Regionale Schulentwicklung

25. September 2020  Allgemein, Schule

Rede von Dr. Erhard Jöst in der Gemeinderatssitzung am 24.9.2020

Alle Parteien und Wählervereinigungen sind sich einig in der Feststellung, dass die Schulbildung gefördert werden muss. Denn das Geld, das man in die Schulen steckt, ist eine notwendige Investition in die Wirtschaft und Gesellschaft der Zukunft. Freilich treten bei der Umsetzung des Vorhabens immer große Meinungsverschiedenheiten auf, was daran liegt, dass die Beträge sehr hoch sind und die Parteien unterschiedliche Schulmodelle bevorzugen.

Der Einstieg in die Beratungen zur Schulentwicklungsplanung Ende des Jahres 2019 war nicht glücklich, weil in der HSt am 12 Dez.2019 das Ende der Werkrealschule in Neckargartach verkündet wurde, obwohl sich die Projektgruppe noch gar nicht mit dem Thema befasst hatte. Es war klar, dass dieser Artikel zu Verunsicherungen führte und berechtigte Proteste auslöste.

Anschließend fanden zeitaufwendige und äußerst intensive Beratungen statt, bei denen sich die jetzt vorgelegten Lösungen herauskristallisierten. Es handelt sich in vielen Bereichen um Kompromisse, um die hart gerungen wurde, weil das Dezernat und alle Mitglieder der Projektgruppen von der Machbarkeit und der Wirtschaftlichkeit der Schulplanung ausgehen mussten. Zwar wurde auch über die pädagogischen Gesichtspunkte diskutiert, aber diese spielten bei den Entscheidungen dann doch eine untergeordnete Linie. Ich gehe nur auf die Schulart ein, über die am meisten gesprochen, um die am heftigsten gerungen wurde: Die Werkrealschule.

Die Linke hätte die Albrecht-Dürer und auch die Rosenau-WRS gerne erhalten, sie hat sich leidenschaftlich für sie eingesetzt, aber es wurden gegen ihre Fortführung immer die geringen Anmeldezahlen ins Feld geführt. Diese allein konnten ebenso wenig überzeugen wie auch die Argumentation, dass die ADS in Ngt verkehrsmäßig schlecht zu erreichen sei. Aber es kam dann noch ein drittes Argument hinzu, das schwer wiegt und letztlich dafür spricht, die WRS in Neckargartach auslaufen zu lassen und die ADS in eine reine Grundschule umzuwandeln: Die Entwicklung der Neubaugebiete Längerter, Fleischbeil und Nonnenbuckel in Ngt. Mit ihnen ist absehbar, dass in Zukunft mehr Grundschulplätze in Ngt. Benötigt werden. Unter den gegebenen Bedingungen ist es daher nachvollziehbar, dass man die AD und die Rosenau WRS auslaufen lässt. Es bedeutet ja nicht das Ende der WRS, denn die Wilhelm-Hauff und die Wartberg-Schule sollen ja WRS bleiben bzw. wieder eingerichtet werden. Das ist auch notwendig, wenn die Stadt an den Zielen Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit festhalten und sicherstellen möchte, „dass jedes Kind entsprechend seiner vorhandenen Begabungen und Neigungen optimal gefördert“ wird.

Wenn mittelfristig die Fachräume an der ADS für den GS-Betrieb rückgebaut werden, müssen aber gleichzeitig Mittel in die Schule gesteckt werden, um sie als reine Grundschule fit zu machen. Die Linke wird genau verfolgen, dass die Verwaltung die Anpassung des Raumbestands an das künftige Schulprofil auch durchführt.

Und eines ist uns im Zusammenhang mit der Schließung der ADS-WRS besonders wichtig zu betonen. Sie geschieht unter dem Druck der Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit, aber nicht aus pädagogischen Gesichtspunkten. Ich finde es nicht gut, wenn im Bericht zur regionalen Schulentwicklung auf der Seite 9 formuliert wird, die WRS habe einen „schlechten Ruf“  und um sie „attraktiv zu machen“, müsste sie „eine ‚Top-Schule‘ sein“. Diese Formulierung legt den falschen Schluss nahe, dass die WRS AD und Rosenau geschlossen werden, weil sie eben keine „Top-Schule“ waren und weil die LehrerInnen schlecht gearbeitet hätten. Jeder, der sich mit der Thematik befasst hat, weiß, dass das Gegenteil der Fall ist. Gerade die Pädagogen, die an der Rosenau und an der AD-WRS unterrichten, haben Schwerstarbeit geleistet, denn die Schüler benötigen bekanntlich eine besonders intensive Betreuung, und haben sich vorbildlich dafür eingesetzt, dass ihre SchülerInnen einen Abschluss und eine Arbeitsstelle erhalten. Ihnen sei daher an dieser Stelle ausdrücklich gedankt.

Es muss auch darauf verwiesen werden, dass – von der Schulleiterin angefangen – sich auch viele Lehrer gerade an die ASD haben versetzen lassen, weil sie an einer WRS unterrichten wollten. Für diese Kolleginnen und Kollegen ist es bitter, dass ihr Werkrealschul-Zweig nun ausläuft. Die Kollegien sowohl der Rosenau- als auch der AD-WRS haben sich mit überzeugenden pädagogischen Argumenten für ihren Erhalt eingesetzt, und es ist sehr bedauerlich, dass ihnen der Erfolg versagt bleibt.

Überblickt man die regionale Schulentwicklung, dann legen die Zahlen und Bedingungen die Schlussfolgerung nahe, künftig noch mehr auf die Gemeinschaftsschule zu setzen. Ihre Attraktivität muss unbedingt gesteigert werden. Darüber muss bei den künftigen Beratungen verstärkt gesprochen werden. Und die Linke wird sich stets dafür einsetzen, dass allen Jugendlichen die gleichen Bildungs-Chancen geboten werden. Eine Auswahl nach dem Geldbeutel darf es nicht geben. Insofern muss man vor allem die Entwicklung hin zum Privatschulbereich kritisch verfolgen und gegebenenfalls einschränken.

Ich komme auf meinen Einstieg zurück: Die Unterhaltung der Schulen ist teuer, aber notwendig. Sie sollte kontinuierlich betrieben werden, damit eine Schule nicht völlig abgehängt und als Lernort unzumutbar wird wie zum Beispiel die Neckartal-Schule. Deren Abriss und Neubau darf auf keinen Fall auf die lange Bank geschoben werden, sondern muss zeitnah erfolgen.


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