{"id":530,"date":"2015-09-17T16:49:54","date_gmt":"2015-09-17T14:49:54","guid":{"rendered":"http:\/\/linke-bw.de\/kv-breisgau\/?p=530"},"modified":"2015-09-17T16:49:54","modified_gmt":"2015-09-17T14:49:54","slug":"linker-minimalkonsens-und-eine-moderne-sozialismuskonzeption","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/2015\/09\/17\/linker-minimalkonsens-und-eine-moderne-sozialismuskonzeption\/","title":{"rendered":"LINKER MINIMALKONSENS UND EINE MODERNE SOZIALISMUSKONZEPTION.(1)"},"content":{"rendered":"<p>Von<\/p>\n<p>Dr.Peter Behnen<\/p>\n<p>F\u00fcr die Partei \u201eDie Linke\u201c ist die Diskussion einer modernen Sozialismuskonzeption von gro\u00dfer Bedeutung<!--more-->. In der innerparteilichen Diskussion aber auch in der Diskussion au\u00dferhalb der Partei, zum Beispiel in Wahlkampfveranstaltungen und an Informationsabenden, muss deutlich werden, dass die Partei einerseits zusammen mit B\u00fcndnispartnern f\u00fcr verbesserte Lebensbedingungen der B\u00fcrgerInnen k\u00e4mpft, dass sie aber auch andererseits einen Minimalkonsens der Linken mit der langfristigen Verwirklichung einen modernen Sozialismuskonzeption verbindet. Eine solche Konzeption kann auf der Basis der Theorien von Marx und Keynes entwickelt werden. Anzukn\u00fcpfen ist an den Problemen, die die Finanzkrise 2008 und die j\u00fcngste Eurokrise hinterlassen haben. Die aktuellen Krisensituationen m\u00fcssen als vorl\u00e4ufige Endpunkte einer seit der Mitte der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts sich zuspitzende \u00dcberakkumulation von Kapital in den kapitalistischen Metropolen und damit zusammenh\u00e4ngend, einer verfehlten neoliberalen Politik auf internationaler und europ\u00e4ischer Ebene begriffen werden. Die Partei \u201eDie Linke\u201c sollte sich zusammen mit B\u00fcndnispartnern in der SPD, den Gr\u00fcnen und verschiedenen alternativen Gruppierungen f\u00fcr einen linken Minimalkonsens stark machen (2) und auf die Notwendigkeit einer auf Dauer nichtkapitalistischen Perspektive hinweisen. Nur so wird ein weiterer gesellschaftlicher Fortschritt m\u00f6glich sein.<\/p>\n<p><strong>Erstens<\/strong> geht es um die Neuorganisation des Banken- und Finanzsystems. Dieser Sektor hat die Aufgabe, den Unternehmen, staatlichen Stellen und Privaten ausreichend Kredite zur Verf\u00fcgung zu stellen. V\u00f6llig \u00fcberfl\u00fcssig ist in diesem Zusammenhang die Kreierung spekulativer Finanzprodukte. Es kommt im Gegenteil darauf an, vor allem den Sparkassen- und Genossenschaftssektor zu st\u00e4rken, bestimmte Gesch\u00e4fte ganz zu verbieten (z.B.<br \/>\nOffshore-Gesch\u00e4fte) und eine strikte europ\u00e4ische Bankenaufsicht zu schaffen. Die Europ\u00e4ische Zentralbank (EZB) ist mit erweiterten Instrumenten bei ihrer Kreditvergabe und beim Einsatz von Kapitalverkehrskontrollen und Devisenmarktinterventionen auszustatten.<br \/>\n<strong>Zweitens<\/strong> ist die ungleiche Einkommens- und Verm\u00f6gensverteilung konsequent anzugehen. Geeignete Ma\u00dfnahmen sind u. a. eine sozial orientierte Steuerpolitik, die Anhebung von gesetzlichen Mindestl\u00f6hnen, die st\u00e4rkere Mitbestimmung der Besch\u00e4ftigten in Unternehmen, der Aufbau europ\u00e4ischer Gewerkschaften und eine europ\u00e4ische Tarifpolitik.<br \/>\n<strong>Drittens<\/strong> m\u00fcssen die \u00f6ffentlichen Haushalte auf eine solide Einnahmebasis gestellt und eine exzessive Staatsverschuldung verhindert werden. Dabei kann ein europ\u00e4ischer Mindeststeuersatz f\u00fcr Unternehmen, eine st\u00e4rkere und direkte Besteuerung von Gut- und Spitzenverdienern sowie eine Koordinierung und Zentralisierung der europ\u00e4ischen Finanzpolitik weiterhelfen. Au\u00dferdem m\u00fcssen steuerpolitische Ma\u00dfnahmen zur Korrektur von Leistungsbilanzungleichgewichten in Europa eingesetzt sowie ein EU-Finanzausgleich ausgebaut werden.<br \/>\n<strong>Viertens<\/strong> gilt es \u00fcber Europa hinaus Leistungsbilanzungleichgewichte durch eine koordinierte Geld- und Finanzpolitik, Kapitalverkehrskontrollen und Devisenmarktinterventionen zu verhindern. Eine grundlegende Reform des Internationalen W\u00e4hrungsfonds (IWF) ist dabei ein wichtiger Ansatzpunkt.<\/p>\n<p>Die vier angef\u00fchrten Punkte zu verwirklichen, was im Rahmen eines linken Konsenses schwer genug sein wird, w\u00fcrde die schlimmsten Auswirkungen der Finanzkrise beseitigen. Es w\u00e4re nun Aufgabe der Linken, weitertreibende Momente dieser \u00dcbergangsforderungen zu benennen. Es kann dabei angekn\u00fcpft werden an Vorschl\u00e4gen von Keynes, der schon in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts eine \u201e ziemlich umfassende Sozialisierung der Investitionen\u201c forderte ohne allerdings die kapitalistische Produktionsweise in Frage stellen zu wollen. Demgegen\u00fcber kann auf Basis der Marxschen Theorie gezeigt werden, dass durch den tendenziellen Fall der durchschnittlichen Profitrate auf Dauer eine Blockade des Wirtschaftswachstums (Akkumulation) entsteht, die nur durch die Aufhebung der kapitalistischen Produktionsweise beseitigt werden kann. Ein \u00f6ffentliche Rahmenplanung der die Volkswirtschaft bestimmenden Investitionen und ein gesellschaftlicher Zugriff auf das Eigentum an den Produktionsmitteln bleiben dabei von zentraler Bedeutung sein. F\u00fcr entwickelte Volkswirtschaften wird ein Marktsozialismus als moderne Sozialismuskonzeption zu diskutieren sein.<\/p>\n<p><strong>Eckpunkte eines modernen Sozialismuskonzeptes.<\/strong><\/p>\n<p>Bereits Keynes schwebte f\u00fcr die lange Frist eine Gesellschaft vor, in der aufgrund der Entwicklung der Technik (Bestand des fixen Kapitals) die Knappheit von G\u00fctern im Verh\u00e4ltnis zur gesellschaftlichen Nachfrage \u00fcberwunden werden k\u00f6nne. Marx hatte schon im 19.Jahrhundert vorausgesehen, dass durch die Entwicklung der Produktivkr\u00e4fte der Arbeit der Kapitalismus an die Schwelle zu einer m\u00f6glichen Gesellschaft des \u00dcberflusses kommen kann, allerdings eine solche Gesellschaft nur unter der Voraussetzung zu erreichen ist, dass die kapitalistische Gesellschaft \u00fcberwunden und eine neue h\u00f6here Form der gesellschaftlichen Produktion etabliert wird. F\u00fcr Marx war die Reichlichkeit des fixen Kapitals (Maschinen, Geb\u00e4ude, Rohstoffe) immer eine wesentliche Voraussetzung f\u00fcr den \u00dcbergang in eine neue Produktionsweise. Es entsteht allerdings dann die Frage, in welchem Verh\u00e4ltnis die Reichlichkeit oder die Knappheit von Waren zu den Bed\u00fcrfnissen der Gesellschaftsmitglieder steht. \u00d6konomen, die in der Tradition von Keynes stehen, haben darauf hingewiesen, dass eine weitgehende S\u00e4ttigung von Bed\u00fcrfnissen schon in dieser Gesellschaft m\u00f6glich sei. Dem widerspricht jedoch, dass der Finanzkapitalismus der letzten Jahrzehnte wegen der Zunahme der Einkommens- und Verm\u00f6gensungleichheit sich wieder weitgehend von einer \u00dcberflussgesellschaft entfernt hat, ganz abgesehen von \u00f6kologischen und sozialen Defiziten und von den gravierenden Problemen der 3. und 4.Welt. Hier setzt eine moderne Sozialismuskonzeption als demokratische Antwort auf die angebliche S\u00e4ttigung von Bed\u00fcrfnissen ein. Es muss zugegeben werden, dass eine marktvermittelte Allokation von gesellschaftlichen Ressourcen solange unverzichtbar ist, solange die gew\u00fcnschten Waren nicht im \u00dcberfluss vorhanden und frei verf\u00fcgbar sind und auch eine zentrale Rationierung von G\u00fctern abgelehnt wird. Das System des Staatssozialismus hat gezeigt, dass eine umfassende zentrale Planung des Wirtschaftslebens nicht die Antwort auf die Krise des Kapitalismus sein kann. Eine zentrale Lenkung der gesellschaftlichen Ressourcen durch eine staatliche Planungsbeh\u00f6rde erwies sich als immer weniger funktional f\u00fcr die Produktivit\u00e4tssteigerung und das Wirtschaftswachstum. Das zeigte sich u. a. darin, dass viele verstaatlichte Betriebe Planungsdefizite durch informelle Marktbeziehungen ausgleichen mussten. Es entwickelte sich eine Schattenwirtschaft, das hei\u00dft, dass sich viele Betriebe illegal von anderen Industrie- Bau und Transportbetrieben ben\u00f6tigte Rohstoffe, Halb- und Fertigwaren besorgten. Dass damit auch pers\u00f6nliche Bereicherungen, Vetternwirtschaft und Korruption verbunden waren lag in der Natur der Sache. Es setzte sich in vielen staatssozialistischen L\u00e4nder, wenn auch zu sp\u00e4t, die Erkenntnis durch, dass die zentrale Ressourcenzuteilung und die staatlich festgelegten Preise immer weniger auf verursachungsgerechter Kostenzuordnung aufgebaut waren und der gesellschaftliche Bedarf nicht optimal befriedigt werden konnte. Die Beschaffenheit der G\u00fcter entsprach in vielen F\u00e4llen nicht den Bed\u00fcrfnissen der B\u00fcrger.<\/p>\n<p>Welche Schlussfolgerungen ergeben sich aus diesen Erfahrungen f\u00fcr eine moderne Sozialismuskonzeption?<\/p>\n<p>1. Eine sozialistische \u00d6konomie f\u00fcr eine entwickelte Volkswirtschaft wird den Ware-Geld-Beziehungen, das hei\u00dft Angebot und Nachfrage an M\u00e4rkten, eine wichtige Funktion einr\u00e4umen.<br \/>\n2. Unternehmen werden nicht vorwiegend von einer staatlichen Planungsbeh\u00f6rde gesteuert werden m\u00fcssen, sondern dezentrale Entscheidungen auf Unternehmensebene werden f\u00fcr weite Bereiche der Volkswirtschaft das bestimmende Prinzip sein.<br \/>\n3. Entscheidend f\u00fcr den systemspezifischen Charakter einer Wirtschaftsordnung sind die Produktionsverh\u00e4ltnisse, das hei\u00dft das Verh\u00e4ltnis der Produzenten zu den Produktionsmitteln und nicht, ob die G\u00fcter als Waren zirkulieren. Marx hatte vielfach darauf hingewiesen, dass die Warenzirkulation in verschiedenen Produktionsweisen vorzufinden ist, sogar unter antiken Verh\u00e4ltnissen. Wenn die kapitalistische Produktionsweise abzuschaffen ist, dann bedeutet das, dass die Produktionsmittel nicht mehr als privates Eigentum dazu dienen, von den Arbeitenden Mehrarbeit bzw. Mehrwert anzueignen sondern die Verwirklichungsbedingungen der Arbeit der Produzenten darstellen. Damit wird gleichzeitig der Warencharakter der Arbeitskraft in Frage gestellt, das hei\u00dft, die Funktion des privaten Eigentums an den Produktionsmitteln zur\u00fcckgedr\u00e4ngt und die Arbeitskr\u00e4fte selbst \u00fcber das Was, Wie und F\u00fcr Wen ihrer Arbeit entscheiden. Es entsteht ein ver\u00e4ndertes Verhalten der Gesellschaft insgesamt und der einzelnen Unternehmen zu den Produzenten. Eine solche Gesellschaft verweist auf die f\u00fchrende Rolle des Gemeineigentums an den Produktionsmitteln und dem Grund und Boden. Das muss nicht unbedingt staatliches Eigentum sein sondern kann auch halbstaatliches oder vor allem modernisiertes genossenschaftliches Eigentum sein. Auch der Fortbestand des privaten Eigentums an Produktionsmitteln ist in bestimmten Bereichen der Gesellschaft vorstellbar, insbesondere bei kleinen nichtkapitalistischen Warenproduzenten und Warenkaufleuten (Kleines Handwerk und Kleinhandel). Das gesellschaftliche Eigentum an den Produktionsmitteln harmoniert also mit verschiedenen gesellschaftlich-gemeinschaftlichen Eigentumsformen.<\/p>\n<p>Die Schlussfolgerung f\u00fcr ein modernes Sozialismuskonzept lautet also:<br \/>\nDie drei Elemente, &#8211; Eigentum an den Produktionsmitteln, Entscheidungsgewalt \u00fcber die Unternehmensausrichtung und die gesellschaftliche Steuerung wichtiger volkswirtschaftlicher Gr\u00f6\u00dfen ( Wachstum, Besch\u00e4ftigung, Preise etc.)- sind so zusammenzusetzen, dass die Dominanz der nicht-kapitalistischen Produktionsverh\u00e4ltnisse gew\u00e4hrleistet bleibt. Das schlie\u00dft ein, dass es einen Mix aus verschiedenen Eigentumsformen mit der Dominanz vergesellschafteter Unternehmen in den Schl\u00fcsselsektoren geben sollte. Zu den Schl\u00fcsselsektoren geh\u00f6ren wichtige Investitions- und Konsumg\u00fcterunternehmen, Unternehmen der gesellschaftlichen Infrastruktur (Energie, Verkehr, Gesundheit) und das Bank- und Kreditwesen. Im verbleibenden privaten Sektor wird die Mitbeteiligung der Belegschaften eine wichtige Rolle spielen, insbesondere was die Gestaltung der Arbeitsverh\u00e4ltnisse angeht.<\/p>\n<p><strong>Marktsozialismus und Modernisierung<\/strong>.<\/p>\n<p>Seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts hat sich gezeigt, dass der Finanzkapitalismus die Technikentwicklung f\u00fcr drastische kurzfristige Kostensenkungen und Rentabilit\u00e4tssteigerungen auf Kosten der Besch\u00e4ftigten und zu Gunsten der Aktion\u00e4re und institutionellen Investoren, zum Beispiel Investmentfonds, genutzt hat. Das hat zur Folge gehabt, dass etliche Fortschritte bei der Lohnentwicklung, Arbeitszeitentwicklung und Sozialstaatsgestaltung der vorangegangenen Epoche zur\u00fcckgenommen wurden. Ein modernes Sozialismuskonzept wird an den am weitesten entwickelten Formen der Technik und der sozialen Gestaltung des Kapitalismus ankn\u00fcpfen und ihre Weiterentwicklung f\u00fcr die Zwecke der Besch\u00e4ftigten und Sozialleistungsempf\u00e4nger nutzbar machen. Es geht dabei um eine neue Betriebsweise, bei der die Modernisierung der Technik f\u00fcr eine bewusste Steuerung der Investitionen eingesetzt wird. Der produktive wertsch\u00f6pfende Bereich der Volkswirtschaft wird von Verm\u00f6gensanspr\u00fcchen der Aktion\u00e4re und institutionellen Investoren weitgehend befreit werden m\u00fcssen. Der Finanzsektor wird seines spekulativen und teilweise parasit\u00e4ren Charakters entkleidet und zu einer \u201edienenden Rolle\u201c im Steuerungsprozess der Entwicklung des gesellschaftlichen Reichtums eingesetzt. Europa bzw. die EU muss auf eine weitgehende politische Vereinheitlichung und regionale Strukturpolitik hin orientiert werden. Auch die weltwirtschaftliche Arbeitsteilung muss mit entsprechendem sozialem Ausgleich in den Blick genommen werden. F\u00fcr eine sozialistische Wirtschaftspolitik bedeutet das, auf Europa bezogen, die Strukturpolitik das Herzst\u00fcck einer bewussten Gestaltung europ\u00e4ischer Wirtschaftsstrukturen darstellt.<br \/>\nDie neue Qualit\u00e4t gegen\u00fcber der bisherigen Politik besteht darin, dass offensiv steuernde Eingriffe vorgenommen und vor allem regionale Entwicklungsaufgaben angegangen werden. Die Strukturpolitik wird sozial vertr\u00e4glich sein und ein \u00f6konomischer und sozialer Ausgleich zwischen den beteiligten L\u00e4ndern der EU verwirklicht werden. Diese Politik muss national und europaweit mit neuen volkswirtschaftlichen Steuerungsinstitutionen durchgef\u00fchrt werden. Vorstellbar sind Agenturen in \u00f6ffentlicher Rechtsform, die nach politischen Vorgaben und unter Aufsicht von politischen Aufsichtsorganen wirtschaftspolitische Ma\u00dfnahmen entweder selbst ergreifen oder \u00fcberwachen und der Finanzhoheit von Parlamenten unterliegen. Die \u00f6ffentliche Strukturpolitik der sozialistischen Marktwirtschaft erfolgt damit sowohl durch den \u00f6ffentlichen Wirtschaftssektor selbst als auch durch mit ihm abgestimmte Steuerungsagenturen, die als verl\u00e4ngerter Arm der parlamentarisch beschlossenen Wirtschaftspolitik dienen.<br \/>\nF\u00fcr den \u00fcberkommenen Sozialstaat bedeutet Modernisierung unter marktsozialistischen Vorzeichen die R\u00fccknahme seiner klassenspezifischen Merkmale. Die erste Forderung zur Relativierung des b\u00fcrgerlichen Sozialstaats k\u00f6nnte die allgemeine B\u00fcrgerversicherung bei Krankheit, Unfall, Pflegebedarf und Alter sein. Ferner sollten \u00f6ffentliche Dienstleistungen Dienstleistungen auf Kostenbasis ohne Profitbestandteile sein. Sofern \u00f6ffentliche Dienstleistungen sich nicht selbst tragen k\u00f6nnen sind sie aus Steuermitteln zu finanzieren.<br \/>\nDie Ausgestaltung des Steuersystems sollte nach dem Prinzip der St\u00e4rkung der direkten gegen\u00fcber indirekten Besteuerung erfolgen. Das bedeutet, eine progressive Besteuerung auf h\u00f6here Einkommen und Verm\u00f6gen vorzunehmen. Sofern eine Einkommensspreizung weiterhin erfolgt, so sollte sie gesellschaftlich transparent und allgemein akzeptiert sein. Die Leitlinie muss in der sozialistischen Marktwirtschaft sein, eine Abstufung von Einkommen nach der Leistung zu erm\u00f6glichen und leistungslose Einkommen ganz zu unterbinden.<br \/>\nDie Gestaltung des Arbeitslebens in der sozialistischen Marktwirtschaft hat anzukn\u00fcpfen an den entwickelten Formen im Kapitalismus. Sie hat die \u00fcberkommenen Regulierungen zu modernisieren und auszubauen. Wie bereits dargestellt, entkleidet diese Politik die Produktionsmittel ihres Kapitalcharakters und tr\u00e4gt dazu bei, der Arbeitskraft nach und nach den Charakter einer auf dem Markt frei verf\u00fcgbaren Ware zu nehmen. Das bedeutet unter anderen, dass die Besch\u00e4ftigten und ihre Vertreter entscheidenden Einfluss auf die Unternehmenspolitik erhalten und zusammen mit au\u00dferbetrieblichen gesellschaftlichen Gruppen, zum Beispiel kommunalen Vertretern, die Entwicklung des Unternehmens bestimmen. Genossenschaftliche Strukturen in modernisierter Form k\u00f6nnen deutlich machen, dass die Besch\u00e4ftigten nicht in erster Linie kurzfristig denkende Interessenvertreter sind sondern vor allem auch mittel- und langfristige Perspektiven, die Teil der gesellschaftlichen Strukturpolitik sind, im Auge haben.<\/p>\n<p><strong>Kommunistische Perspektiven?<\/strong><\/p>\n<p>Auch die in groben Z\u00fcgen vorgeschlagene sozialistische Marktwirtschaft ist von einer Gesellschaft des \u00dcberflusses, in der die G\u00fcter frei verf\u00fcgbar sind und eine marktvermittelte Ressourcenverteilung entbehrlich ist, noch weitentfernt. Die G\u00fcter werden weiter als Waren verkauft und die Nachfrage ist weiterhin zahlungsf\u00e4hige Nachfrage. Es gilt das Marxsche Prinzip: \u201eJeder nach seinen F\u00e4higkeiten jeder nach seiner Leistung.\u201c Dieses Prinzip ist nach Marx charakteristisch f\u00fcr die unentwickelte Phase des Kommunismus, die auch als Sozialismus bezeichnet wird. Originalton Marx: \u201e Womit wir es hier zu tun haben, ist eine kommunistische Gesellschaft, nicht wie sie sich auf ihrer eigenen Grundlage entwickelt hat, sondern umgekehrt, wie sie eben aus der kapitalistischen Gesellschaft hervorgeht, also in jeder Beziehung, \u00f6konomisch, sittlich, geistig, noch behaftet ist mit den Muttermalen der alten Gesellschaft, aus deren Scho\u00df sie herkommt.\u201c (3) Diese Gesellschaft weist weiter eine marktvermittelte Verteilung von Waren auf. Der Staatssozialismus, so wie er sich bis zu seinem Niedergang darstellte, versuchte demgegen\u00fcber eine Verteilung durch zentrale Planungsbeh\u00f6rden. Was dabei heraus kam, war eine Verteilung des Mangels mit pers\u00f6nlicher Bereicherung, Vetternwirtschaft und Korruption und mitnichten eine h\u00f6here Phase der kommunistischen Gesellschaft, die eine \u00dcberflussgesellschaft darstellen sollte. In einer \u00dcberflussgesellschaft sollte tendenziell der gesamte notwendige Konsum mit freien G\u00fctern, das hei\u00dft ohne Warenform und Preise, bewerkstelligt werden k\u00f6nnen. Ob ein solcher Gesellschaftszustand erreichbar und mit dem Begriff \u201eKommunismus\u201c zu etikettieren ist, war auch f\u00fcr Marx zweifelhaft. Noch einmal Marx: \u201e Der Kommunismus ist f\u00fcr uns nicht ein Zustand, der hergestellt werden soll, ein Ideal, wonach sich die Wirklichkeit zu richten haben wird. Wir nennen Kommunismus die wirkliche Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt.\u201c (4) Eine solche Formulierung steht in direktem Gegensatz zu einer Vielzahl von Verlautbarungen kommunistischer Parteien im Staatssozialismus. Eine \u00dcberflussgesellschaft im Sinne von Marx, in der eine Verteilung nach den gesellschaftlichen Bed\u00fcrfnissen m\u00f6glich ist, ist allerdings weiter eine Gesellschaft, in der Arbeit eine gesellschaftliche Notwendigkeit darstellt. Arbeit bleibt ein Mittel zur Nutzbarmachung von gesellschaftlichen und nat\u00fcrlichen Ressourcen, auch wenn sie m\u00f6glicherweise zunehmend wissenschaftliche Arbeit und Kontrollarbeit eines automatischen Produktionsprozesses darstellt. Sie ist eine hoch produktive Arbeit, die unter allen werkf\u00e4higen Mitgliedern der Gesellschaft verteilt wird und die einen sinkenden Anteil an der Lebenszeit der Menschen einnehmen wird. Auf der anderen Seite sollte nicht unerw\u00e4hnt bleiben, dass der \u00dcberfluss bzw. die \u00dcberwindung von Knappheit nicht nur eine Frage der Produktivit\u00e4t der Arbeit sondern auch eine Frage der Bed\u00fcrfnisentwicklung der Individuen ist. Es kommt darauf an, dass das Bed\u00fcrfnissystem auf eine rationale und demokratische Weise entwickelt wird und, im Gegensatz zur b\u00fcrgerlichen Gesellschaft, nicht mehr den Zw\u00e4ngen der privaten Kapitalverwertung unterworfen ist.<\/p>\n<p>(1) Siehe hierzu: Stephan Kr\u00fcger, Keynes und Marx, Hamburg 2012,<br \/>\nS. 347ff<br \/>\nund: Stephan Kr\u00fcger, Wirtschaftspolitik und Sozialismus, Hamburg<br \/>\n2015.<br \/>\n(2) Siehe: Dullien, Herr, Kellermann, Der gute Kapitalismus und was<br \/>\nsich daf\u00fcr \u00e4ndern m\u00fcsste, Bielefeld 2009.<br \/>\n(3) Siehe Marx-Engels-Werke, Band 19, S. 20<br \/>\n(4) Siehe Marx-Engels-Werke, Band 3, S. 35<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Dr.Peter Behnen F\u00fcr die Partei \u201eDie Linke\u201c ist die Diskussion einer modernen Sozialismuskonzeption von gro\u00dfer Bedeutung<\/p>\n","protected":false},"author":122,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0},"categories":[3],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/530"}],"collection":[{"href":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/122"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=530"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/530\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=530"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=530"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/linke-bw.de\/petersblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=530"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}