{"rendered":"<p><strong>LINKSPARTEI 2024<\/strong><\/p>\n<p><strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p><strong><u>KRITIK KAPITALISTISCHER MYTHEN 1<\/u><\/strong><\/p>\n<p><strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p><strong><u>VORBEMERKUNG<\/u><\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00d6konomische und soziale Fragen werden im Alltag, aber auch in den Medien und der Politik h\u00e4ufig sehr kontrovers diskutiert und es wird h\u00e4ufig mit sogenannten Mythen gearbeitet. Dabei handelt es sich um eine ideologische Verdrehung der wirklichen Verh\u00e4ltnisse, die in der Regel das Ziel verfolgt, bestimmte Interessen zu verschleiern und durchzusetzen. Es ist deshalb f\u00fcr Linke von gro\u00dfer Wichtigkeit, solche Mythen zu erkennen und in der politischen Programmatik aber auch in politischen Diskussionen mit den B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern \u00fcber solche Mythen aufzukl\u00e4ren und die sich dahinter verbergenden Interessen offenzulegen (1).<\/strong><\/p>\n<p><strong><u>MYTHOS 1:<\/u><\/strong><strong> HOHE LOHNKOSTEN SIND DIE WICHTIGSTE URSACHE F\u00dcR DIE PROBLEME AM ARBEITSMARKT. DIE L\u00d6HNE M\u00dcSSEN DESWEGEN GESENKT WERDEN, NUR SO BLEIBT DIE WETTBEWERBSF\u00c4HIGKEIT DER WIRSCHAFT ERHALTEN.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Tats\u00e4chlich sind die L\u00f6hne in Westeuropa sehr unterschiedlich. Klar ist auch, dass in der Bundesrepublik im Durchschnitt h\u00f6here L\u00f6hne gezahlt werden als zum Beispiel in Tschechien oder Rum\u00e4nien. Das hat allerdings damit zu tun, dass hier mit hoher Arbeitsproduktivit\u00e4t produziert wird und es Gewerk-schaften und arbeiterorientierten Parteien gelungen ist, ein Teil des kapitalistischen Mehrwertes zu erk\u00e4mpfen. F\u00fcr die Wettbewerbsf\u00e4higkeit sind jedoch nicht der Lohn bzw.-Lohnnebenkosten (z. B soziale Leistungen) von entscheidender Bedeutung, sondern die Lohnkosten pro erzeugtem St\u00fcck, also die sogenannten Lohnst\u00fcckkosten. Da die Arbeitsproduktivit\u00e4t sehr hoch ist, sinken die Lohnst\u00fcckkosten gegen\u00fcber den Handelspartnern laufend. Die Industrie der Bundesrepublik gewinnt also dadurch an Wettbewerbsf\u00e4higkeit. Wenn aber trotzdem die Lohnquote, also der Anteil der L\u00f6hne am Volkseinkommen, sinkt, weist das auf die Verteilungsprobleme in der Gesellschaft hin.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Dar\u00fcber hinaus ist zu sagen, dass L\u00f6hne nur ein Kostenfaktor der Unternehmen sind, ihr Kostenanteil im verarbeitenden Gewerbe macht lediglich etwa 2o Prozent aus. Dabei ist der Lohn nicht nur Kostenfaktor, sondern auch ein Teil der gesellschaftlichen Kaufkraft. Wenn L\u00f6hne gesenkt werden, ist bei einzelnen Kapitalen, vor allem im Dienstleistungsbereich, eventuell kurzfristig ein Arbeitsplatz gesichert. Gesamtwirtschaftlich f\u00fchren Lohnsenkungen nur dann zu mehr Produktion und Besch\u00e4ftigung, wenn die Nachfrage nach den entsprechenden Waren nicht negativ beeinflusst wird. Geringere Lohnst\u00fcckkosten k\u00f6nnen gerade in der Exportwirtschaft Auswirkungen auf Produktion und Besch\u00e4ftigung haben. Es ist allerdings damit zu rechnen, da dadurch Arbeitslosigkeit auch exportiert wird, dass ab einem bestimmten Punkt die Handelspartner Handelsbarrieren errichten. Betrachtet man die Wirtschaft der gesamten EU, so gehen nur 10 Prozent aller im Binnenmarkt hergestellten Waren in den Export, 90 Prozent werden im Binnenmarkt selbst verbraucht. Bei Nationen, bei denen ein h\u00f6herer Anteil ihrer Waren in den Export geht, erweisen sich Lohnsenkungen in der Regel als kontraproduktiv, weil Handelspartner politisch zu Ungunsten der Exportnation reagieren werden. Auf die Probleme der sogenannten \u201ebeggar-my-neighbour-Politik\u201c hat Keynes schon in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts hingewiesen.<\/strong><\/p>\n<p><strong><u>&nbsp;<\/u><\/strong><\/p>\n<p><strong><u>MYTHOS 2<\/u><\/strong><strong>:&nbsp; WIR LEBEN IN EINER LEISTUNGSGESELLSCHAFT. UNTERSCHIEDE IM EINKOMMEN UND VERM\u00d6GEN SIND BERECHTIGT, WEIL SIE ERGEBNIS VON LEISTUNGSUNTERSCHIEDEN SIND.<\/p>\n<p><\/strong><\/p>\n<p><strong>Wenn wir von der Marxschen Theorie ausgehen, so findet im Kapitalismus eine Mehrwertproduktion statt. Das l\u00e4sst sich anhand des Kapitalkreislaufes erkl\u00e4ren. Zu Beginn des Kreislaufes kauft der Kapitalist Arbeitskr\u00e4fte und Produktionsmittel am Markt. Die Arbeitskr\u00e4fte, die den Wert ihrer Ware Arbeitskraft verg\u00fctet haben wollen, erhalten einen Lohn und stellen f\u00fcr den Kapitalisten das sogenannte variable Kapital dar. F\u00fcr die Produktionsmittel zahlt der Kapitalist einen Preis, f\u00fcr sein sogenanntes konstantes Kapital. Die Arbeitskr\u00e4fte sind sein variables Kapital, weil sie einen Mehrwert produzieren und sein variables Kapital sich dadurch vergr\u00f6\u00dfert, w\u00e4hrend die Produktionsmittel eben nur Mittel und nicht wertsch\u00f6pfend sind und deswegen konstant bleiben. Die B\u00fcrgerliche \u00d6konomie kennt keinen Mehrwert, der in der Mehrarbeitszeit des Arbeitenden geschaffen wird, nachdem er in der notwendigen Arbeitszeit den Gegenwert f\u00fcr den Wert der Arbeitskraft erarbeitet hat. Den Mehrwert eignet sich der Kapitalist unentgeltlich an.&nbsp; Am Ende des Prozesses steht eine Ware oder Dienstleistung, deren Wert am Markt realisiert werden muss, damit der Prozess auf gleicher oder h\u00f6herer Stufenleiter neu beginnen kann.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Diese Gedankenfolge kennt die b\u00fcrgerliche \u00d6konomie nicht. Sie geht davon aus, dass jeder Produktionsfaktor, das sind die Arbeit, das Kapital und der Boden, an der Wertsch\u00f6pfung beteiligt ist und deswegen auch ein Einkommen erhalten muss. Dass die Produktion des Mehrwerts nicht mehr erkannt wird, dabei spielt die Kategorie des Arbeitslohnen eine gro\u00dfe Rolle. Durch ihn scheint alle Arbeit bezahlt zu sein und er gibt dadurch nicht mehr den Weg frei zur Erkenntnis der Produktion des Mehrwertes im Kapitalismus. Es gibt kein Unterschied mehr zwischen Arbeit und Arbeitskraft. Der Arbeitende scheint nach seiner Leistung bezahlt worden zu sein und auf dieser Basis entwickelt sich eine Anzahl weiterer Verdrehungen der Wirklichkeit.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Es wird h\u00e4ufig behauptet, die Lohnh\u00f6he bemesse sich nach der Leistung des Arbeitenden, also der H\u00f6he des Wertes seines Arbeitsergebnisses. Wenn dem so w\u00e4re, w\u00fcrde der Kapitalismus nicht funktionieren, denn es g\u00e4be keinen Mehrwert und dann auch keine Produktion bzw. Dienstleistung. Bekannterma\u00dfen wird der Lohn in Verhandlungen festgelegt, und nur wenn er auf einem Niveau liegt, der einen gewinntr\u00e4chtigen Verkauf der Ware erm\u00f6glicht, wird der Kapitalist produzieren lassen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Es wird auch behauptet, Lohnunterschiede seien notwendig, um Leistungsanreize zu geben. Dem ist zu entgegnen, dass f\u00fcr die Attraktivit\u00e4t einer Arbeit oder eines Arbeitsplatzes nicht nur die Lohnh\u00f6he entscheidend ist, sondern auch die Art der T\u00e4tigkeit und die Arbeitszufriedenheit. Zudem ist die Messung einer einzelnen Leistung schwierig bis unm\u00f6glich, denn es kommt in der Regel auf die Teamarbeit an, bei der die Leistungsmessung des Einzelnen kaum m\u00f6glich ist.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Schlie\u00dflich wird bestritten, dass f\u00fcr die H\u00f6he des Einkommens die soziale Herkunft erhebliche Bedeutung hat. Die gesellschaftliche Realit\u00e4t sieht allerdings anders aus. Das beginnt bereits bei dem Besuch der Schulart, geht weiter mit der Selektion am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt und schlie\u00dflich auch um Unterschiede in der beruflichen und eventuell universit\u00e4ren Ausbildung. In allen F\u00e4llen spielt die soziale Herkunft eine wichtige Rolle. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Auch das Geschlecht und die Nationalit\u00e4t dr\u00fccken sich in der Lohnh\u00f6he aus. Es gibt teilweise betr\u00e4chtliche Unterschiede in der Bezahlung bei M\u00e4nnern und Frauen und ebenfalls zwischen Nichtausl\u00e4ndern und Ausl\u00e4ndern. Es wird also deutlich, dass die Bewertung einer Leistung viel mit gesellschaftlichen Konventionen, Machtverh\u00e4ltnissen und Aushandlungsprozessen zu tun hat.<\/strong><\/p>\n<p><strong><u>&nbsp;<\/u><\/strong><\/p>\n<p><strong><u>MYTHOS 3<\/u><\/strong><strong>: DER STAAT SOLLTE KEINE VERSCHULDUNG BETREIBEN. DADURCH ENTSTEHT UNTER ANDEREN EINE UNGERECHTE BELASTUNG F\u00dcR ZUK\u00dcNFTIGE GENERATIONEN.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Durch diese These wird unterschlagen, dass es gute Gr\u00fcnde f\u00fcr eine staatliche Verschuldung geben kann. Da wir in der kapitalistischen \u00d6konomie mit einem Krisenzyklus zu tun haben, gibt es wirtschaftliche Krisenzeiten, in denen der Staat einspringen muss. Das geschieht dadurch, dass er konjunkturbedingte Ausf\u00e4lle bei Steuereinnahmen und Mehrausgaben f\u00fcr Arbeitslose und andere Sozialleistungsempf\u00e4ngerInnen durch staatliche Verschuldung \u00fcberbr\u00fcckt. Zudem kann der Staat versuchen, die Konjunktur wieder in Gang zu bringen durch Ausgaben f\u00fcr die Ankurbelung des Konsums und der Investitionsg\u00fcterindustrie. Die Kosten, die die Verschuldung f\u00fcr staatliche Investitionen hervorruft, werden tats\u00e4chlich teilweise auf k\u00fcnftige Generationen \u00fcbertragen, aber auch der zuk\u00fcnftige Nutzen. Wenn mit Krediten \u00f6ffentliche Investitionen finanziert wurden, zum Beispiel Schulen, Universit\u00e4ten, Krankenh\u00e4user, Verkehrsnetze, dann k\u00f6nnen zuk\u00fcnftige Generationen diese Infrastruktur nutzen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>H\u00e4ufig wird der Staatshaushalt mit einem Privathaushalt verglichen, es k\u00f6nne nicht mehr ausgegeben werden als eingenommen werde. Dem ist zu widersprechen, weil staatliche Haushaltspolitik \u00f6ffentliche Aufgaben zu erbringen hat und auch in gewissem Ma\u00dfe zur Steuerung der Wirtschaft beitr\u00e4gt. Gewinnerzielung aber auch ein Nulldefizit sind keine wirklichen Staatsziele. Eine staatliche Sparpolitik kann Folgen haben, die kontraproduktiv wirken. Staatliche Sparpolitik kann sich negativ auf die Wirtschaftsentwicklung auswirken, was die Steuereinnahmen senkt und die Unterst\u00fctzung f\u00fcr Arbeitslose steigert und damit die Sparpolitik konterkariert und eventuell zu noch h\u00f6herer Verschuldung f\u00fchrt. Die Politik in der Weltwirtschaftskrise 1929-32 sollte ein warnendes Beispiel sein.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Zur Beurteilung der Tragf\u00e4higkeit von Staatsverschuldung ist nicht die wachsende Staatsverschuldung ausschlaggebend, sondern das Verh\u00e4ltnis des Schuldenstandes zum Bruttoinlandsprodukt. Problematisch wird es dann, wenn die Neuverschuldung permanent h\u00f6her ist als das Wirtschaftswachstum. Das haben viele Staaten gesp\u00fcrt, die sich in der Schuldenkrise befanden oder noch befinden. Eine Streichung der Schulden und eine Neuausrichtung der Wirtschaftspolitik sind dann in der Regel angesagt. Aber auch das Zinsniveau spielt eine wichtige Rolle. Liegt die Zinsrate minus Inflationsrate h\u00f6her als die Wachstumsrate der Wirtschaft, dann steigt die Belastung durch Zinsen schneller als die Staatseinnahmen und dem kann dann nur durch Steuererh\u00f6hungen und \/oder Ausgabenk\u00fcrzungen geantwortet werden. Wenn man keinen sozialen Kahlschlag will, muss dann eine Steuererh\u00f6hung f\u00fcr Besserverdienende und Spitzenverdiener ins Auge gefasst werden. Da wird dann klar, welche Interessen sich in der staatlichen Politik durchsetzen k\u00f6nnen. <\/strong><\/p>\n<p><strong><u>MYTHOS 4:<\/u><\/strong><strong> DER FINANZMARKT IM ALLGEMEINEN UND DIE B\u00d6RSE IM BESONDEREN MACHEN UNS ALLE REICH.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die B\u00f6rse wird vor allem von Besserverdienenden und Spitzenverdienern als Quelle des Reichtums angesehen. Bei B\u00f6rsen handelt es sich um Handelspl\u00e4tze, an denen Eigentumstitel, Gl\u00e4ubigerpapiere, \u00d6l, Gold und Devisen gehandelt werden. F\u00fcr Aktienb\u00f6rsen k\u00f6nnen wir feststellen, dass sie urspr\u00fcnglich einem kleinen Club von B\u00f6rsenakteuren vorbehalten waren. Es war im allgemeinen Bewusstsein diese Exklusivit\u00e4t, weshalb religi\u00f6se, kleinb\u00fcrgerliche und rassistische Vorurteile mit ihnen verbunden wurden. Diese Vorstellungen betrachteten die B\u00f6rsen als Fremdk\u00f6rper der Gesellschaft, im Gegensatz zu Marx, der sie als notwendige Existenzform in der kapitalistischen Produktionsweise ableitete. Dass Aktion\u00e4rInnen am Gewinn interessiert sind, haben sie mit anderen Unternehmens- Eigent\u00fcmerinnen gemeinsam. Marx nannte die Wertpapiere, die dort gehandelt werden, fiktives Kapital, weil das wirkliche Kapital in die Produktion des Mehrwertes eingebunden ist. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Historisch gesehen waren Aktiengesellschaften Organisationen, die dazu dienten, gro\u00dfe Kapitalmengen f\u00fcr gro\u00dfe Projekte aufzubringen. Inzwischen sind B\u00f6rsen nicht nur Handelspl\u00e4tze, an denen Eigentumsrechte nicht nur unkompliziert \u00fcbertragen werden k\u00f6nnen, sondern inzwischen ist die Kursspekulation Trumpf. Insbesondere in Zeiten steigender Aktienkurse sind Aktien auch f\u00fcr einen gr\u00f6\u00dferen Bev\u00f6lkerungskreis popul\u00e4r geworden. Das dr\u00fcckt sich unter anderen in der Berichterstattung der Medien aus, die B\u00f6rsennachrichten sind heute Teil der Hauptnachrichten. Die Finanzindustrie expandiert und das Eigentum an Aktien ist breiter gestreut. Zudem ist die Idee, Aktieneigentum breiter zu streuen, Teil der neokonservativen Politik. Auf diese Weise sollen mehr Menschen st\u00e4rker an eine kapitalfreundliche Politik gebunden werden. Diese Entwicklung wurde in den 1990er Jahren in dem Begriff des \u201eShareholder-Value\u201c verdichtet. \u201eShareholder-Value\u201c wurde zu einem Slogan, der den Glauben transportierte, Verm\u00f6gensbesitz verleihe einen Anspruch auf Ertrag, dem sich alle anderen Ziele unterzuordnen h\u00e4tten und sei mit Gemeinwohl gleichzusetzen. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Dass man bei einer B\u00f6rsenbeteiligung schnell reich werden k\u00f6nnte, scheinen doch nicht so viele Menschen zu glauben, denn nur etwa 18 Prozent der deutschen Haushalte haben \u00fcberhaupt Aktieneigentum. Die reichsten 1 Prozent der Bev\u00f6lkerung haben die Mehrheit des Aktienkapitals in ihren H\u00e4nden. Die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung bezieht weiter \u00fcber L\u00f6hne und Geh\u00e4lter den Gro\u00dfteil ihres Einkommens.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Einige Beobachter meinen, die B\u00f6rsenentwicklung f\u00f6rdere das Wirtschaftswachstum. Aufgrund verschiedener Untersuchungen l\u00e4sst sich aber kein Zusammenhang zwischen B\u00f6rsenentwicklung und dem gesamtwirtschaftlichen Wachstum und der Produktivit\u00e4tsentwicklung feststellen. Es gilt weiter der Satz von Keynes, dass dort wo Spekulation herrscht keine prosperierende Wirtschaftsentwicklung zu erwarten sei. Die Erkl\u00e4rung des \u201eShareholder-Values\u201c zum obersten Unternehmensziel st\u00f6\u00dft auf strukturelle Probleme.&nbsp; Um den \u201eShareholder-Value\u201c zu steigern, sind folgende Optionen von Bedeutung:<\/strong><\/p>\n<p><strong>1.Der Verkauf unprofitabler Unternehmensteile<\/strong><\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong> Die \u00dcbernahme anderer Firmen <\/strong><\/li>\n<li><strong> Der Druck auf die Besch\u00e4ftigten<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>Zusammengefasst gilt: Der \u201eShareholder-Value\u201c reiht sich letztlich ein in eine Reihe von Ma\u00dfnahmen und Entwicklungen, die sich durch viele gesellschaftlichen Bereiche ziehen und die Machtverschiebung von der Arbeit zum Kapital ausdr\u00fccken.<\/strong><\/p>\n<p><strong><u>MYTHOS 5<\/u><\/strong><strong>: DER UNEINGESCHR\u00c4NKTE FREIHANDEL F\u00dcHRT ZU WOHLFAHRTSSTEIGERUNGEN IN ALLEN BETEILIGTEN L\u00c4NDERN.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Forderung uneingeschr\u00e4nkten Freihandel zu betreiben, kommt in der Regel von Vertretern hochentwickelter kapitalistischer Staaten und internationalen Organisationen, wie zum Beispiel dem Internationalen W\u00e4hrungsfonds (IWF), die in einer engen Beziehung zu diesen Staaten stehen. Argumentiert wird meistens mit der Theorie komparativer Kostenvorteile, die auf David Ricardo (1772-1823) zur\u00fcckgeht. Von ihm wird behauptet, dass Freihandel allen Beteiligten nutze, weil jedes Land aufgrund seines Standortes eine Ware besonders gut produzieren k\u00f6nne. Wenn jedes Land sich auf die Ware konzentriere, bei deren Produktion es besondere Vorteile habe, k\u00f6nne bei einem weltweiten freien Handel international ein maximaler Wohlstand erzielt werden.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Bevor n\u00e4her auf diese Theorie eingegangen wird, ist es sinnvoll, auf die Geschichte des Freihandels n\u00e4her einzugehen. Das Postulat, dass Freihandel und Markt\u00f6ffnung zu einem schnellen Wachstum auch in \u00e4rmeren, sich in einer nachholenden Entwicklung befindlichen L\u00e4ndern f\u00fchre, wird gerade auch durch die Entwicklung der entwickelten kapitalistischen Staaten widerlegt. Gro\u00dfbritannien und auch die USA haben kr\u00e4ftigen Protektionismus betrieben, besonders im 19.Jahrhundert, und erst nachdem die \u00f6konomische Vorherrschaft gesichert war, wurden die Handelsbeziehungen liberalisiert. Auch die sogenannten Tigerstaaten (S\u00fcdkorea, Hongkong, Taiwan und Singapur) \u00f6ffneten ihre M\u00e4rkte erst, nachdem die nationale Industrie gesch\u00fctzt und aufgebaut wurde. Das Gleiche gilt auch f\u00fcr die Wirtschaft der VR China. Der s\u00fcdkoreanische \u00d6konom Chang nannte dieses Prinzip der entwickelten kapitalistischen L\u00e4nder \u201eKicking away the ladder.\u201c Das hei\u00dft, die Leiter des Protektionismus wurde erst sp\u00e4ter umgesto\u00dfen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Frage, warum Ricardos Theorie kein Hilfsmittel unentwickelter Staaten sein kann, gilt es nun zu beantworten.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Bei den entwickelten kapitalistischen Staaten werden hochwertige Waren&nbsp; (Fertigwaren) produziert, w\u00e4hrend die weniger entwickelten Staaten einfache Waren, in der Regel Rohstoffen, herstellen. Die Exporteure einfacher Waren sind benachteiligt, da die Wertsch\u00f6pfung ihrer Waren und damit der Ertrag gering ist. Wichtig ist das Verh\u00e4ltnis von Exportpreisen zu Importpreisen, die sogenannten \u201eTerms of Trade\u201c. Sie geben an, wieviel Importwaren ein Land durch seinen Export erwerben kann. Es ist festzustellen, dass sich die \u201eTerms of Trade\u201c dramatisch zu Ungunsten der weniger entwickelten Staaten verschoben haben. Hinzu kommt, dass weniger entwickelte Staaten h\u00e4ufig Monokulturen entwickelt haben und eigene Industrien nicht aufbauen konnten, weil entwickelte kapitalistische Staaten ihre Hegemonie voll ausgespielt haben. Das Resultat ist ein Auseinanderklaffen von armen und entwickelten L\u00e4ndern der Chancen auf den Weltm\u00e4rkten. Es gilt f\u00fcr die Zukunft, den weniger entwickelten Staaten wirkliche Chancen auf den Weltm\u00e4rkten zu erm\u00f6glichen. Das hei\u00dft allerdings, der Freihandelsideologie abzuschw\u00f6ren und f\u00fcr die entwickelten kapitalistischen Staaten, Schritt f\u00fcr Schritt die maximale private Kapitalverwertung als Prinzip des Wirtschaftens zur\u00fcckzudr\u00e4ngen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>(1)Die Grundlage des Vortrages ist der Text: Beigewum, Mythen der \u00d6konomie, VSA-Verlag, Hamburg 2005.<\/strong><\/p>\n<p><strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p><strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p><strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p><strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p><strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p><strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>LINKSPARTEI 2024 &nbsp; KRITIK KAPITALISTISCHER MYTHEN 1 &nbsp; VORBEMERKUNG \u00d6konomische und soziale Fragen werden im Alltag, aber auch in den Medien und der Politik h\u00e4ufig sehr kontrovers diskutiert und es wird h\u00e4ufig mit sogenannten Mythen gearbeitet. 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