Alterssicherung: Höhere Rente beim Nachbarn Österreich

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In Österreich sind die staatlichen Renten erheblich höher als in Deutschland, wo die Riester-Reform große Lücken gerissen hat.

Langjährig beschäftigte Männer, die 2013 in den Ruhestand gingen, bekamen hierzulande rund 1.050 Euro monatlich aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Österreichern mit ähnlicher Erwerbsbiografie überwies die staatliche Pensionsversicherung hingegen 1.560 Euro. Der Betrag ist nicht nur höher, sondern wird im Gegensatz zur deutschen Rente auch 14- statt 12-mal im Jahr ausgezahlt. Auf den deutschen Zahlungsrhythmus umgerechnet bekommen die Österreicher sogar 1.820 Euro im Monat.

Dies geht aus einer Untersuchung von WSI, IMK und der österreichischen Kammer für Arbeiter und Angestellte hervor. Das dortige System gewährleiste „einen deutlich besseren Schutz im Alter“, schreiben die Wissenschaftler – ohne dass seine Kosten die Wirtschaft abwürgten.Um die Jahrtausendwende, als die These en vogue war, dass kapitalgedeckte Rentensysteme der hergebrachten umlagefinanzierten Alterssicherung weit überlegen seien, geriet zwar auch die österreichische Pensionsversicherung politisch unter Druck. Zu einer massiven Senkung des Leistungsniveaus, wie sie in Deutschland mit der Riester-Reform erfolgte, kam es aber letztlich nicht. Damit sei die Alpenrepublik besser gefahren als ihr nördlicher Nachbar, konstatieren die Forscher. Denn in Deutschland hätten sich in die freiwillige kapitalgedeckte Altersvorsorge gesetzte Hoffnungen insgesamt nicht erfüllt. „Übrig geblieben ist ein System, das in Zukunft viele noch nicht einmal vor Altersarmut schützen wird“, heißt es in der Studie.

Auch wenn die Rentenbeiträge dort höher sind, habe sich Österreich wirtschaftlich nicht schlechter entwickelt. Im Gegenteil: Das Land habe seit Beginn der europäischen Währungsunion „einen balancierteren Wachstumskurs mit einem stärkeren Wachstum der Binnennachfrage“ verfolgt, so die Forscher.

Für Rentenreformer in Deutschland lohne ein Blick nach Süden allemal. Das gilt etwa für die stärkere Beteiligung der Arbeitgeber an staatlicher wie betrieblicher Altersvorsorge oder die Weiterentwicklung des Systems in Richtung Erwerbstätigenversicherung mit Angleichung der Beamtenversorgung. Als ersten Schritt empfehlen die Wissenschaftler eine Streichung des Riester-Faktors in der Rentenformel.

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