Kitas – unbesetzte Stellen „nahezu verdoppelt“

15. Mai 2019  Allgemein, Anfragen, Berichte

Der Fachkräftemangel wirkt auch in die Karlsruher Kita-Landschaft hinein. Die Ursachen liegen auf verschiedenen Ebenen. Wenn für die Ausbildung Schulgeld erhoben und auch noch keine Ausbildungsvergütung gezahlt wird, muss man sich nicht wundern. Im Folgenden die Auskunft der Stadt auf unsere Fragen:

Welche Kenntnisse hat die Stadt über die Anzahl und den Anteil nicht besetzter Stellen an den Kitas in Karlsruhe?
a. bei den städtischen Kitas

Über den Jahresverlauf 2018 waren in den 28 städtischen Einrichtungen (Kitas und Horte, ohne ergänzende Betreuung an Schulen) inkl. Hohenwettersbach (aber ohne Stadtamt Durlach, OV’en Wolfartsweier, Grünwettersbach, da die Stellenbewirtschaftung dort direkt erfolgt) von ca. 160 Fachkraftstellen rechnerisch ca. 5 Stellen durchgehend unbesetzt. Faktisch ermittelt sich dieser Wert in Umfang und Zeitdauer aus unterschiedlichen Stellenanteilen in verschiedenen Einrichtungen.
Zusätzlich waren 8 von ca. 40 Stellen für Berufspraktikantinnen und -praktikanten über das Jahr 2018 hinweg unbesetzt.
Gegenüber dem Jahr 2017 hat sich die Zahl ganzjährig unbesetzter Personalkapazitäten bei den ausgebildeten Fachkräften nahezu verdoppelt. Bei den Berufspraktikantinnen und -praktikanten blieben sogar mehr als doppelt so viele Stellen wie 2017 unbesetzt.
Unbesetzte Berufspraktikantenstellen waren neben der direkten Ursache, dass keine oder keine ausreichend qualifizierten Kandidaten und Kandidatinnen gefunden werden konnten, z.T. auch dadurch begründet, dass auf die Besetzung einer Stelle verzichtet werden musste, weil in den Einrichtungen nicht ausreichend Fachkräfte zur Anleitung und Betreuung zur Verfügung stan-den.
Für 2019 setzt sich diese Tendenz schwieriger gewordener Fachkräftegewinnung sowohl in Quantität als auch in Qualität fort. Die genannten Zahlen unbesetzter Stellen spiegeln jedoch nur zum Teil die spürbare Erschwernis bei der Gewinnung qualifizierter Fachkräfte wider. Eine erfolgte Stellenbesetzung bedeutet heutzutage nicht in jedem Fall die Einstellung einer hoch-qualifizierten Fachkraft. Die im vergangenen Jahr ebenfalls zu beobachtende steigende Zahl an Probezeitkündigungen deutet auf diesen Umstand hin.

b. bei den Kitas anderer Träger
Der Stadt liegen kurzfristig keine aktuellen detaillierten Erkenntnisse vor, hierzu müsste eine Abfrage gestartet werden. Da das Thema vakante Stellen eine bundesweite Relevanz besitzt und dies auch für Karlsruhe bei Trägergesprächen deutlich wird, ist davon auszugehen, dass es auch bei den freien Trägern unbesetzte Stellen in ähnlichem Umfang gibt.

2. Sieht die Stadt Handlungsbedarf? Wenn ja, welchen?

Die Stadt Karlsruhe sieht dringenden Handlungsbedarf in Bezug auf die Attraktivitätssteigerung des Berufsbildes insgesamt zur Gewinnung qualifizierter Fachkräfte und eine Attraktivitätssteigerung der Berufsausbildung zur nachhaltigen Gewinnung von Nachwuchskräften.
Die Einführung und ab 2018 die Erhöhung der Zahl an PiA Ausbildungsplätzen zur Gewinnung neuer Personengruppen („Quereinsteigende“) war ein wichtiger erster Schritt.

Kritisch wird aber v.a. die Ausbildungssituation bei der klassischen Fachschulausbildung für Schulabsolventinnen und -absolventen eingestuft. Fehlende Ausbildungskapazitäten, Erhebung von Schulgeld und demgegenüber keine Ausbildungsvergütung wirken unattraktiv (siehe Ziff. 1a). Die Folge ist der Anstieg unbesetzter Stellen für Berufspraktikanten auf 1/5 aller BP Stellen in 2018 beim Träger Stadt Karlsruhe.

Derzeit wird sowohl auf kommunaler, Landes- als auch Bundesebene (dt. Städtetag, KM-BW, BMFSFJ) über neue Wege zur Attraktivitätssteigerung bei der bisherigen klassischen Fachschul-ausbildung diskutiert. Zur Debatte stehen z.B. duale Ausbildungsformen mit Ausbildungsvergütung (angelehnt an PiA). Auch die künftig stärkere Einbeziehung neuer elementar- und kind-heitspädagogisch ausgerichteter Bachelor-Studiengänge in die Bezahlungs- und Stellenstruktur der Kindertageseinrichtungen ist vertieft zu prüfen.
Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) fördert im Rahmen der „Fachkräfteoffensive für Erzieherinnen und Erzieher“ folgende drei Programmbereiche:

Praxisintegrierte vergütete Ausbildung,

Förderung der Qualifizierung von Praxisanleiterinnen und -anleitern sowie

.Aufstiegsbonus zur Eröffnung von Weiterbildungsmöglichkeiten als Anreizsystem für Fachkräfte.
Die Stadt Karlsruhe und andere Träger haben sich um die Teilnahme am Bundesprogramm beworben.

Mit dem „Pakt für gute Bildung und Betreuung“ verfolgen das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg und die Kommunen das Ziel, neben der Verbesserung der Quali-tät in der frühkindlichen Bildung, mehr Fachkräfte für die Arbeit im frühpädagogischen Bereich zu gewinnen. Der Pakt umfasst eine Ausbildungsoffensive für Fachkräfte. Ab 1. September 2019 soll für einen befristeten Zeitraum eine Ausbildungspauschale in Höhe von 100 Euro pro Ausbildungsplatz und Monat gewährt werden, wenn in der jeweiligen Gemeinde von allen Trä-gern gemeinsam mindestens 25 Prozent mehr PiA´s im ersten Ausbildungsjahr ausgebildet werden.

Von der Stadt Karlsruhe als Träger wird neben der Unterstützung der oben genannten überört-lichen Bemühungen eine Flexibilisierung des Stellenkontingents (Pufferstellen) für sinnvoll erach-tet (und z.T. bereits praktiziert). Dadurch soll es stärker als bisher ermöglicht werden, auch für befristete Stellenvakanzen (z.B. wegen Elternzeit, o.a.) unbefristete Beschäftigungsangebote unterbreiten zu können und damit die Gewinnung und Bindung des Fachpersonals zu unter-stützen. Dies erfordert eine flexiblere, dienststellenübergreifende Personaleinsatzplanung, die derzeit gerade in der Konzeptionsphase ist.

Verstärkt werden regional wie überregional wirkende Personalmarketing-Maßnahmen (Messen, Tage der offenen Tür an Fach- und Hochschulen) zu Akquisezwecken genutzt, deren Wirkung sich jedoch aufgrund der bundesweiten Problematik bisher als begrenzt erweist.

3. Wie sieht die Stadt die Ausstattung der Kitas in Karlsruhe mit ausreichend Personal in den nächsten Jahren?

Um dem steigenden Personalbedarf in den Kindertageseinrichtungen gerecht werden zu kön-nen, sollen künftig vermehrt Personen aus anderen Berufsgruppen nach §7 KiTaG des Fachkräftekatalogs eingestellt werden.
Zum Überbrücken von Personalausfällen aus Elternzeit- und Krankheitsgründen und Kurmaß-nahmen werden auch kurzfristig Studierende in Teilzeit eingestellt, die einen sozial Beruf im Erstberuf haben.

Kindertageseinrichtungen mit bilingualem deutsch/französischem Konzept stellen vermehrt im Grenzgebiet lebende französische anerkannte pädagogische Fachkräfte ein, derzeit ca. 70 Personen in Karlsruhe.

Attraktive Werbekampagnen auf Youtube und anderen sozialen Onlineportalen sollen für den Beruf der Erzieherin und des Erziehers begeistern.

Stadt Karlsruhe
Der Oberbürgermeister, 14.05.2019



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